Wie wäre es nur ohne Schumacher?

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Michael Schumacher feiert sein 20-jähriges Formel-1-Jubiläum

Spa - Schumi feiert am Sonntag 20 Jahre Formel-1-Geburtstag. Was wäre eigentlich, wenn es Michael Schumacher nie in die F1 geschafft hätte – wer darüber nachdenkt, erfährt auch einiges über Schumi.

20 Jahre voller Erfolge, aber auch Skandale. Das ist alles bekannt und ein alter Hut. Viel prickelnder ist es, sich vorzustellen, was eigentlich wäre, wenn es Michael Schumacher nie in die F1 geschafft hätte – und wer darüber nachdenkt, erfährt auch einiges über Schumi.

- Ralf Schumacher wäre heute Reitlehrer in Kerpen. Er liebt Tiere über alles und hätte so dennoch seine Sportleidenschaft verwirklicht. Ohne Michaels Erfolge hätte es den sieben Jahre jüngeren Bruder jedenfalls nie in der Formel 1 gegeben. Er fuhr ja schon nur deshalb Kart, weil es der Bruder getan hatte. Michael half dem kleinen Bruder bei jedem Schritt in seiner Karriere. Er brachte ihn zu Willi Weber, er kaufte ihn 1997 bei Jordan in der Formel 1 ein – und holte ihn dort nach zwei Jahren wieder weg, um ihn 1999 bei Williams unterzubringen. Eddie Jordan erinnert sich: „Ralf war nicht ganz so seriös wie sein Bruder. Aber er war sehr talentiert und ist gute Rennen gefahren. Bis Michael ihn von uns weggeholt hat. Nach Spa 1998, wo ich Ralf befohlen habe, hinter Damon Hill Zweiter zu werden, glaubte Michael, ich hätte Ralf gewinnen lassen müssen. Deshalb brachte er ihn bei Williams unter. Leider.“

- Ferrari wäre bis heute nicht Weltmeister, das ist aber so was von klar. Bevor Michael sich 1996 der Scuderia anschloss, war Ferrari im Chaos versunken. Der letzte WM-Titel lag schon 17 Jahre zurück: Jody Scheckter 1979. Erst das Triumvirat Schumacher, Jean Todt und Ross Brawn brachte Ferrari konstruktives Arbeiten bei. Fünf WM-Titel in Folge (2000 bis 2004) waren das Ergebnis. Selbst den Titelgewinn mit Kimi Räikkönen 2007 hätte es ohne Michael Schumacher nie gegeben. Aus zwei Gründen. Erstens: Räikkönen wäre nie in der Formel 1 gewesen. Dem unerfahrenen finnischen Formel-Renault-Piloten gab Peter Sauber 2001 überhaupt nur die Chance, in der Formel 1 zu debütieren, da er im Juniorteam mit Michael Schumacher gute Erfahrungen mit jungen Fahrern gemacht hatte. Ohne diese Erkenntnis hätte Sauber, das gibt er auch zu, nie auf Talente gesetzt. Zweitens: Der Titel von Räikkönen basiert auf der Arbeitsweise, die Schumi der Scuderia beigebracht hatte. Vielleicht wäre Ferrari sogar gar nicht mehr in der Formel 1. Wären denn bei weiterer jahrelanger Erfolglosigkeit Sponsoren wie Marlboro bei der Stange geblieben? Oder neue wie Santander überhaupt gekommen?

- Sebastian Vettel würde Autos bauen. Ohne den Boom, den Schumacher in Deutschland ausgelöst hat, wäre es Vettel nicht leicht gefallen, das Geld für die Fortsetzung seiner Kart-Karriere aufzubringen. Seine Familie hätte nie die Mittel gehabt, ihm eine Formel-BMW-Saison zu bezahlen. Vermutlich hätte der achtjährige Sebastian auch ohne das Vorbild Schumacher gar nicht den Ehrgeiz entwickelt, es im Kartsport weit zu bringen. Er war ja auch Fußball-Fan, ging zu Spielen der Frankfurter Eintracht und kickte beim TSV Hambach. Er hat einen unendlichen Willen – und im Fußball haben es schon Spieler mit weniger Talent zum Profi geschafft. Vettel ­hätte wohl Maschinenbau studiert, wahrscheinlich mit Schwerpunkt Kfz-Technik. Er würde dann noch in Heppenheim wohnen – seine Freunde wären aber die gleichen…

