Neuausrichtung beim Fußballverband?

DFB-Krise: Manager Bierhoff mit Mega-Monolog - Eine Wow-Aussage bleibt hängen

Keine Versprechungen an den FC Bayern: DFB-Direktor Oliver Bierhoff picht auf die baldige Austragung von Länderspielen.
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DFB-Direktor Oliver Bierhoff.

Joachim Löw bleibt vorerst Bundestrainer, das bestätigte der DFB bereits am 30. November. Am 4. Dezember sprach Oliver Bierhoff nun auf einer Pressekonferenz.

  • Joachim Löw bleibt vorerst Bundestrainer - das gab der DFB bekannt. Doch es gibt weiter Störfeuer.
  • Der gesamte DFB steht in der Kritik und will die sportlichen Geschehnisse aufarbeiten.
  • Am Freitag gab DFB-Manager Oliver Bierhoff eine PK - dabei erklärte er, dass er selbst einst seinen Rücktritt anbot.

16.33 Uhr: Nach rund eineinhalb Stunden ist die Pressekonferenz beendet, Oliver Bierhoff erklärte anhand einer „tieferen Analyse“ die Entscheidung des DFB, mit Joachim Löw auch gemeinsam in die Europameisterschaft 2021 zu gehen. Die vielen Fragen der Journalisten beantwortete der Manager abgeklärt und stellte sich in einer denkwürdigen PK hinter den Bundestrainer, auch zu den aussortierten Spielern wie Mats Hummels und Thomas Müller sprach der 52-Jährige und ließ noch einen Türspalt offen.

16.25 Uhr: „Nein, es gab keine Gespräche, auch aufgrund der Zeit, die wir noch bis März haben“, antwortet Bierhoff auf die Frage, ob er sich nach einem eventuellen Nachfolger umgesehen habe. Eine klare Antwort des Teammanagers. „Mein Gefühl ist, dass Joggi Löw der richtige Trainer ist.“

16.19 Uhr: „Es ist schon heftig, was die letzten Tage passiert sind. Wir müssen überlegen, wir mir miteinander umgeht. Die Kritik tut zwar weh, aber die haut ihn nicht um. Es war eher Wut zu sehen, da er seinen Weg ja sieht. Er weiß, welche Probleme da sind. Ich habe ihn nachdenklich gehört, aber schon so, dass er das ganze auch reflektiert. Ihm ist vor allem wichtig, das Vertrauen in seine Arbeit zu haben. Darum war es wichtig, dass sich Präsidialauschuss und Präsidium für ihn ausgesprochen haben.“

DFB-Pressekonferenz: Bierhoff begründet Löw - Teammanager bot 2018 seinen Rücktritt an

16.13 Uhr: Hat Joachim Löw seinen Rücktritt selbst angeboten? „Wir haben ein offenes und vertrauliches Verhältnis. Wenn eine Entscheidung da ist, muss ich sie treffen. Nach der WM 2018 bin ich zu Jogi und habe ihm gesagt: Jogi, wenn ich das Problem bin, suche ich mir etwas anderes. Wenn Jogi jedoch da ist, muss er auch das Vertrauen haben.“

16.10 Uhr: „Wir haben den Bundestrainer in eine missliche Lage gebracht, das müssen wir abstellen. Wir reden von Transparenz, wir reden von Satzung und Gremien. Umso größer der Kreis ist, umso schwerer kann man kontrollieren, wie viele Nachrichten nach außen dringen“, fügt Bierhoff hinzu.

16.07 Uhr: Am Rande der Präsidiumssitzung des DFB soll es einen Streit zwischen DFB-Präsident Fritz Keller und Bundestrainer Löw gegeben haben. Keller wollte Löw demnach zum Rücktritt überreden. „Mich hat es stark verärgert, dass viele Interna nach außen getragen wurden - auch Dinge, die nicht stimmen“, so Bierhoff. „Von einem heftigen Streit weiß ich nichts, dass man in der Emotion lauter wird, ist normal. Dazu gehören auch hitzige Debatten, ein Streit war es aber nicht.“

16.03 Uhr: „Es ist keine Sturheit von Jogi, er macht es, weil er davon überzeugt ist. Erinnern wir uns, als es bei der WM 2014 eine große Diskussion über die Position von Philipp Lahm gab. Auch hier ist Jogi bei seiner Linie geblieben“, eint Bierhoff - und spricht über die aussortierten Stars Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng.

„Bis auf den kurzfristigen Ärger ist zwischenmenschlich nichts passiert, über dieses Thema ist noch nicht gesprochen worden. Aber ich kann nur sagen, dass der Trainerstab die Entscheidung für die beste hält. Am Ende spricht man über alle Spieler, wir reden auch darüber, was Mats Hummels und Thomas Müller machen. Man schaut aber die Entwicklung aller Spieler an“, erläutert der 52-Jährige. „Spätestens bei der Kadernominierung muss man sich die Frage stellen“, so Bierhoff.

