„Wir können nicht immer unsere Talente abgeben“

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Das DFB-Trikot steht Thomas Müller gut - bislang trug er das der A-Elf aber noch nicht.

München - „Dann macht es bumm… …ja und dann kracht’s – und alle schreien: Der Müller macht’s!“ Der legendäre Gerd-Müller-Song wird bald wieder bei der Nationalmannschaft gespielt!

Bayerns Shootingstar Thomas Müller hat sich in gerade einmal zwölf Bundesliga-Spielen in Jogi Löws Notizblock geschossen. Für die letzeten beiden Länderspiele des Jahres gegen Chile und Ägypten plant der 49-Jährige Experimente. Ganz oben auf seiner Versuchsliste: Müller. „Es kann gut sein, dass er im November dabei ist“, erklärt Löw. Für den 20-Jährigen, der ein enges Verhältnis zu Bomber Gerd Müller pflegt, ein riesiger Karrieresprung.

 

 

Aber kommt die Nationalelf zu früh? Die tz fragte bei Franz Beckenbauer nach.

„Wenn einer charakterlich in Ordnung ist, dann wird ihm nichts passieren, er wird das verkraften“, meint der Kaiser. „Freilich geht das sehr schnell. Letztes Jahr hat er noch bei den Amateuren gespielt. Aber schon bei den Kurzeinsätzen bei den Profis hast du gemerkt: Aha, da ist ein Talent im entstehen. Das hat er in dieser Saison bestätigt.“

Beckenbauer begrüßt jedenfalls Löws Experimente – und eine mögliche Einladung des Talents. „Warum nicht? Warum soll man ihn nicht zur Nationalmannschaft holen? Du weißt bei ihm: Er ist keine Eintagsfliege. Müller hat die Fähigkeiten, dass er Nationalspieler werden kann“, sagt der Bayern-Präsident – und traut auch einem zweiten Talent den Sprung in den WM-Kader zu: „Das Gleiche gilt auch für Badstuber. Auch wenn man sich das vor fünf, sechs Wochen nicht hätte vorstellen können. Das passt schon. Bis zur Weltmeisterschaft hast du ja noch über ein halbes Jahr Zeit – da werden die beiden sicher ihre Chance bekommen.“

Der große WM-Check: Wer fährt mit nach Südafrika?