- Flavio Briatore: Die Mutter aller Machos wäre heute italienischer Ministerpräsident. Briatore hat die gleichen Zutaten, aus denen ein Silvio Berlusconi gemixt ist: ein gehöriger Schuss Chauvinismus, der Hang zur Selbstdarstellung, die Liebe zum jüngeren weiblichen Geschlecht, Machtgeilheit – und er ist mit genug Intelligenz und Rücksichtslosigkeit ausgestattet, um sich immer mit den momentan wichtigsten Menschen für die eigene Karriere zu umgeben. Dazu darf natürlich ein dicker Schutzpanzer aus Ignoranz nicht fehlen, um sich aus Kritik an der eigenen Person aber auch mal gar nichts zu machen. Ohne Schumacher, mit dem Briatore 1994 den ersten gemeinsamen Titel holte, wäre Flavio ganz sicher nicht bis 2009 in der Formel 1 geblieben. Bei seinem Benetton-Team wäre schlichtweg der Erfolg ausgeblieben.

- Michael Schumacher würde an Autos herumschrauben, so viel ist klar. Schumacher machte eine Lehre beim Langenfelder Kfz-Meister Willi Bergmeister, 52 Kilometer von seinem Heimatort Kerpen entfernt – und schloss diese auch ab. Hätte Schumacher nicht die Möglichkeit gehabt, in die Formel 1 aufzusteigen, er wäre bei seinem gelernten Job geblieben. Denn Formel 1 war nie sein Traum, sondern er dachte am Anfang seiner Karriere nur von Schritt zu Schritt. Zuerst Kartpilot sein, dann Formel-König, Formel Ford und Formel 3. Ohne das Engagement von Mercedes wäre die Formel 3 vermutlich die Endstation seiner Karriere gewesen, denn selbst sein umtriebiger Manager Willi Weber wäre Anfang der 90er Jahre nicht fähig gewesen, genügend Sponsorengeld aufzutreiben, um Schumacher die Formel 1 zu finanzieren. Schumacher hätte irgendwann keine Lust mehr gehabt, in der Formel 3 zu stagnieren und seine Karriere beendet.

Ralf Bach

Bernie Ecclestone: Seine besten Sprüche

Bernie Ecclestone: Seine besten Sprüche

Bernie Ecclestone
“Ich denke, wenn die Leute 100 werden, dann sollten sie anfangen, über die Pension nachzudenken. Ich bin da aber nicht sicher.“ (Formel-1-Chef Bernie Ecclestone) © dpa
Bernie Ecclestone
“Am Morgen nach meinem Tod - und die ersten zwölf Exemplare gehen ans Finanzamt.“ (Ecclestone auf die Frage, wann seine Autobiographie erscheint) © dpa
Bernie Ecclestone
“Wenn ich mitten in einem Grand Prix sterben würde - kein Problem! Mir wäre aber lieber, wenn es erst nach dem Zieleinlauf passiert.“ (Ecclestone über den Tod) © dpa
Bernie Ecclestone
“Ich denke, mit Demokratie bringt man den Laden nicht zum Laufen.“ (Ecclestone über sein Geschäftsprinzip) © dpa
Bernie Ecclestone
“Ich würde auch als Blumenhändler versuchen, so gut wie möglich abzukassieren. Doch mein Herz hängt am Motorsport.“ (Ecclestone zum selben Thema) © dpa
Bernie Ecclestone
“Wir sind nicht so etwas wie die Mafia, sondern wir sind die Mafia.“ (Ecclestone über seine langjährige Zusammenarbeit mit dem damaligen Weltverbandschef Max Mosley) © dpa
Bernie Ecclestone
“Warum sollte ich Bodyguards nehmen? Von der einzigen Person, die mich unter Druck setzt, bin ich jetzt geschieden.“ (Ecclestone in Anspielung auf die Trennung von seiner Frau Slavica) © dpa
Bernie Ecclestone
“Ich liebe es, nach Japan zu fliegen! Dort sind alle so groß wie ich.“ (Ecclestone vor einer Reise zum Japan-Grand-Prix) © AFP
Bernie Ecclestone
“Das einzig Gute an Olympia ist die Eröffnungs- und die Schlussfeier. Das ist eine tolle Show. Ansonsten ist es völliger Quatsch.“ (Ecclestone am Dienstag zu den Olympischen Spielen 2012 in seiner Heimatstadt London) © AFP
Bernie Ecclestone
“Bei manchen Auslaufzonen geht einem das Benzin aus, bevor man in die Streckenbegrenzung kracht.“ (Ecclestone zur verbesserten Sicherheit auf Formel-1-Strecken) © AFP
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“Ich würde versuchen, eine 18-jährige Freundin zu finden.“ (Ecclestone auf die Frage, was er machen würde, wenn er noch mal 22 Jahre alt wäre) © dpa

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