15.58 Uhr: Man kann den Umbruch nicht jede Woche in Frage stellen, irgendwann kommt der Punkt, an dem man ihn bewertet. Dieser Punkt ist nach der Saison“, erklärt Bierhoff. Das Jahr sei jedoch kein verlorenes, meint der Finaltorschütze der EM 1996 und erinnert an Florian Neuhaus oder Robin Gosens, die in diesem Jahr eingebaut wurden.

15.56 Uhr: Muss sich an der sportlichen Ausrichtung etwas ändern? „Es darf nicht so bleiben, das ist klar. Wir müssen weiter an den Schwächen arbeiten. Ich habe an manchen Stellen gezeigt, wieso manche Schwächen in gewissen Phasen vermehrt auftreten.“

15.54 Uhr: „In der jetzigen Situation ist es schwer, was man macht, wird schnell negativ bewertet. Da ist es manchmal besser, nichts zu sagen“, sagt Bierhoff auf die Frage, weshalb sich der Bundestrainer nicht öffentlich äußert.

15.51 Uhr: „Verloren gegangenes Vertrauen bedarf Zeit, um es zurückzugewinnen“, so Bierhoff zum Image der Mannschaft und führt die Aktionen der DFB-Kicker neben dem Platz an, wie etwa eine Millionen-Soforthilfe in der Corona-Krise.

15.47 Uhr: „Ich kann Zweifel verstehen. Wenn man draußen als Fan sitzt und man sieht, dass der Trainer nicht so reagiert, wie man sich das vorstellt“. Bierhoff glaubt jedoch weiter an Löw. Zum Vergleich zieht der ehemalige Nationalspieler die mäßigen Ergebnisse der französischen, englischen und niederländischen Nationalmannschaft hinzu, die im laufenden Jahr mehrere Spiele gegen schwächere Gegner verloren.

DFB-Pressekonferenz: Länderspiele wichtig für „Basis“ - „Verstehe nicht, dass Länderspiele kritisiert werden“

15.45 Uhr: „Sorge, eine schlechte EM zu spielen, beschäftigt uns alle. Wenn wir weiter in die Zukunft schauen, muss man sich auch Sorgen machen. Wir haben klare Anzeichen, dass wir Probleme haben“, schlägt Bierhoff Alarm. „Wir haben eine gute Ausbildung, müssen jedoch Dinge verbessern, um in ein paar Jahren nicht noch mehr Probleme zu haben.“

„Im März 2018 haben wir das Projekt Zukunft erarbeitet, wir haben ein fertiges Konzept stehen. Der deutsche Fußball muss sich bewegen, wir haben die Dinge beim Namen genannt und wissen, was zu tun ist. Wir werden alles tun, um Spieler wie Kai Havertz oder Florian Neuhaus bei uns zu sehen. Das sind meine Gedanken zur Entwicklung und zur Zukunft“, so der Teammanager zum Abschluss seiner Analyse.

15.40 Uhr: Bierhoff schlägt sich erneut klar auf die Seite des Trainers. „Ich möchte an der Stelle sagen, dass DFB-Generalsekretär Curtius uns beauftragt, den Restart der Nationalmannschaften zu betreuen. Wir haben alles dank unseres guten Managements gemeistert, die Vereine haben auch gesehen was wir geleistet haben. Es wurde viel diskutiert: Warum Länderspiele? DIe Einnahmen aus den Spielen gehen in die Basis. Für die Nationalelf reicht ein Spiel, um das Jahr zu bezahlen. Doch wir wollen auch Geld in die Talentförderung stecken, deshalb verstehe ich nicht, dass Länderspiele kritisiert werden“, bestärkt Bierhoff seine Mannschaft.

15.35 Uhr: Als Beispiele für die starken aber unerfahrenen Spieler führt Bierhoff Serge Gnabry, Kai Havertz und Lukas Klostermann an. Diesen DFB-Spielern vertraut man zwar beim Verband, jedoch haben sie nur wenige Spiele für die A-Mannschaft absolviert.

15.34 Uhr: Das kann ich absolut negieren! Es sind tolle Jungs, die stolz darauf sind, Nationalspieler zu sein“, meint Bierhoff und führt Rüdiger und Süle als Beispiele heran. Die Mannschaft sei „unerfahren“ und nicht „jung“, meint Bierhoff. „Als wir 2010 zur WM gefahren sind und keine Erwartungshaltung hatten, war die Mannschaft jünger, hatte jedoch mehr Spiele auf dem Buckel“, erinnert sich Bierhoff.

