Scholl spricht mit der tz über angebliche Rücktrittsgedanken und frustrierende Erkenntnisse

„Sie treten die Grundgesetze des Fußballs mit Füßen“

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Zum Verzweifeln! In zwölf Spielen kassierten die Bayern-Bubis bereits 30 Gegentore – „da waren 18 sehr einfache dabei“, kritisierte Mehmet Scholl

München - Es sind Tabellenregionen, die er als Spieler nur vom Hörensagen kannte: Vorletzter Tabellenplatz, 30 Gegentore in zwölf Spielen.

Als Spieler war Mehmet Scholl ein Kultkicker – als Coach ist er in seiner ersten richtigen Saison Krisenkämpfer. Den nächsten Dämpfer gab’s am vergangenen Wochenende. In Erfurt unterlagen die kleinen Bayern mit 0:2, kassierten schon die siebte Niederlage.

Danach erklärte Scholl frustiert: „Da kann man nicht von Pech sprechen. Da fehlt es an Qualität. Für viele reicht es nicht für die Dritte Liga. Vielleicht auch nicht für den Trainer.“ Denkt der 38-Jährige etwa bereits an Rücktritt? „Nein, es gibt bei mir überhaupt keine Rücktrittsgedanken“, erklärte Scholl am Montag seine Äußerung gegenüber der tz: „Aber nicht nur die Spieler sollten sich hinterfragen, sondern auch der Trainer.“

Scholl sagt, dass er „weit davon entfernt“ sei, zurückzutreten. Anstatt eines neuen Trainers brauchen die Bayern-Bubis eher neue Spieler. Die Krise – eine reine Qualitätsfrage. Scholl ist mit seinem Spielmaterial unzufrieden, im Winter sollen Verstärkungen her. „Wir müssen eher die Spieler austauschen“, meint Scholl zur aktuellen Situation. „Die Konstellation, dass nur drei Spieler über 23 bei uns spielen dürfen, macht es natürlich schwer – aber wir brauchen einfach bessere Spieler, um unsere Ziele zu erreichen.“

Bei der Talfahrt des FC Bayern II fühlt sich Scholli an einen Bundesligisten erinnert. „Ich vergleiche das mit der Situation von Hertha. Die haben mit Pantelic und Voronin zwei Spieler abgegeben und konnten das nicht kompensieren. Jetzt stehen sie auf dem letzten Platz“, erklärt der Trainer: „Wir mussten mit Müller, Badstuber, Fürstner und Niedermeier gleich den Abgang von vier Leistungsträgern verkraften.“

Die erste Mannschaft wurde mit den besten Youngstern verstärkt, Leistungsträger Fürstner ging nach Fürth, Abwehr-Talent Niedermeier zum VfB Stuttgart. Scholl: „Dadurch kamen Spieler aus dem zweiten Glied in die Verantwortung – und man sieht nun, wie sie reagieren. Ich meine das ganz sachlich, ohne Wut: Aber unser Spielermaterial reicht eben nicht. Ich will mich nicht reinwaschen, aber gewisse Spieler können die Anforderungen einfach nicht erfüllen.“

Schonungslose Worte, die Scholl jedoch nicht böse meint: „Das ist ganz einfach eine Analyse. Schauen Sie sich unsere Gegentore an: Es sind immer ein, zwei Spieler, die eklatante Fehler machen – und bei jedem Tor andere Spieler. Es gibt einfach einen Substanzverlust, den wir nicht kompensieren konnten.“

Scholl weiß, dass es „für den Verein extrem wichtig ist, die Klasse zu halten – und für mich persönlich natürlich auch. Ich kenne die Ansprüche in diesem Job, sie gelten auch für Mehmet Scholl“.

Der ehemalige Filigrantechniker leidet, wenn seine Mannschaft sich durch elementare Fehler um den Lohn der Arbeit bringt. Sein frustriertes Zwischenfazit: „Nochmal: Ich will mich nicht reinwaschen. Aber wenn du Spieler hast, die teilweise die Grundgesetze des Fußballs mit den Füßen treten, wird es schwer…“

ta

Quelle: tz

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