„Van Gaal hat Probleme mit großen Spielern!“

München - Für ihn ist es das Duell „der zwei Vereine meines Lebens“. Bordeaux gegen Bayern: Bixente Lizarazus Spiel des Jahres.

Für den französischen Meister kickte der Welt- und Europameister zwölf Jahre, bevor er in neun Spielzeiten bei Bayern zur Legende wurde. Vor dem Spiel in der Königsklasse spricht Liza in der tz:

Bonjour, Monsieur Lizarazu. Am Mittwoch gastieren die Bayern in Bordeaux. Was denken Sie über die Entwicklung in München?

Lizarazu: Ich glaube, die Bayern sind in keiner guten Form. Ich habe gehört, dass viele Spieler wie Toni, Gomez oder Ribéry Probleme mit dem Trainer haben. Oder sie dürfen nicht regelmäßig spielen. Bayern kommt sicher nicht mit der vollen Leistungsfähigkeit hierher.

Sie sprechen von Problemen van Gaals mit einigen Spielern. Wie muss ein Bayern-Trainer mit Stars umgehen?

Lizarazu: Es geht sehr viel um Psychologie. Man muss viel mit den Spielern reden, sie einbeziehen. Ich weiß nicht, was genau los ist, aber ich sehe, dass es Probleme mit den großen Spielern gibt. Diese Spieler sind nicht bei 100 Prozent, spielen nicht so, wie sie eigentlich könnten – das ist ein Problem. Dazu muss ein Trainer die Spieler bringen können.

Van Gaal ist sehr von sich selbst überzeugt. Vor dem Spiel in Freiburg erklärte er: „Es gibt keinen Trainer mit einem besseren Lebenslauf. Wenn ich jetzt weg wäre, wen sollte Bayern dann verpflichten? Ferguson? Capello?“

Lizarazu: Das hat er gesagt?

Ja. Sinngemäß: Es gibt für Bayern keinen außer mich, weil die einzig Erfolgreicheren besetzt sind.

Lizarazu (lacht): Er scheint sehr von sich überzeugt zu sein!

Könnte das zum Problem werden?

Lizarazu: Es ist im Sport immer ein Problem, wenn du zu sicher bist. Es wird von den Ergebnissen abhängen. Wenn die Ergebnisse nicht stimmen, wird er gehen müssen. Bei Bayern brauchst du Ergebnisse, van Gaal muss einfach Meister werden. Das hat man bei Jürgen Klinsmann gesehen. Er hat einen guten Job mit der Nationalmannschaft gemacht, hatte gute Ideen – das hat ihm nichts geholfen. Es geht nicht darum, große Worte zu sagen. Es geht allein um Ergebnisse. Man muss nicht nur von sich selbst sagen, der Beste zu sein, sondern mit all den großen Spielern und ihren Charakteren umgehen können.

Van Gaal wirkt sehr angriffslustig, selbstsicher.

Lizarazu: Vielleicht wählt er jetzt den harten Weg und ist in ein paar Wochen entspannter. Ich sehe nicht den Sinn dahinter, jetzt so schroff zu sein. Und die Ergebnisse müssen besser werden! Wievielter war Bayern vor dem Spiel in Freiburg? Siebter? Achter?

Achter.

Lizarazu: Und wo stehen sie jetzt?

Auf Platz sechs.

Lizarazu: Sehen Sie! Das ist eigentlich für den FC Bayern etwas Unvorstellbares. Platz sechs! Natürlich ist es erst der Beginn der Saison, aber das sollte sich schnell ändern.

Was erwartet die Bayern am Mittwoch in Bordeaux?

Lizarazu: Bayern muss wirklich aufpassen! Bordeaux hat eine gute Mannschaft. Sie haben zwar die letzten beiden Partien verloren, aber das ist nicht normal. Sie sind stark bei Freistößen, haben großes Potenzial, ein starkes Team – und drei Schlüsselspieler: Gourcuff, Chamakh und Diarra.

Diarra spielte einst für die Bayern-Amateure…

Lizarazu: Stimmt. Heute ist er der wichtigste Spieler von Laurent Blanc (Bordeaux’ Trainer, d. Red.). Diarra ist Kapitän und Kopf der Mannschaft.

Uli Hoeneß sagt, Diarras Entwicklung sei für ihn ein Weltwunder…

Lizarazu: Uli muss verstehen, dass speziell in jungen Jahren in einem fremden Land auch psychologische Aspekte eine Rolle spielen. Es geht um Selbstvertrauen. Vielleicht hatte er das in München nicht und fühlte sich einsam. Vielleicht konnte man damals noch nicht annähernd sein Potenzial sehen. Heute ist er ein großer Kämpfer, ein sehr guter Mittelfeldspieler. Er darf immer spielen – wie van Bommel bei van Gaal.

Ihr Tipp für Mittwoch?

Lizarazu (lacht): Ich bin in einer sehr schwierigen Situation! Hier sagen alle: Bixente, du bist für Bordeaux, oder? Aber in diesem Spiel geht das einfach nicht. Am liebsten hätte ich ein 5:5. Aber sagen Sie: Wie geht es Ribéry und Robben? Können sie spielen?

Robben sitzt wahrscheinlich auf der Bank, Ribéry fehlt weiter.

Lizarazu: Mit ihnen spielt Bayern einen tollen Fußball, mit wahnsinnigen Kontern. Ribéry macht für mich die Bayern um eine Klasse besser, er ist ihr absoluter Ausnahmespieler. Aber die Bayern müssen auf Franck aufpassen!

Inwiefern?

Lizarazu: Er hat viele Verletzungsprobleme. Franck macht den Unterschied. Bayern muss alles machen, um ihm zu helfen. Er ist oft verletzt – manchmal entstehen solche Verletzungen auch, weil man sich nicht wohlfühlt, weil seelisch etwas nicht stimmt. Franck ist ein sehr sensibler Spieler. Er hatte Probleme mit dem Trainer. Man muss zwei Aspekte beachten: Franck muss medizinisch gesund werden, aber er muss sich in München auch rundum wohlfühlen, von allen, auch von van Gaal respektiert werden.

Interview: Tobias Altschäffl

Quelle: tz

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