„Ich ziehe nicht ins Hoeneß-Büro“

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Christian Nerlinger besticht durch Kompetenz und Bescheidenheit.

Interview mit Christian Nerlinger , dem künftigen Sportdirektor des FC Bayern.

Herr Nerlinger , wie läuft bei Ihnen ein normaler Arbeitstag im Moment?

Nerlinger: Es ist kein normaler Bürojob, der um acht beginnt und um 17 Uhr endet. Mein Bereich ist der sportliche, also die Lizenzspielerabteilung, Scouting und die Jugendabteilung. Bisher hat Uli Hoeneß ja zwei Bereiche abgedeckt: das Sportliche und die wirtschaftliche Seite. Das wird nun auf zwei Säulen verteilt.

Ein Fulltime-Job also?

Nerlinger: Für den FC Bayern zu arbeiten, bedeutet, nicht auf die Uhr zu schauen. Man muss immer da sein, egal ob es ein Feiertag oder ein Wochentag ist. Meine Tätigkeit ist zunächst auf drei Jahre angelegt.

 Wann haben Sie bemerkt, dass Uli Hoeneß mehr mit Ihnen plant?

Nerlinger: Das erste große Gespräch fand im Trainingslager in Dubai statt, da hat er mir gesagt, dass es mehrere Denkmodelle gibt und ich ein Teil davon bin. Es hat sich so entwickelt, dass ich immer mehr Verantwortung übernehmen durfte. Uli Hoeneß hat mir in den letzten Wochen auch klipp und klar gesagt, dass ich dafür vorgesehen bin.

Haben Sie damit gerechnet?

Nerlinger: Als ich zu Bayern gekommen bin, war das für mich unvorstellbar. Aber ich stand immer in sehr engem Kontakt zum Manager. Es herrscht eine sehr gute zwischenmenschliche Ebene. Dass er jetzt sagt, ich bin der Mann für den sportlichen Bereich, erfüllt mich mit wahnsinnigem Stolz.

So luxuriös ist das Leistungszentrum der Bayern

Das ging von Null auf Hundert…

Nerlinger: Die Entwicklung war sehr überraschend, klar. Das Schöne ist, dass ich keinen Druck verspüre. Das liegt an der Person Hoeneß aber auch an Rummenigge und Hopfner, die den Druck von mir nehmen. Es ist ein sehr angenehmes Arbeiten. Ich freue mich auf die Zukunft.

Wie wichtig ist es Uli Hoeneß als Ratgeber zu haben?

Nerlinger: Ab 1. Juli steht mir Uli Hoeneß mit Rat und Tat zur Seite. Ich bin in einem Entwicklungsprozess in dem ich Verantwortung übernehmen will und muss. Alles Hand in Hand mit Uli Hoeneß . Er wird Aufsichtsratsvorsitzender, aber er wird mein Ratgeber bleiben. Das ist von unschätzbarem Wert. Er ist der Beste in der Branche. Wir treffen die Entscheidungen zusammen und einstimmig.

Was war nach Dubai?

Nerlinger: Ich war danach auf wichtigen Terminen dabei. Wir hatten ja eine turbulente Saison. Nach den Geschehnissen der vergangenen Monate hatte ich das Gefühl mitentscheiden zu dürfen, das ist einzigartig.

Dabei sind Sie groteskerweise der Einzige der Klinsmann dankbar sein muss – er hat Sie geholt.

Nerlinger: Natürlich. Ich bin ihm auch dankbar. Die Initiative ging von Jürgen aus. Dass die Entwicklung so lief, dass Platz zwei gefährdet war, ist sehr traurig. Da musste Bayern reagieren. Aber ich fände es schön, wenn es mit Jürgen ein Abschlussgespräch gäbe, damit das Nachkarten ein Ende hätte.

Auch an der Trainersuche waren Sie beteiligt.

Nerlinger: Ich war von Anfang an van-Gaal-Befürworter. Er ist Begründer der Ajax-Schule, hatte Mourinho als Co-Trainer und der schwärmt von seinem Lehrmeister. Das wird ein erfolgreiches Zusammenarbeiten.

H at Uli Hoeneß immer das letzte Wort?

Nerlinger: Er vertritt nicht die Aus-Basta-Politik. Er ist hier aber natürlich ein sehr starker Mann und wird das immer bleiben. Er hat eine große Präsenz aufgebaut, er ist nicht kopierbar. Das will ich auch gar nicht, ich muss nicht das Gesicht des FC Bayern werden.

Was wird Sie charakterisieren?

Nerlinger: Ich muss den Club nicht revolutionieren. Aber wo Verbesserungspotenzial ist, da möchte ich ansetzen. Der sportliche Erfolg ist ausschlaggebend und wenn es nicht läuft, dann hält man den Kopf hin. Eins ist klar: Wir müssen kurzfristig Erfolg haben, die Mannschaft muss vom ersten Spieltag an funktionieren! Wir müssen die Bundesliga dominieren! Das ist unser Anspruch.

Werden Sie in Uli Hoeneß’ Büro ziehen?

 Nerlinger: Nein.

Interview: Jan Janssen

Quelle: tz

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