Scuderia nicht konkurrenzfähig

Formel 1: Ferrari-Chef fällt vernichtendes Urteil - Sebastian Vettel schon abgehakt

Ferrari-Chef John Elkann (l.) unterhält sich mit Teamchef Mattia Binotto.
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Krisengespräch: Ferrari-Chef John Elkann (l.) hält offenbar an F1-Teamchef Mattia Binotto fest.

Bei Ferrari läuft es alles andere als rund. Nun hisst der Konzern-Chef die weiße Fahne - auch für die Formel-1-Saison 2021. Ein prominenter Kopf wird aber wohl nicht rollen.

  • In dieser Formel-1-Saison fahren die Ferrari der Konkurrenz nur hinterher.
  • Konzern-Chef John Elkann glaubt nicht an eine schnelle Wende.
  • Der Italiener fordert jedoch Geduld, die er selbst aufzubringen scheint.

München - Das klingt nach Kapitulation. Ferrari-Präsident John Elkann (44) hat in der italienischen Tageszeitung Gazzetta dello Sport die weiße Ferrari-Flagge geschwenkt - für 2020 und auch gleich für 2021. Man werde erst 2022 wieder konkurrenzfähig sein, so der Tenor des FIAT-Erben.

Elkann analysiert Ferraris Situation klar: „Wir haben seit 2008 keine Konstrukteurs-Weltmeisterschaft und seit 2007 keine Fahrermeisterschaft gewonnen. Es gab Siege sowohl von Red Bull mit einer großartigen Aerodynamik als auch von Mercedes wegen ihrer gro��en Fähigkeiten in der Hybridmotor-Technologie. Dieses Jahr sind wir nicht konkurrenzfähig. Wir haben eine Reihe struktureller Schwächen, die in der Aerodynamik und der Fahrzeugdynamik schon lange bestehen. Wir haben auch Motorleistung verloren.“

Ferrari schwächelt: Konzern-Chef scheint Schwäche zu akzeptieren

Was er nicht direkt aussprechen will, aber meint: Elkann verweist damit auf den mysteriösen PS-Verlust nach dem geheimen Deal mit dem Automobilweltverband FIA und befeuert so die Spekulationen, dass die Scuderia den Antrieb 2019 außerhalb der Grenzen des Regelwerks betrieben habe. Allerdings scheint er genau wie Teamchef Mattia Binotto die Schwäche zu akzeptieren.

„Unser Ziel ist es, ab 2022, wenn sich die Regeln ändern, einen neuen Zyklus zu beginnen“, so Elkann. „Ferrari war immer da und wird immer da sein. Wir werden wieder konkurrenzfähig sein und den Sieg anstreben. Wir sind zuversichtlich.“

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An seinem Teamchef will der Italiener offenbar festhalten. Elkann besteht darauf, dass er „volles Vertrauen“ in Binotto habe: „Mattia hat alle Fähigkeiten und Eigenschaften für einen neuen Siegeszyklus. Er war mit Jean Todt und Michael Schumacher bei Ferrari. Mit ihm gehen wir von einer klaren Basis aus.“

Allein: Elkann muss sich die Historie schönreden, wenn er in diesem Zusammenhang auf Todt und Schumacher verweist. „Als Todt und Schumi Ende der 1990er-Jahre einen historischen Zyklus begannen, folgte der einem 20-jährigen Fasten, das seit 1979 gedauert hatte. Es dauerte von Todts Ankunft im Jahr 1993 bis zu dem Zeitpunkt, als er Ferrari wieder zum Sieg führte.“

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Sebastian Vettel wird in der avisierten Erfolgsära nicht mehr zum Team gehören. Dazu steht Elkann.

„In den vergangenen zehn Jahren hatten wir Champions wie Alonso und Vettel. Aber es ist zweifellos schwieriger, von denjenigen Geduld zu fordern, die bereits gewonnen haben, als von denjenigen, die die Zukunft noch vor sich haben.“ An dieser Stelle hinkt der Vergleich mit den 90ern und frühen 2000ern, denn auch Michael Schumacher hatte schon zwei WM-Titel in der Tasche, als er zu Ferrari wechselte - und dann elf Jahre blieb.

Von Vettel fordert er trotzdem Unterstützung. Elkann: „Die Fans wissen, dass wir bei jedem GP ohnehin alles geben werden, und sie werden sehen, dass auch Sebastian Vettel seinen Teil dazu beitragen wird, aber ich will sie nicht täuschen. Wir müssen das Beste aus diesen letzten Monaten von 2020 und 2021 machen, um im Jahr 2022 wieder sehr konkurrenzfähig zu sein.“ (Ralf Bach)

Derweil sorgt ein Formel-1-Fahrer nach einem Corona-Test für Aufsehen. Alle Entwicklungen vom Grand Prix in Großbritannien gibt es hier im Live-Ticker.

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