Hoeneß reicht Löw die Hand

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Ulli Hoeneß

Die erste Reaktion: Ein breites Grinsen. Aber dann musste sich Joachim Löw beherrschen. Sonst wäre aus dem Streit zwischen dem FC Bayern und der Nationalmannschaft ein echter Skandal geworden.

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Hoeneß wettert gegen Löw

Der Bundestrainer reagierte voller Unverständnis auf Aussagen von Uli Hoeneß in einem Bild-Interview. „Es ist eine neue Qualität, dass der Draht zwischen Nationalmannschaft und den Vereinen so getrennt wird. Was mir fehlt, ist der enge Kontakt“, kritisierte Hoeneß. Das konnte Löw – speziell in Anbetracht des zu Wochenbeginn abgehaltenen Friedensgipfels zwischen DFB und Bundesligateams – nicht auf sich sitzen lassen. Sichtlich verärgert konterte der Bundestrainer: „Das ist ja völlig verkehrt.“ Und weiter: „Das so einzuschätzen, ist ja fast schon…“ Doch im letzten Moment zügelte sich der 49-Jährige und hielt seine Worte zurück. Gut so – denn Hoeneß geht es gar nicht darum, Löw anzuschießen. In der tz reicht der Bayern-Manager dem Bundestrainer die Hand.

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Hoeneß will keinen Ärger, er fordert nur den sachlichen Meinungsaustausch. „Wo ist denn da ein Konflikt? Ich sehe auch keine Kluft. Aber wenn der Herr Löw etwas zu bemängeln hat, dann soll er es uns selbst sagen“, so Hoeneß gegenüber der tz: „Wenn sie kein Problem mit der Bundesliga haben, dann sollen sie den Mund halten. Man muss nur richtig zuhören, dann kann man das Thema beerdigen.“ Eine Aussprache sei nicht nötig. Hoeneß: „Wir brauchen keinen Friedensgipfel.“ Aber auch Löw verteidigte sich. Er stünde mit allen Ligatrainern in Kontakt – speziell mit Vorgänger Jürgen Klinsmann. Löw: „Zu Jürgen habe ich einen besonders engen Draht. Wir diskutieren häufig über die Entwicklungen.“ Kommentar Hoeneß: „Das ist ja prima! Aber dann reichen die Gespräche ja. Dann braucht er das aber auch nicht immer in Interviews nochmal erklären. Es geht nicht an, dass die Leute vom DFB und der Bundestrainer permanent über die Bundesliga herziehen.“

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Auch Oliver Bierhoff schaltet sich ein – voller Unverständnis. „Die Kommunikation war zwischen Liga und Nationalmannschaft noch nie so gut, unser Co-Trainer Hansi Flick und selbst unsere Fitnesstrainer besuchen regelmäßig die Trainingseinheiten der Bundesligisten“, erklärte der DFB-Manager enttäuscht: „Ich kann mir nicht erklären, warum er das sagt, zumal es nicht den Tatsachen entspricht. Wir arbeiten prima zusammen.“ Öffentliche Diskussionen sollen vermieden werden. Dennoch wiederholte der Bundestrainer am Donnerstag seine Kern-Aussagen: „Die Intensität kann bei einigen Mannschaften gehoben werden.“ Und überhaupt: Die Kritik beruhe auf „objektiven Daten“. Bei der Auswertung der eigenen Leistungsdaten vor dem Spiel gegen Liechtenstein fand der Bundestrainer so auch Kritikpunkte bei den eigenen Spielern. Zwar sei die Schnelligkeit „überdurchschnittlich“, im Ausdauerbereich verteilte Löw insgesamt aber nur ein „befriedigend“: „Da müssen sich einige verbessern.“ Dazu zählt jedoch nicht Michael Ballack. Den Chelsea-Kapitän lobte Löw ausdrücklich – und Ballack brennt auf die Duelle gegen Liechtenstein und Wales: „Wir sind heiß auf Wiedergutmachung und wollen zwei Siege holen. Es ist wichtig, dass wir nach den beiden Niederlagen gegen England und Norwegen jetzt eine Reaktion zeigen. Und die wird auch kommen!“

Miroslav Kloses Aussage, Ballack solle seiner Rolle als Kapitän wieder mehr gerecht zu werden, kann der Capitano jedoch nicht nachvollziehen. „Mit dieser Aussage kann ich wenig anfangen. Ich weiß nicht, was er damit bezwecken wollte.“ Ein neuer Krisenherd? „Das Verhältnis ist überhaupt nicht gestört. Ich sehe in dem Interview überhaupt keine Schärfe, sondern lediglich eine nüchterne Feststellung der Situation, wie sie nun mal ist“, erklärte Hoeneß am Donnerstag-Nachmittag. „Wir haben doch nicht damit angefangen. Die haben permanent die Qualität der Bundesliga in Frage gestellt. Das kann man ja machen, aber bitte intern. Dann sollen sie doch zu uns kommen, mit den Trainern sprechen oder von mir aus mit uns nach Barcelona zum nächsten Spiel fliegen. Dann haben wir abends Zeit, in aller Ruhe diese Dinge zu besprechen – ohne jegliche Schärfe! Ich sehe überhaupt keinen Grund, dass wir uns da streiten.“ Tobias Altschäffl

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