Der große WM-Check: Wer ist – stand Mitte Oktober – 2010 dabei? Wer hat gute Chancen? Wer muss um seinen Platz kämpfen? Und wer könnte noch überraschend auf den Zug ans Kap aufspringen? Klicken Sie sich hier durch die Kandidaten. (Texte: tz) © Getty
Sicher dabei: Arne Friedrich (30/Hertha BSC): Aufgrund seiner Erfahrung (68 Länderspiele, drei Turnier-Teilnahmen) gesetzt. © Getty
Sicher dabei: Bastian Schweinsteiger (25/FC Bayern): Als Mittelfeldmotor und Kreativspieler eine fest Größe © Getty
Sicher dabei: Heiko Westermann (26/Schalke): Der 15-fache Nationalspieler war in der Innenverteidigung zuletzt immer gesetzt. © Getty
Sicher dabei: Lukas Podolski (24/Köln): Immer für ein Tor gut – und auch schon mit 67 Länderspielen und drei Turnier-Teilnahmen. © Getty
Sicher dabei: Mario Gomez (24/FC Bayern): Zuletzt im Formtief, in der Bundesliga aber gewohnt treffsicher. © Getty
Sicher dabei: Mesut Özil (21/Bremen): Die Entdeckung der Ära Löw. Ein Spielmacher, wie ihn Deutschland lange nicht mehr hatte. © Getty
Sicher dabei: Michael Ballack (33/Chelsea): Der Capitano ist unersetzlich. Die WM ist sein letztes großes Turnier. © Getty
Sicher dabei: Miroslav Klose (31/FC Bayern): Zeigte gegen Russland, wie wichtig er ist. Tor Nummer 48 im 92. Länderspiel © Getty
Sicher dabei: Per Mertesacker (25/Bremen): Als Abwehrchef für Südafrika gesetzt. © Getty
Sicher dabei: Philipp Lahm: Philipp Lahm (25/FC Bayern): Ob links oder rechts – ihm kann als Außenverteidiger keiner das Wasser reichen. © Getty
Sicher dabei: Piotr Trochowski (25/Hamburg): Der Ex-Bayer hat einen starken Schuss und ist enorm dribbelstark. © Getty
Sicher dabei: René Adler (24/Leverkusen): Festigte durch die Russland-Gala seinen Platz im deutschen Tor. © Getty
Sicher dabei: Robert Enke (32/Hannover): Wenn er wieder richtig fit ist, fährt er – wenn auch nur als Nummer zwei – zur WM. © Getty
Sicher dabei: Simon Rolfes 27/Leverkusen): Starke Auftritte zuletzt in der Bundesliga und auch im Nationaltrikot. © Getty
Sicher dabei: Thomas Hitzlsperger (27/Stuttgart): Schwächelt derzeit beim VfB. Unter Löw aber im DFB-Team fast immer eine Bank. © Getty
Gute Chancen: Andreas Beck (22/Hoffenheim): Kämpft um seinen Platz auf der rechten Außenbahn. © Getty
Gute Chancen: Jerome Boateng (21/Hamburg): Pannen-Debüt in Russland. Ihm gehört aber die Zukunft. © Getty
Gute Chancen: Manuel Neuer (22/Schalke): Starke U21-EM. Seitdem immer dabei. Fährt wohl als Nummer drei zur WM. © Getty
Gute Chancen: Marko Marin (20/Bremen): Blüht bei Werder auf, im Nationalteam zuletzt aber mit wenig Einsatzzeit. © Getty
Gute Chancen: Sami Khedira (22/Stuttgart): Nach der U21-EM oft verletzt. Dennoch: Ein Mann für die Zukunft. © Getty
Gute Chancen: Serdar Tasci (22/Stuttgart): Wackelte zuletzt im Nationaldress. Dennoch: Löw setzt auf ihn. © Getty
Gute Chancen: Stefan Kießling (25/Leverkusen): Trifft in der Liga wie er will. Dennoch bei Löw (noch) außen vor. Muss weiter knipsen. © Getty
Muss kämpfen: Cacau (28/Stuttgart): Seit Wochen ohne Torerfolg in der Bundesliga. Muss sich gewaltig steigern. © Getty
Muss kämpfen: Christian Gentner (24/Wolfsburg): Starkes Meisterjahr, aber derzeit im kleinen Formtief. © Getty
Muss kämpfen: Christian Träsch (22/Stuttgart): Zuletzt nicht berücksichtigt. Daher: kaum WM-Chancen. © Getty
Muss kämpfen: Christoph Metzelder (28/Real Madrid): Derzeit kein Thema. Letzter Einsatz im EM-Finale gegen Spanien (29.6.2008). © Getty
Muss kämpfen:Marcell Jansen (23/Hamburg): Lange verletzt. Muss reinhauen. © Getty
Muss kämpfen:Marcel Schäfer (25/Wolfsburg): Schwach gegen Aserbaidschan. Ihm fehlt es an Klasse. © Getty
Muss kämpfen:Tim Wiese (27/Bremen): Stark in der Liga, aber bei gutes Standing bei Löw. © Getty
Muss kämpfen: Torsten Frings (32/Bremen): Raus aus dem Formtief, aber zuletzt nicht mehr erste Wahl. Muss sich weiter aufdrängen. © Getty
Könnte überraschen: Bendikt Höwedes (21/Schalke): Seit der U21-EM auf Löws Zettel. Bekommt vielleicht schon bald eine Chance. © Getty
Könnte überraschen: Thomas Müller (20/FC Bayern): Zwölf Pflichtspiele, fünf Tore – der Shootingstar muss nur so weitermachen, dann bekommt er seine Chance. © Getty
Könnte überraschen: Holger Badstuber (20/FC Bayern): Beim Rekordmeister gesetzt. Ihm fehlt (noch) die Erfahrung. Könnte aber bald getestet werden. © Getty
Mats Hummels (20/Dortmund): Starke U21-EM. Seitdem konstant. Eine Alternative für die Innenverteidigung? © Getty

Beckenbauer schwärmt von den Eigengewächsen. „Ich weiß nicht, wie lange ihre Verträge laufen“, sagt der Kaiser, „aber ich bin sicher, dass unsere Verantwortlichen bei den Verträgen von Müller und Badstuber so handeln, dass beide zufriedengestellt sind.“ Denn eines darf laut Beckenbauer nicht mehr passieren: Dass sich andere Bundesligisten an Bayern-Talenten bereichern. Seine Weggeh-Warnung: „Wir können nicht immer unsere selbst ausgebildeten Talente abgeben. Beide müssen unbedingt langfristig bleiben.“

Die Entwicklung der letzten Jahre verärgert Beckenbauer. „Wenn man sich das mal anschaut: In Hamburg sind drei, Trochowski, Jarolim und Guerrero. Dann hast den Misimovic, den Kroos – in der ganzen Bundesliga unsere Spieler. Irgendwann sollte man diejenigen, die man selbst ausbildet, auch behalten.“ Müller und Badstuber sollen wie bisher weiter ihre Chance erhalten, bei den Profis wie einst Schweinsteiger integriert werden. „Sonst wird bei uns die Arbeit gemacht, und die anderen profitieren davon“, warnt Beckenbauer: „Damit sollte jetzt mal Schluss sein, da müssen wir umdenken.“

Tobias Altschäffl

Quelle: tz

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