In Bangkok verhaftet

Aus Bahrain geflüchteter Fußballer kommt in Thailand nicht auf Kaution frei

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Die australische Außenministerin Marise Payne reiste nach Bangkok und stellte sich den Fragen der Journalisten zu Hakeem Al-Araibi.

Der frühere bahrainische Junioren-Nationalspieler Hakeem Al-Araibi sitzt in Thailand in Haft. Wird er an sein Heimatland Bahrain ausgeliefert, drohen ihm Folter und Tod.

Update vom 6. Februar 2019: Wegen Fluchtgefahr lässt Thailand den aus Bahrain geflüchteten Fußballer Hakeem Al-Araibi nicht auf Kaution frei. In ähnlichen Fällen hätten ausländische Beschuldigte die Geldzahlung hinterlegt und seien dann nicht vor Gericht erschienen, begründete die thailändische Staatsanwaltschaft ihre Entscheidung am Mittwoch. Der ehemalige Spieler der bahrainischen Junioren-Nationalmannschaft war 2014 nach Australien geflohen und wurde Ende November auf Betreiben seines Heimatlandes auf seiner Hochzeitsreise in Thailand festgenommen. Dort droht ihm die Abschiebung.

Die Justiz in Bahrain wirft dem 25-Jährigen vor, während einer Protestkundgebung im Zusammenhang mit dem Arabischen Frühling im Jahr 2012 an einem Angriff auf eine Polizeistation beteiligt gewesen zu sein. Er wurde in Abwesenheit zu zehn Jahren Haft verurteilt. Al-Araibi weist den Vorwurf zurück, weil er zum Tatzeitpunkt an einem Auswärtsspiel teilgenommen habe. Er befürchtet, bei einer Abschiebung nach Bahrain gefoltert zu werden.

Der Fall Al-Araibis sorgt international für Aufsehen. Der Fußballer erhält viel Unterstützung aus der Sportwelt und von der australischen Regierung. Er hat noch zwei Monate Zeit, um in Thailand Unterlagen vorzulegen, die gegen seine Abschiebung sprechen. Das thailändische Außenministerium forderte Australien und Bahrain kürzlich auf, eine "einvernehmliche Lösung" für Al-Araibi zu finden. Bahrain verbittet sich jedoch jegliche Einmischung in den Fall.

News vom 25. Januar 2019: Fußball-Profi drohen Folter und Tod bei Auslieferung in seine Heimat: “Helft mir, bitte!“

Bangkok - In der Stimme von Hakeem Al-Araibi liegt kaum noch Hoffnung. "Jeden Tag", sagt der 25-Jährige in einem Interview mit dem britischen Guardian, "wächst die Angst." Die Angst vor Folter und Tod. Seit fast zwei Monaten. Al-Araibi, der als Flüchtling in Australien sein Glück gefunden hatte, sitzt in Thailands Hauptstadt Bangkok in Untersuchungshaft. Dem früheren Junioren-Nationalspieler droht die Auslieferung in sein Heimatland Bahrain. "Bitte helft mir", fleht er: "Bitte."

Am Donnerstag versuchte der Fußball-Weltverband FIFA das mit einem Brief an Thailands Premierminister Prayut Chan-o-cha. "Respektvoll", schrieb FIFA-Generalsekretärin Fatma Samoura, ersuche sie Thailand, "alle nötigen Schritte zu unternehmen, um sicherzustellen, dass Hakeem Al-Araibi schnellstmöglich und sicher nach Australien zurückkehren darf". Eine Antwort steht noch aus.

In Australien unter Vertrag

Der beim australischen Zweitligisten Pascoe Vale FC unter Vertrag stehende Fußballer scheint Opfer eines bitteren Justizirrtums zu sein. Al-Araibi war Ende November mit seiner Frau in die Flitterwochen nach Bangkok geflogen. Doch noch am Flughafen klickten die Handschellen - die Grundlage war eine kurz zuvor von Bahrain beantragte und von Interpol herausgegebene "Red Notice", eine Art internationaler Fahndungsaufruf verbunden mit dem Ersuchen, Verdächtige vorläufig festzunehmen.

In seinem Heimatland, aus dem er 2014 geflohen war, wird Al-Araibi eine schwerwiegende Straftat vorgeworfen. Er soll mitverantwortlich sein für den Anschlag auf eine Polizeistation. 2012 wurde Al-Araibi laut eigener Aussage in Untersuchungshaft über Monate gefoltert. "Ich habe nichts getan - nicht in Bahrain, nicht in Thailand, nicht in Australien", sagt er: "Ich habe fürchterliche Angst, zurück zu müssen. Sie werden mich zu 100 Prozent verhaften, mich foltern, vielleicht sogar töten."

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Interpol hat die "Red Notice" inzwischen zurückgezogen. Weil Al-Araibis Flüchtlingsstatus in Australien 2017 offiziell anerkannt worden war, hätte es das Ersuchen aber nie geben dürfen. "Die Situation hätte nicht entstehen dürfen", schrieb Samoura. Al-Araibi "lebt, arbeitet und spielt als professioneller Fußballer" in Australien.

Er sprach über die Menschenrechtslage in Bahrain - ist das der wahre Grund?

Die Vorwürfe in Bahrain, glaubt Al-Araibi, sind nur Schein. "Sie wollen mich zurück, um mich dafür zu bestrafen, dass ich 2016 mit den Medien über die schreckliche Menschenrechtslage gesprochen habe", sagt er. Namentlich hatte Al-Araibi den im Weltfußball einflussreichen Scheich Salman angegriffen, damals Präsidentschaftskandidat bei der FIFA. Al-Araibi gehört der islamischen Glaubensrichtung der Schiiten an, die bahrainische Königsfamilie den Sunniten.

"Für Leute wie mich gibt es in Bahrain keine Menschenrechte", sagt er. Und in Thailand? Die Behörden in Bangkok hatten zunächst eine 60-tägige Haftstrafe angeordnet. Ein Gericht soll entscheiden, ob Al-Araibi ausgeliefert werden soll. Der Wüstenstaat hat noch bis zum 8. Februar Zeit, die nötigen Dokumente zu übermitteln - mindestens so lange wächst die Al-Araibis Angst weiter. Jeden Tag.

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