Röhrl: Vettel ist ein echter Super-Champion

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Walter Röhrl war 1980 und 1982 Rallye-Weltmeister

München - Der zweimalige Rallye-Weltmeister Walter Röhrl hat sich lange Zeit keine Formel-1-Rennen mehr angeschaut. Doch dann kam Sebastian Vettel. Die tz-Expertenkolumne: 

Bis 2011 habe ich mir keine Formel-1-Rennen mehr angeschaut. Dann habe ich während des Grand Prix in Melbourne Sebastian Vettel kennengelernt. Seinetwegen schaue ich mir wieder jedes Rennen an. Vor allem, weil er ein toller Bursche ist. Sebastian ist so erzogen, dass er bescheiden ist und mit beiden Füßen auf dem Boden bleibt. Er ist einer wie ich, der sagt: ,Ich weiß zwar, dass ich etwas Besonderes kann. Ich mache aber nicht den Fehler zu glauben, dass ich etwas Besonderes bin.’ In Melbourne bei unserer ersten Begegnung hat er mich spontan gesiezt. „Toll, dass ich Sie kennenlernen darf!“ Da hab ich erst mal gesagt: „Du kannst ruhig ,Du‘ zu mir sagen!“ Anschließend bestand Sebastian auf einem gemeinsamen Erinnerungsfoto. Dass Sebastian mich überhaupt kennt, zeigt seinen Horizont. Er hat nicht nur die Zukunft, sondern auch die Vergangenheit im Blick.

Sein dritter WM-Triumph war Sebastians Meisterstück. In den vergangenen beiden Jahren hat Sebastian ein überlegenes Auto gehabt. Aber was er diesmal gezeigt hat, war die Reifeprüfung. Das Auto hat einen schweren Durchhänger gehabt. Trotzdem ist er nicht nervös geworden. Besonders im letzten Rennen. Da hat das Team alle Fehler eines ganzen Jahres in einen Grand Prix gepackt. Aber er hat sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Das war extrem nervenstark. Hut ab! Sebastian fährt einen guten, sauberen Strich und geht schonend mit den Reifen um, weil sein Stil eher weich ist. Du musst so wenig wie möglich lenken. Und das macht er auch. Er lässt das Auto gehen.

Deshalb wäre er auch ein sehr guter Rallyefahrer. Das hat er beim Race of Champions gezeigt. Da hat man gesehen: Er hat dieses Urgefühl für ein Auto. Er hat auch genügend Selbstvertrauen für die engen Pfade ohne Auslaufzonen. Da steht nun mal dieser unverrückbare Baum. Das ist das große Problem der meisten Fahrer. Sebastian hat erstens keine Angst davor, zweitens aber ist er vernünftig genug, das Gas wegzunehmen, wenn der Baum zu dicht kommt. Er kennt die Grenzen. Das ist die Grundvoraussetzung für einen Superchampion.

Noch etwas: Wenn er sauer ist, zeigt er das auch. Ich finde das schön, denn so zeigt er Persönlichkeit! Ob er in Zukunft alle Rekorde brechen kann, hängt davon ab, wie lange er diesen Erfolgshunger behält. Er hat alle Möglichkeiten. Denn in einem Alter hat er schon drei Titel, in dem Schumacher erst einen hatte. Und damit ist er für mich neben Ayrton Senna, Juan Manuel Fangio und Michael Schumacher jetzt schon einer der vier größten Rennfahrer aller Zeiten.

Quelle: tz

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