15-Spiele-Sperre für Eto'o: Kamerun geschockt

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Samuel Eto'o

Jaunde - Kameruns Fußball-Nationalheld Samuel Eto'o ist für 15 Spiele gesperrt worden. Die drakonische Maßnahme des Verbandes hat zu heftiger Kritik geführt.

Das fußballverrückte Kamerun befindet sich im Schockzustand: Die vom nationalen Fußball-Verband Fecafoot ausgesprochene 15-Spiele-Sperre für Ausnahmespieler Samuel Eto'o hat heftige Reaktionen ausgelöst. Kameruns Fußball-Ikone Roger Milla kritisierte: „Das ist ein Schock und ein Desaster, dass ein Schlüsselspieler wie Eto'o so lange für die Nationalmannschaft gesperrt wird. Das bedeutet eine dreijährige Sperre. Das ist mehr als schlecht für Eto'o, der 30 Jahre alt ist. Vielleicht führt das zu seinem vorzeitigen Nationalmannschaftsabschied.“

Das Wort des dreimaligen WM-Teilnehmers hat in Kamerun immer noch Gewicht und spricht den Fans aus dem Herzen. „Warum verhängen sie eine solch heftige Strafe für einen einzigen Spieler, wenn dadurch gleichzeitig die ganze Nationalmannschaft darunter leidet? Das ist nicht fair“, wetterte Milla.

Wurfgeschosse in Stadien: Bierbecher, Sellerie, eine Katze und Dildos

1.4.2011: Beim Spiel St. Pauli gegen den FC Schalke 04 wurde Schiedsrichter-Assistent Thorsten Schiffner von einem Bierbecher getroffen. Das Spiel wurde abgebrochen. Hier sehen Sie weitere Geschosse, die auf Spielfelder jeglicher Sportarten geworfen wurden. Einige davon sind sehr skurril - aber gefährlich sind die meisten allemal. Also: Bitte nicht nachmachen! © Getty
Thorsten Schiffner war nicht der erste Schiedsrichter-Assistent, der von einem Becher getroffen wurde. 2006 streckte Kai Voss beim DFB-Pokal-Spiel zwischen Stuttgarter Kickers und Hertha BSC ein Bierbecher nieder. © getty
Deutschlands Torhüter bei der Weltmeisterschaft 1974 wurde von einem Gymnasiasten 1971 mit einem Messer beworfen. Er wurde aber - zum Glück - nicht getroffen. © dpa
Ein Motorroller im Stadion (hier mit Uli Hoeneß am Steuer) ist schon ungewöhnlich. Erst recht beim Mailänder Derby 2001: Dort versuchten Stadionbesucher einen Roller von der Tribüne zu werfen. © getty
Frank Baumann (M.) erwischte es während eines Bundesligaspiels. Er wurde im November 2008 von einem Handy-Akku getroffen. © getty
Im Carling-Cup-Finale 2007 zwischen dem FC Chelsea und dem FC Arsenal flog Sellerie von den Rängen. Arsenals Fabregas kann es nicht verstehen. Die Fans des FC Chelsea sangen bei fast jedem Spiel ein nicht jugendfreies Lied, in dem auch das Gemüse vorkommt. © getty
Beim UEFA-Cup-Spiel zwischen NEC Nijmegen und dem HSV traf Schiedsrichter Darko Ceferin ein undefiniertes Wurfgeschoss am Kopf. Das Spiel musste unterbrochen werden. © getty
Anders Frisk wurde beim Champions-League-Spiel zwischen AS Rom und Dynamo Kiew von einem Wurfgeschoss getroffen und musste mit einer Platzwunde vom Platz. © getty
Oliver Kahn traf am 12. April 2000 in Freiburg ein Golfball. Blutüberströmt musste er von Uli Hoeneß zurückgehalten werden, da er völlig außer sich war. © ap
FC Liverpool - AFC Sunderland im Oktober 2009: Ein großer roter Strandball wurde aufs Spielfeld geworfen. Dort landete er im Liverpooler Strafraum, wo der Ball einen Schuss unhaltbar für José Reina abfälschte. Das Spiel endete 0:1.  © getty
Halbfinale UEFA-Cup: Hamburger SV gegen Werder Bremen: Stand 1:2 für Bremen. Diese Papierkugel lenkte einen Ball entscheidend zur Ecke ab, die prompt das 1:3 für die Werderaner brachte. Trotz des Anschlusstreffers drei Minuten vor Schluss schied Hamburg aus. © dpa
Auch Toilettenpapier fliegt regelmäßig auf den Rasen. Hier beim Spiel FC Bayern gegen den 1. FC Nürnberg. Raphael Schäfer, Torhüter des "Clubs", zeigte sich aber unbeeindruckt. © getty
Im Carling-Cup-Halbfinale gegen den Ortsrivalen ManU wurde Craig Bellamy 2010 von einer Münze am Kopf getroffen. Eine heranfliegende Bierflasche flog knapp an ihm vorbei. © getty
Mailänder Derby 2005: Im Champions-League-Viertelfinale wurde AC Milans Torhüter Dida von Leuchtraketen getroffen und sank zu Boden. Das Spiel wurde abgebrochen. © dpa
Neben Leuchtraketen und einer Rumflasche warfen Zuschauer 2006 auch eine Katze auf das Spielfeld: Geschehen beim Derby zwischen Real Betis und FC Sevilla. © dpa
Viele Ratten wurden bei den Florida Panthers ab 1992 aufs Spielfeld geworfen. Grund: Scott Mellanby tötete eine Ratte in der Kabine mit dem Stock und traf danach zwei Mal. 1996 wurde diese Sitte verboten. © dpa
Super-League-Spiel zwischen Luzern und Basel am 7.November 2010: Fans des FC Basel warfen Tennisbälle auf das Spielfeld. Damit sollte gegen die frühe Anstoßzeit der Partie protestiert werden, welche auf Druck des Schweizer Fernsehens und wegen des Finals der Swiss Indoors in Basel vorverlegt wurde. © dpa
Ein Schweinekopf flog im Camp Nou beim "Clasico" zwischen Real Madrid und FC Barcelona aufs Spielfeld. Damit wollten die Fans von Barca ihre Meinung zum Wechsel von Luis Figo von Barcelona zu Real zeigen. © dpa
Stadionsitze sind, besonders in Südamerika, beliebte Wurfgeschosse. Allerdings auch in Europa kommt es vor, dass Sitze aufs Spielfeld fliegen, so auch 2000 beim Spiel Sevilla gegen Atletico Madrid. © dpa
Paul hatte Glück, in einem Aquarium zu leben. In der NHL wurden bei Siegen der Detroit Red Wings Tintenfische regelmäßig aufs Eis geworfen. Das hatte Tradition, da 1952 ein Besitzer eines Fischlokals immer ein Oktopus aufs Feld warf, der für die Play-offs einen Sieg bescheren sollte. Das schwerste Tier wog 25 Kilo. © dpa
Zahlreiche Dildos flogen im Oktober 2008 im Spiel zwischen AIK Stockholm gegen Leksand aufs Eis. Die Fans des Stockholmer Eishockey-Klubs zeigten damit ihren Unmut über Jan Huokko, der sich zum Jahresanfang einen Sexskandal leistete. © dpa

