Karl-Heinz Rummenigge im tz-Interview: „Wir sollten relaxter sein“

Karl-Heinz Rummenigge
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Bayern-Boss Rummenigge: „Ich weiß, dass der Uli die Spieler gerne mal reizt…“

München - Im tz-Interview spricht Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge über Luca Toni, Franck Ribéry, Transfers – und die Hoeneß-Kritik.

Herr Rummenigge, nach zwei Tagen in Rom sind Sie zurück in München. Wie haben Sie das Champions-League-Finale erlebt?

Karl-Heinz Rummenigge: Es war ein tolles Erlebnis, eine wunderbare Veranstaltung. Man muss auch deutlich sagen, dass sich die zwei besten Mannschaften Europas gegenüberstanden. Nicht umsonst haben Manchester und Barcelona in ihren heimischen Ligen die Meisterschaft geholt. Und man hat auch gesehen, dass wir gegen die eindeutig beste Mannschaft Europas ausgeschieden sind. Das ist keine Schande.

Wie oft haben Sie sich während des Spiels gedacht: So würde ich den FC Bayern nächstes Jahr gerne spielen sehen?

Rummenigge: Ich glaube, in der heutigen Zeit ist es extrem schwer, solch eine Qualität hinzukriegen. Wir haben natürlich alle beim FC Bayern einen großen Traum: mal wieder im Finale zu stehen. Aber man muss realistisch bleiben, wir sind keine Fantasten. An einem guten Tag kann der FC Bayern weiter kommen als in der vergangenen Saison, aber es muss alles passen. Einige wenige Mannschaften aus England und Spanien sind uns voraus – aber eben fast alle auch in einer finanziellen Schieflage.

Haben Sie in Rom auch Kontakt zu Barcelonas ­Aliaksandr Hleb aufgenommen?

Rummenigge: Nein, es gab keinen Kontakt, wir haben nicht gesprochen. Wir können zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös voraussagen, ob er ein Thema für uns wird – beziehungsweise welche Spieler überhaupt ein Thema werden. Wir sind uns darüber im Klaren, dass wir auf der Torwart- und der Rechtsverteidigerposition handeln möchten. Um welche Namen es in Zukunft geht, werden die Gespräche mit unserem neuen Trainer zeigen.

Mit welchen Gefühlen gehen Sie die Planungen mit Louis van Gaal an?

Rummenigge: Ich freue mich auf die Zusammenarbeit. Er hat in allen Gesprächen große Erfahrung, Gelassenheit und Geduld vermittelt. Louis van Gaal weiß, was er will. Wir werden uns über Zu- und Abgänge Gedanken machen, damit wir nächste Saison eine Mannschaft auf dem Platz haben, die wettbewerbsfähig ist.

„Wettbewerbsfähig“?

Rummenigge: Das oberste Ziel bleibt die deutsche Meisterschaft und in den anderen beiden Wettbewerben wollen wir eine gute Rolle spielen.

Wird in den Gesprächen mit van Gaal das Engagement von Hermann Gerland als Co-Trainer fixiert?

Rummenigge: Es ist klar, dass Louis seine zwei bis drei Leute aus Holland mitbringt. Und er macht sich Gedanken über einen deutschen Assistenztrainer. Er möchte Gerland kennenlernen, es wird zu Beginn der nächsten Woche ein Gespräch geben. Dann werden wir in Kürze eine Entscheidung bekanntgeben – weil davon ja auch die zukünftigen Aufgaben von Mehmet Scholl abhängig sind.

Von Scholli zu Schweini: Zuletzt übte Uli Hoeneß heftige Kritik an Bastian Schweinsteiger. Zurecht?

Rummenigge: Wir sollten solche Einschätzungen dem Trainer überlassen. Natürlich kann Bastian mehr, als er diese Saison gezeigt hat. Ich weiß, dass der Uli die Spieler gerne mal reizt, oft sind ja auch Verbesserungen eingetreten – weil das geschriebene Wort für einige wohl mehr Wirkung hat.

Bleibt Schweinsteiger definitiv beim FC Bayern?

Rummenigge: Das war ja nicht in Frage gestellt.

Und Toni?

Rummenigge: Wir sollten etwas relaxter mit den Dingen umgehen. Wir befassen uns nicht mit einem Abgang von Luca. Er hat noch Vertrag und wir haben vier fantastische Stürmer.

Können Sie versprechen, dass Ribéry nächstes Jahr noch im Bayern-Trikot aufläuft?

Rummenigge: Ich muss sagen, dass wir mit diesem Thema sehr entspannt umgehen. Franck hat noch zwei Jahre Vertrag. Egal, welche Spekulationen es gibt, wie viele Millionen geboten werden: Am Ende entscheidet nur der FC Bayern. Wir haben unsere Meinung kundgetan: Wir möchten Franck nicht abgeben. Ich lese die angeblichen Angebote in den Zeitungen sehr entspannt und amüsiert.

Trotzdem bezeichnet es Uli Hoeneß als „Traum, wenn Franck bliebe“. Wird es noch ein harter Kampf um Ribéry?

Rummenigge: Warum ein Kampf? Ich kann Ihnen eines sagen: Unser großer Vorteil ist, dass die Entscheidung ganz allein in unser Hand liegt. Es gibt nicht wie bei Mario Gomez eine Klausel, wo sich der Spieler entscheiden kann.

Bei der Torwart-Suche hat sich der Verein auf Manuel Neuer als Favoriten festgelegt.

Rummenigge: Manuel Neuer ist ein guter Torwart. Aber sollte der Transfer nicht klappen, dann klappt er nun mal nicht. Es gibt in Europa ausreichend Qualität an guten Torhütern.

Die Torwartfrage war ein großes Thema unter Klinsmann. Ist eine Einigung in Sachen Abfindung mit dem Ex-Trainer ins Sicht?

Rummenigge: Wir haben seit längerer Zeit keinen Kontakt gehabt. Ich glaube, es muss ein bisschen Zeit vergehen, bis sich die Situation beruhigt hat.

Interview: Tobias Altschäffl

Quelle: tz

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