Jeder schießt gegen jeden bei Bayern

München - Die Spieler aus den Mannschaftsteilen schieben sich die Schuld an der Niederlage gegenseitig zu – und dabei fallen deutliche Worte.

Es gab einiges zu besprechen. Louis van Gaals Analyse am Morgen nach der Pleite gegen Inter dauerte länger als normal. Über eine halbe Stunde sprach der Tulpengeneral vor der Mannschaft. Ein Balanceakt zwischen Tadel und Trost – immerhin musste er versuchen, das Team aufzurichten und für das Spiel gegen Freiburg am Samstag neu zu motivieren. Nicht ganz einfach.

Denn dass der furchtbare Tiefschlag Spuren hinterlassen hat, wurde schon gleich nach Abpfiff deutlich. Thomas Müller schrie seinen Frust noch auf dem Platz heraus, seine Kollegen machten vor der Presse ihrem Ärger Luft. Das Problem: Die Schuld an der Niederlage schoben sich die Spieler aus den Mannschaftsteilen gegenseitig zu – und dabei fielen deutliche Worte.

Klar ist: In dieser Saison gibt es keinen Titel. Und plötzlich wird alles infrage gestellt. Resultat: Jeder schießt gegen jeden. Die Defensive gegen die Offensive – und umgekehrt. Arjen Robben auf die Frage, ob die Abwehr höheren Aufgaben gewachsen ist: „Momentan nicht! Wir machen immer dieselben Fehler. Es kann nicht sein, dass wir zu Hause wieder drei Tore bekommen! Gegen eine Mannschaft, die nicht bekannt ist, schönen Fußball zu spielen!“

Mario Gomez motzte: „Unser Spiel ist Ballbesitz! Und wenn man plötzlich nur noch zum Torwart zurückspielt und die Verantwortung weiterschiebt, dann scheidet man aus!“ Bayerns Sturm schießt gegen die Abwehr. Und die schießt zurück!

Thomas Kraft: „Wir haben in der ersten Halbzeit unsere Torchancen nicht genutzt! Wir müssen 4:1, 5:1 führen, dann ist die Sache gegessen!“ ­Philipp Lahm sieht es ähnlich: „Wenn man drei Tore kassiert, dann ist es klar, dass wieder Kritik auf die Abwehr einprasselt. Aber ich glaube, dass das erste Tor abseits war, dass wir im gesamten Spiel zwei Torchancen zulassen und offensiv circa sieben Torchancen hatten! Und zwar sieben sehr gute! Plus die Situationen, die wir besser ausspielen hätten können! Man macht es uns in der Abwehr nicht leicht, wenn man in der entscheidenden Phase nicht die Tore macht!“

Doch nicht nur die Chancenverwertung ärgert die Defensive – auch das Abwehrverhalten der Offensiven wird kritisiert. Schweini: „Es ist nicht immer nur die Defensive! Die ganze Mannschaft muss defensiv denken! Das fängt vorne an und hört hinten auf. Wenn da manche Spieler nicht mitmachen, dann verliert man!“ Jeder gegen jeden!

Und es gibt auch Kritik am Trainer. Nicht von den Spielern, aber von sky-Experte Ottmar Hitzfeld: „Das Hauptproblem liegt im Abwehrbereich. Da hat man keine ideale Formation gefunden, keine stabilen Innenverteidiger. Auch auf links hat man Probleme. Das reicht einfach nicht. Da hat man vielleicht zu viele offensive Typen in die Abwehr gestellt. Meisterschaften gewinnt man mit einer soliden Abwehr. Aber da hat man dieses Jahr zu viel ausprobiert…“

Überhaupt wundert sich Hitzfeld über van Gaal: „Ich war ja schon ein paar Mal in der Arena, aber eigentlich hat er mich noch nie gegrüßt. Das ist schon ungewöhnlich.“ Und jetzt? „Ich glaube nicht, dass die Saison noch zu retten ist“, sagt Robben. Damit noch der dritte Platz erreicht wird, hat Hitzfeld einen Rat: „Vielleicht sollte man sich mal ohne Trainer treffen und Klartext reden.“

Dies wird auch im Team gewünscht. Damit sich alle zusammenraufen und die Zeitbombe Bayern nicht explodiert. Denn dann ist nicht nur diese Saison verkorkst – dann wäre mit der Europa League auch die kommende schon beschädigt.

jj, ta, lop

Quelle: tz

Rubriklistenbild: © dpa

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