Der Grund für die Sperre Eto'os, Angreifer vom russischen Millionen-Klub Anschi Machatschkala, soll ein Boykott des letztlich abgesagten Länderspiels am 15. November in Algerien gewesen sein. Der Kapitän der „unzähmbaren Löwen“ soll seine Teamkameraden animiert haben, die Reise nach Algerien nicht anzutreten.

Als offizielle Erklärung für die Absage war damals zunächst ein „internes administratives Problem“ angegeben worden. Jeder kamerunische Spieler habe für seinen Einsatz bei einem vorangegangen Vier-Länder-Turnier in Marokko einen Bonus verlangt, die Mannschaft habe das Geld aber nicht rechtzeitig erhalten. Daraufhin hatten die Spieler die Partie in Algerien bestreikt.

Ebenfalls eine Sperre erhielt wegen des Vorfalls Vizekapitän Eyong Enoh. Der Mittelfeldspieler von Ajax Amsterdam muss zwei Spiele aussetzen. Beide Spieler können noch in die Berufung gehen.

Der Chef der Spielergewerkschaft Kameruns, David Mayebi, beschrieb die Sperre für Eto'o als „überzogen“. Er erwägt sogar Maßnahme seiner Organisation, um eine Aufhebung der Sperre zu erreichen.

„Ein Spieler wie Eto'o hat soviel für unseren Fußball geleistet. Wenn der Verband seine Entscheidung nicht zurücknimmt, sollte es vonseiten der Regierung Gegenmaßnahmen geben“, sagte er. Allerdings würde eine solche Vorgehensweise gegen die Statuten des Weltverbandes FIFA verstoßen, wonach von politischer Seite nicht in die Belange der nationalen Fußballverbände eingriffen werden darf. Ansonsten droht Kamerun eine Suspendierung vonseiten der FIFA. Mayebi will aber auch selbst aktiv werden: „Wir können nicht einfach zuschauen, wie der Verband unsere Nationalmannschaft zerstört.“

Verbands-Generalsekretär Sidiki Tombi a Roko verteidigt allerdings die Vorgehensweise durch Fecafoot: „Samuel Eto'o hat die Nationalmannschaft veranlasst, nicht nach Algerien zu fahren. Er hat angekündigt, die volle Verantwortung für seine Aktion zu übernehmen. Und genau das haben wir getan.“

Dass der Verband den Spielern und Trainern versprochene Gelder schuldet, ist kein neues Phänomen. Winfried Schäfer, von 2001 bis 2004 Nationalcoach der unzähmbaren Löwen, klagte wiederholt über die miserable Zahlungsmoral der Fecafoot. Tombi o Roko widersprach im aktuellen Fall allerdings der Darstellung von Eto'o und Co. Der Verband habe niemals Bonuszahlungen an die Nationalspieler in Aussicht gestellt.

sid

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