15.31 Uhr: „Ist die Ansprache vielleicht verkehrt?“, fragt Bierhoff und antwortet auf seine eigene Frage: „Ich war gegen Spanien dabei, er sprach von Mut und Aggressivität. In der Halbzeit war er nicht in der Kabine und hat geheult, sondern er hat auf Manndeckung umgestellt“. 2019 hatte man dieses System noch gespielt, „doch es waren andere Spieler dabei als bei der letzten Abstellungsperiode im letzten Jahr.“

15.28 Uhr: „Wir waren total frustriert, man hat es dem Bundestrainer auch angesehen. Wie kann man dass wir in zwei Halbzeiten jeweils drei Tore bekommen?“, fragt sich Bierhoff.

15.26 Uhr: Die derzeitige Krise steht in einem Zusammenhang mit den leistungen im laufenden Jahr, wie Bierhoff erklärt. Auch die Folgen aus der Corona-Pandemie wie etwa die hohe Belastung der Spieler sowie die fehlenden Regenerationszeiten führt Bierhoff weiter an. „In 2020 konnte der Trainer keinen Fortschritt voranbleiben“, fasst Bierhoff zusammen. „Wenn wir ehrlich sind, sehen wir das in der Bundesliga und der Champions League“, meint Bierhoff. Dem Teammanager zufolge ist es also ein Problem, das nicht ausschließlich auf die DFB-Elf beschränkt.

15.22 Uhr: Bierhoff zeigt nun Statistiken, die belegen sollen, dass die sportlichen Ziele erreicht wurden.

Zum ersten die Beschleunigung des Spiels. „Das ist eine Berechnung, wie oft man mit hoher Beschleunigung in das gegnerische Angriffsdrittel kommt“, erklärt Bierhoff. „Im Jahr 2017 hatten wir einen hohen wert, wir haben alle Spiele gewonnen. 2018 war dieser Wert total im Keller, wir haben langsam und viel quer gespielt statt in die Tiefe. In 2019 stieg der Wert, 2020 nahm er wieder ab.“

„Auch Ballbesitz-Zeiten sind wichtig. Das haben wir bei der WM 2014 perfektioniert, das hat viele Faktore, doch es ist eine Tendenz. 2019 ist der Wert ieder fast auf den Wert von 2014 gegangen. Auch 2020 sieht man hier einen Wert, der zurückgegangen ist.“

DFB-Pressekonferenz: Oliver Bierhoff zieht eine Bilanz - „Drei von vier Zielen erreicht“

15.19 Uhr: „Wir müssen unseren Spielstil ändern, hinzu einem intensiven vertikalen Spiel ohne Ball, ihm stehen schnelle Spieler wie Sané, Gnabry oder Werner zur Verfügung. Diese Spieler stehen nicht so sehr für Ballbesitz.“

Dazu bedarf es hoher Beschleunigung, der Spielgeschwndgkeit sowe Sicherheit und Stabilität", erklärt Bierhoff. Dazu zeigt der DFB-Manager auch ein Dokument, auf dem die Leitlinien und Ziele festgehalten sind.

15.16 Uhr: Bierhoff zeigt nun den Spielplan des vergangenen Jahres und spricht über die 2:4-Niederlage gegen die Niederlande, die einzige Pleite in der EM-Quali. Auch in der Nations League hat man „das ein oder andere Ergebnis verschenkt“, doch mit einem Unentschieden in Spanien hätte man sich noch für das Final-Turnier qualifizieren können. Trotz des 0:6 wurden alle Ziele erfüllt. „Drei von vier Zielen erreicht“, fasst der Teammanager zusammen.

15.14 Uhr: Wir haben Löw die Ziele vorgegeben. Wir wollten, dass er eine Mannschaft mit einem neuen Spielstil entwickeln. Wir wollten die Qualifikation für die Euro sichern, in der Nations League die Liga A halten und auch noch in einem der ersten Gruppentöpfen für die WM-Auslosung zu sein. Wir waren uns einig, dass das Zeit und Geduld braucht.

15.11 Uhr: „Dem Präsidium ist klar, dass die Bewertung des Bundestrainers und seines Trainerstabs nicht an einem Spiel gemessen werden kann“, meint Bierhoff bezüglich der Bundestrainer-Debatte.

15.10 Uhr: „Die letzten vierzehn Tage waren sehr anstrengend und emotional. Ich spreche hier als Direktor der Nationalmannschaften, die aktuelle Stimmung zeigt, dass der Fußball emotional ist und die Herzenbewegt - in diesem Fall sehr negativ. Ganz Deutschland ist enttäuscht über die Blamage in Spanien. Wir haben nicht das gesehen, was wir erwarten“, so Bierhoff.

