Wunder oder GAU

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Luca Toni am Boden - die Bayern nach dem 34. Spieltag auch?

Ey, das geht ab, wir versauen euch die Meisterschaft!“ Kurzerhand hatten die Hoffenheimer Fans am Samstag den Meistersong, der bei der Hertha in Berlin seit Wochen in ist („Ey, das geht ab, wir holen die Meisterschaft“), umgedichtet.

Ba, Eduardo, zack, zack – um 17.17 Uhr war der Meistertraum der Bayern geplatzt. „Wolfsburg wird sich das nicht mehr nehmen lassen“, resignierte Karl-Heinz Rummenigge nach dem 2:2, „wir müssen den zweiten Platz sichern.“

Und irgendwie passte dieses Spiel, diese Stimmung zur atypischen Bayern-Saison: Toni verpasste in der letzten Minute den Sieg, so richtig ärgern wollte sich (offiziell) aber auch keiner darüber. Wo ist es nur hin, das bayerische Sieger-Gen, das Mia-san-mia-Gefühl? Zumindest intern ist der Titel noch nicht endgültig abgehakt. Auch am letzten Spieltag sei noch alles möglich, trichterte Uli Hoeneß der Mannschaft ein. Und im Team wurde das 2:2 nicht gelassen hingenommen, in der Kabine herrschte eine verärgerte, gedrückte Stimmung.

Der Glaube an den Titel war da – und noch gibt es eine Chance auf den Gewiinn der Meisterschaft. Allerdings können die Bayern weiter auf Platz vier abstürzen. Nächsten Samstag steht die ganze Saison, stehen die mittelfristigen Planungen im Finale gegen den VfB auf dem Spiel. Die große Frage: Wunder oder Super-Gau?

Die Ausgangslage ist klar: Für den Titel brauchen die Bayern die Unterstützung von Werder. So wie am 20. Mai 2000, als Haching die Bayern zum Meister machte. „Es ist von der Konstellation ähnlich, aber ich glaube nicht da­ran. Sie werden die Punkte gesichert machen“, erklärt Rummenigge. Begründung: „Die Wolfsburger haben das kleine Glück, dass sie mit Bremen einen Gegner haben, der drei Tage vorher das Uefa-Cup-Finale hat – die werden nicht taufrisch auflaufen.“ Nach dem 5:0 in Hannover reicht dem VfL sogar ein Remis – außer Bayern schlägt Stuttgart mit acht Toren Differenz…

„Vielleicht ist noch ein Wunder drin“, hofft Poldi. Zunächst sollte jedoch Platz zwei gesichert werden. Aber auch der VfB braucht einen Sieg, um nicht von Berlin überholt werden zu können. Die Marschroute gibt Philipp Lahm vor: „Taktieren kann man nicht.“ Stimmt: Denn bei einem Remis könnten die Roten noch von Berlin auf Rang drei verdrängt werden und müssten in die Königsklassen-Quali.

Das Horrorszenario: der Absturz in die Europa League, den ehemaligen Uefa-Cup. Die Bedeutung der Königsklasse sei für den FC Bayern „extrem“, sagt Rummenigge: „Sowohl vom Image her als auch von den Finanzen. Wir wollen und müssen an der Champions League teilnehmen.“ Die ganzen Planungen für die neue Spielzeit hängen davon ab. Denn im schlimmsten Fall fehlen den Bayern rund 20 Millionen Euro. Und auch Superstars sind mit der Perspektive Europa League nicht zu holen – oder zu halten. Frag nach bei Franck Ribéry. Der meinte auch am Samstag nur: „Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, über die Zukunft zu sprechen.“

Dabei sollen die Personalplanungen vorangetrieben werden, auch wenn es „keine Transfers vor Saisonende geben wird“, sagte Rummenigge am Wochenende der tz: „So schnell sind selbst wir beim FC Bayern nicht.“ Die Meisterschaft ist in weiter Ferne – trotzdem sei die turbulente Saison noch zu retten. „Wir sind zufrieden, wenn wir den zweiten Platz verteidigen“, meint Rummenigge. Daran, dass Bayern Branchenführer ist, würde auch „eine mögliche Meisterschaft des VfL Wolfsburg nichts ändern. Dieses Selbstvertrauen haben wir.“ Keiner spricht mehr vom Titel. Trotzdem ist der Traum weiter im Kopf. „Bremen ist eine Mannschaft, der alles zuzutrauen ist“, hofft etwa Jupp Heynckes .

Den Rathausbalkon werde er nicht mieten, erklärte Rummenigge, „das haben wir auch im Jahr 2000 nicht“. Doch spontane Feiern sind meistens die besten…

Tobias Altschäffl

Quelle: tz

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