Vettel: Der tz-Vergleich mit Alonso und Hamilton

Sebastian Vettel am Strand von Melbourne mit einem Nachbau seines Flitzers - hoffentlich ist seine Zukunft nicht auf Sand gebaut.
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Sebastian Vettel am Strand von Melbourne mit einem Nachbau seines Flitzers - hoffentlich ist seine Zukunft nicht auf Sand gebaut.

Er ist jung, er ist schnell – und er ist der große deutsche Hoffnungsträger in der am Sonntag in Melbourne beginnenden Formel-1-Saison: Sebastian Vettel. Aber wie gut ist der 21-Jährige wirklich?

Der große tz-Vergleich mit Weltmeister Lewis Hamilton und Doppelweltmeister Fernando Alonso.

- Testfähigkeiten: Trotz seiner geringen Erfahrung – Vettel fährt erst seit zwei Jahren in einem Formel-1-Auto – weiß er genau, was er will. Sein Ex-Chef Gerhard Berger sagt: „Sebastian ist unglaublich detailliert in seinen Aussagen.“ Testen gehört nicht gerade zu Hamiltons Spezialgebieten. Der Spanier Alonso findet wie kein zweiter die Balance zwischen höchst möglichem Renntempo und geringst möglichem Verschleiß. Die Ingenieure vertrauen ihm blind. Vettel: 8 Punkte, Hamilton: 7, Alonso: 9.

- Qualifikation: Vettel kann auf den Punkt genau seine Leistung abrufen. Vom reinen Speed her wäre Hamilton einer der besten Qualifyer. Aber er will zu oft zu viel. Deshalb ist seine zweite Runde, die er mit „angezogener Handbremse“ fährt, seine beste. Alonso fährt meist punktgenau seine Runde nach Hause. Wenn er überhaupt eine Schwäche im Training hat, dann folgende: Bevor er zu viel riskiert, gibt er lieber nur neunzig Prozent. Vettel: 8, Hamilton: 7, Alonso: 7.

Die Formel 1 2009

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-  Start: Anfangs war Vettel öfter in Kollisionen verwickelt. Vettel dazu: „Das Risiko, wenn du hinten stehst, ist immens hoch.“ Aber jetzt ist er ein guter Starter. Hamilton ist das Start-Wunder schlechthin. Keiner riskiert mehr, keiner gewinnt mehr Meter in den ersten Kurven. Alonso kommt dank seiner sehr guten Reaktionszeit gewöhnlich gut weg. Dem Renault fehlt aber die Power, das bis zur ersten Kurve zu nutzen. Aus Frust darüber riskiert er in der ersten Kurve manchmal zu viel. Vettel: 9, Hamilton: 10, Alonso: 7.

- Rennen: Vettels Rundenzeiten sind schnell und konstant. Er weiß, wie man Reifen auf Betriebstemperatur bringt, wie man sie schont. Hamilton ist in Bestform nicht zu schlagen. Dann hämmert er in einem atemberaubenden Rhythmus Rundenzeiten in den Asphalt. Schwäche: Manchmal ruiniert er sich die Reifen. Alonso fährt so gut wie fehlerlos. Immer so schnell wie er muss, nie schneller als notwendig. Vettel: 8, Hamilton: 8, Alonso: 9.

- Regen: Vettel fühlt sich im Regen wohl wie ein Fisch im Wasser. Bei allen Regenrennen vollbrachte er Außergewöhnliches. Hamilton fährt im Regen wie ein Außerirdischer. Viele vergleichen ihn mit Senna. Alonso ist ein sehr guter Regenpilot, aber nicht außergewöhnlich. Vettel: 8, Hamilton: 10, Alonso: 7.

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- Überholen: Vettel hatte in 22 Rennen noch keine Kollision beim Überholen. Highlights wie Hamilton setzte er zwar noch nicht, aber dafür waren seine Autos auch nicht schnell genug. Hamilton düpierte in jeder Klasse, in der er bisher fuhr, seine Konkurrenten. Alonso überholt nur, wenn er dabei nicht viel riskiert. Vettel: 7, Hamilton: 10, Alonso: 8.

- Abwehren von Überholversuchen: Wenn es sein muss, ist Vettel beinhart. Bestes Beispiel: Wie er bei der Boxenausfahrt in Ungarn 2008 seinen Platz gegen Alonso verteidigte. Vettel weiß aber auch genau, wann er nachgeben muss. Hamiltons Überehrgeiz steht ihm im Weg, um auf diesem Gebiet perfekt zu sein. Er will nie nachgeben, immer seinen Platz verteidigen, selbst auf die Gefahr hin, eine Kollision zu riskieren. Alonso ist perfekt auf diesem Gebiet. Gnaden- und respektlos, wenn es um die strategisch wichtige Verteidigung seiner Position geht. Rücksichtsvoll, wenn es für ihn besser ist, den drängenden Hintermann passieren zu lassen. Vettel: 8, Hamilton: 7, Alonso: 10.

- Erfahrung: Vettel fährt erst seine zweite volle Saison. Da kann er noch nicht mit allen Wassern gewaschen sein. Aber er lernt schneller als der Rest der jungen Piloten. Vettel hat ein Elefantengedächtnis, das kommt ihm in der Lernphase entgegen. Er macht keinen Fehler zweimal – und viele hat er sowieso nicht gemacht. Hamilton ist ebenfalls wie Vettel noch nicht lange im Geschäft. Aber er hatte im ersten Jahr mit Alonso als Teamkollegen den perfekten Lehrer. Obwohl Alonso erst 27 Jahre alt ist, fährt er schon seine achte Saison. Dem Spanier kann keiner etwas vormachen. Vettel: 5, Hamilton: 7, Alonso: 10. Technikverständnis: Vettel ist von Technik fasziniert, ohne zum Technokraten zu mutieren. Hamilton ist nicht unbedingt jemand, der freiwillig Physik studieren würde. Aber er weiß, was er wissen muss. Alonso vertiefte sich schon zu Kartzeiten in das Grundprinzip eines Automobils. Weniger aus Interesse allerdings. Sein Ehrgeiz treibt ihn an. Vettel: 9, Hamilton: 6, Alonso: 8.

Das Ergebnis: Alonso 75 Punkte, Hamilton 73, Vettel 72 – aber der hat die Zukunft noch vor sich – und die ist golden.

Ralf Bach

Der Miss-Tuning-Kalender 2009

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