15.08 Uhr: „Dem Präsidium war es wichtig, dass ich nach den Ereignissen in Spanien die Lage bewerte“, meint Bierhoff zu Beginn der PK.

15.06 Uhr: Mit einigen Minuten Verzögerung beginnt die digitale Presserunde. Bierhoff wird noch einmal Stellung zur Bundestrainer-Entscheidung beziehen.

14.58 Uhr: Die Pressekonferenz mit Oliver Bierhoff startet in wenigen Augenblicken.

Update vom 4. Dezember, 14.50 Uhr: Der nächste Schritt der Medien-Offensive von DFB-Präsident Fritz Keller steht in Kürze mit der Pressekonferenz von DFB-Teammanager Oliver Bierhoff bevor. Die Fans in ganz Deutschland warten auf Veränderung beim Verband, der in der jüngsten Vergangenheit nicht nur mit sportlichen Rückschlägen zu kämpfen hatte. Ab 15 Uhr wird Bierhoff vor die Mikrofone treten.

DFB-PK zur Zukunft von Jogi Löw: Verband plant Medien-Offensive - Bierhoff spricht ab 15 Uhr

Update vom 4. Dezember, 14.10 Uhr: DFB-Präsident Fritz Keller plant laut Spiegel eine intensive Medien-Offensive. Das Oberhaupt des Verbandes plane demnach Auftritte in Talkshows wie „Markus Lanz“, Radiosendungen und auch Podcast-Formaten. „Menschlich, nahbar und überzeugend“ solle sich der 63-Jährige demnach aufgrund der jüngsten Kritik an seiner Führung präsentieren. Der Gastronom und Winzer befindet sich seit über einem Jahr an der Spitze des Verbandes.

Update vom 4. Dezember, 13.56 Uhr: Am Tag der anberaumten Pressekonferenz des DFB gibt es eine Meldung, die uns kurz aufschrecken lässt: Der Deutsche Fußball-Bund stellt die Nationalmannschaft ein! Allerdings handelt es sich hierbei nicht um die A-Auswahl, sondern die Beachsoccer-Sparte. Der Verband teilt dennoch mit, man sehe „Beachsoccer als wichtige alternative Spielmöglichkeit für Jugendliche und Erwachsene“. Daher sollen weiter Beachsoccer-Turniere und ein Spielbetrieb organisiert werden - offenbar nur ohne Länderspiele.

DFB-PK zur Zukunft von Jogi Löw: Ist er wirklich noch der richtige Bundestrainer, Herr Bierhoff?

Ursprungsartikel vom 3. Dezember: München/Frankfurt am Main - Dass Joachim Löw nach dem 0:6 in der Nations League in Spanien weiter Bundestrainer* bleiben wird, hatte der DFB am Montag bereits bestätigt. Eigentlich war erst für Freitag mit der Verkündung gerechnet worden, doch in Frankfurt entschied man sich bereits früher, die Entscheidung mitzuteilen.

Mit einer Entlassung des Trainers, der das DFB-Team 2014 zum WM-Titel führte, hatte man sowieso nicht gerechnet. Trotzdem war der Zeitpunkt des Statements am Montag etwas überraschend - und auch die diversen Interna, die im Laufe der Woche ans Tageslicht kamen, ließen den DFB abermals in keinem guten Licht erscheinen.

Am Freitag trifft sich nun das Präsidium und wird vermutlich auch genau darüber sprechen. Aber auch über den internen Machtkampf beim DFB. Präsident Fritz Keller wirkt nach lediglich einem Jahr im Amt bereits desillusioniert. Die sportlich wenig ansprechenden Auftritte der Nationalmannschaft, die sinkenden Beliebtheit in der Bevölkerung - all das lässt den DFB in eine tiefe Krise schlittern.

DFB: PK zur Löw-Zukunft - Ist Jogi wirklich noch der richtige Bundestrainer, Herr Bierhoff?

In der Otto-Fleck-Schneise hält man (noch) an Joachim Löw als Bundestrainer fest. Daran wird sich bis zur EM 2021 auch nicht ändern. Spannend wird zu sehen sein, ob der 60-Jährige über seinen Schatten springt und die aussortierten Mats Hummels, Thomas Müller oder Jerome Boateng im neuen Jahr wieder beruft. Ob DFB-Manager Oliver Bierhoff auf der Pressekonferenz zu den Personalien Stellung bezieht?

Fest steht: Sollte Deutschland das ambitionierte Minimalziel EM-Halbfinale aber verfehlen, dürfte nicht nur Löw seinen Hut nehmen. Dann wäre allerhöchste Zeit für einen Neuanfang. (smk) *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks

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