„Wir haben ein Spiel verloren, nicht den Krieg“

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Louis van Gaal blieb nach der Niederlage in Bordeaux einigermaßen unberührt.

München - Am Morgen nach der Klatsche bei Girondins Bordeaux gab es offenbar Diskussionsbedarf. So standen der Chef und der Manager, Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß, am Gate A03 des Flughafens Bordeaux-Mérignac und diskutierten.

 Hoeneß hatte sein Jacket abgelegt, das Gespräch schien intensiv. Kein Wunder, hatte sich der FC Bayern doch im so wichtigen Champions-League-Gruppenspiel nach Kräften blamiert. Mit 2:1 verloren sie am Ende und Franz Beckenbauer, der für seine Verhältnisse früh vom Bankett (es gab „Seeteufel Bordelaise“ und „Rinderfilet Maitre de Chai“) verschwand, lag mit seiner Einschätzung richtig. „Da kannst du froh sein, dass du nicht höher verlierst.“

 Recht hatte er, nicht nur wegen der beiden verschossenen Elfer für Bordeaux. Die Bayern präsentierten sich insgesamt willenlos, ideenlos, planlos – einfach richtig schlecht. Trainer Louis van Gaal ließ sich davon aber nicht beeindrucken. „Wir haben ein Spiel verloren, nicht den Krieg!“, sagte er hinterher brachial. Und lieferte ein Einschätzung des Spiels, die viele zum Staunen brachte. Van Gaal: „Wir waren in der ersten Halbzeit sehr schlecht, aber nicht in der zweiten. Da haben wir vier Chancen kreiert, der Gegner keine – außer den zwei Elfern.“

Nun ja… Karl-Heinz Rummenigge fand da andere Worte, als er beim Bankett im Salon Margaux des Grand Hotel Bordeaux zum Mikro griff. „Es ist jetzt eine Reaktion der Mannschaft gefragt“, sagte Rummenigge, „und das sollte sich nicht nur auf die Champions League beschränken. Wir müssen gegen Frankfurt in der Bundesliga nachlegen! Und da möchte ich euch dringend empfehlen eine andere Gangart hinzulegen!“ Nicht nur das Ergebnis, vor allem die unglaublich schwache Leistung der Bayern gibt ihnen Anlass zur Sorge. Thomas Müller treffend: „Bordeaux war nicht besonders stark – wir waren einfach erschreckend schwach.“ Fehlpässe in Serie, ohne Ordnung, keine Kreativität – die Bayern hatten im Grunde keine Chance. Und das gegen den vermeintlich „kleinen“ Gruppengegner aus Bordeaux. Der Champions-League-Titel? Meilenweit weg!

Ex-Kapitän Stefan Effenberg kritisiert bei stern.de: „Das viel beschriebene Bayern-Gefühl geht diesem Team ab. Das, was früher diesen Verein ausgezeichnet hat, ist nicht mehr vorhanden.“ Und: Die Blamage in Bordeaux erhöht den Druck auf den Trainer. In der Liga nur Platz sechs, das Champions-League-Achtelfinale in Gefahr – keine berauschende Bilanz. Christian Nerlinger legt den Finger in die Wunde. „Wir sind in der Liga sechs Punkte zurück. Deswegen müssen wir schauen, dass wir gegen Frankfurt Gas geben! Jetzt sind deutliche Worte angebracht“, sagte Nerlinger der tz.

So bekommt die Partie gegen Frankfurt eine besondere Bedeutung: Eine Niederlage darf sich van Gaal in keinem Fall erlauben, sonst dürfte auch die Kritik an ihm persönlich lauter werden. Kritik, die Felix Magath bei Sky so formulierte: „Es wird in Holland halt anders Fußball gespielt as in Deutschland. Die Holländer werden immer sehr gelobt für ihren Fußball, der schön aussieht, aber international nicht erfolgreich ist. Erfolgreicher sind wir mit unserem Fußball. Deswegen behaupte ich, spielen wir den besseren Fußball. Daran müssen sich die holländischen Trainer erst gewöhnen. So wie ich mich an anderen Fußball gewöhnen müsste, wenn ich ins Ausland ginge.“

Jan Janssen

Quelle: tz

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