Striezel Stuck schreibt in der tz:

Schluss mit den Ausreden, lieber Nick!

Nick Heidfeld in Valencia.
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Nick Heidfeld in Valencia.

Die WM geht in ihre heiße Phase und es gibt einiges, was wir aufarbeiten müssen.

Der Titelkampf spitzt sich langsam zu einem Zweikampf zu. Wenn ich Ferrari wäre, würde ich meine Karten von jetzt an voll auf Massa setzen. Felipe hätte es verdient. Er ließ sich von seinem unglaublichen Pech in Ungarn nicht unterkriegen, sondern dominierte erneut. Was mich überrascht: Wie alt Kimi Räikkönen gegen den Brasilianer mittlerweile aussieht. Während Massa voller Leidenschaft fährt, ein Feuerwerk nach dem anderen abbrennt, wirkt Räikkönen unmotiviert. Er ist langsamer als Massa und macht auch noch Fehler. Loszufahren, wenn sein Tankwart noch an der Arbeit ist, grenzt schon an Körperverletzung. Sah er die rote Ampel seines Teams nur verschwommen, oder warum bretterte er los, ohne die Freigabe zu haben? Das in der Summe mit seinen gegenüber Massa langsameren Rundenzeiten lässt Ferrari keine Wahl: Sie müssen Kimi zum Barrichello machen und Massa auf den Titel setzen. Punkt, aus! Ob der Finne das mit sich machen lässt, bezweifle ich stark. Da riecht’s ganz stark nach Ärger.

Überhaupt: Ich kann die ständigen Ausreden nicht mehr hören. „Ich bekomme die Reifen nicht mehr warm!“ „Das Auto untersteuert mir zu stark.“ Kimi und Nick Heidfeld verlieren demnächst noch zwei Zehntel, weil die Dusche nicht genau 28,765 Grad hatte. Nick hätte ein Kopfproblem, heißt es. Ich glaube eher, sein Problem liegt im rechten Fuß, so hart sich das auch anhört. Nehmt Euch an Beispiel an Timo Glock! Der Junge hatte eine Grippe mit Fieber, kämpfte im Rennen wie ein Löwe, sie mussten ihn fast aus dem Auto heben. Der Lohn waren aber wieder zwei Punkte. Fest steht: Weder BMW noch Ferrari können die Leistungen ihrer „Nummer-Zwei-Piloten“ länger dulden. Dafür steht für sie zu viel auf dem Spiel: Wenn ein Ferrari gewinnen kann und ein BMW aufs Podium fährt, ist es lächerlich, wenn ein Räikkönen mit dem gleichen Auto wie Massa Mühe hat, dem jungen Sebastian Vettel auf dem Toro Rosso davonzufahren, und ein Nick Heidfeld gerade mal Neunter wird. Ein Alonso ist zu haben, beide, sowohl Stefano Domenicali von Ferrari als auch der BMW-Motorsportverantwortliche Mario Theissen haben die Pflicht, die besten zwei Piloten ins Auto zu setzen, die man kriegen kann. Hier geht es um keine persönlichen Eitelkeiten mehr oder sonst was: Sie sind dazu verpflichtet, ihrem Vorstand gegenüber genauso wie ihren Arbeitern am Fließband. Die wollen Siege sehen.

Kommen wir zu Sebastian Vettel. Der Junge ist eine Wucht. Was er und Toro Rosso in Valencia veranstalten haben, war sensationell. Beim Schwesterteam-Red-Bull müssten die jetzt eigentlich kollektiven Selbstmord begehen. Auch wenn Toro Rosso mit Ferrari den besseren Motor hat als der große Red Bull mit dem Renault – das alleine kann nicht der Grund sein für die Demütigung. Sie haben das gleiche Auto, bekommen die neuen Teile zuerst, haben das Doppelte – mindestens – an Budget. Außerdem: Die allwissenden Red-Bull-Berater wollten ja unbedingt den Renault-Motor – sie hätten auch den Ferrari haben können. Gut, die nächsten zwei Jahre bekommen sie Vettel. Bis Ende 2010 hat Sebastian den Red-Bull-Vertrag. Dann ist er meiner Meinung frei für noch Größeres: Sollte BMW nicht eine Option auf seinen Extester Vettel verlangt haben, als sie ihn Mitte letzten Jahres zur Red-Bull-Familie gehen ließen, gebührte ihnen der Preis für die größte Dämlichkeit des Jahrzehnts. Ferrari und McLaren-Mercedes würde es jedenfalls freuen.

Quelle: tz

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