Die Schuld an seinem Scheitern sucht der Ex-Coach bei den Medien

Klinsmann tritt nach: „Unwürdige Hetzjagd“

Ex-Trainer Jürgen Klinsmann als Gast von Günter Jauch: Nachtreten gegen Bosse und Spieler
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Ex-Trainer Jürgen Klinsmann als Gast von Günter Jauch: Nachtreten gegen Bosse und Spieler

München - Nach seinem Rauswurf als Bayern-Trainer am 27. April tauchte Jürgen Klinsmann unter. Keine Interviews, keine Fotos, keine öffentlichen Auftritte. Er verschwand.

Jetzt, 23 Tage nach seiner Entlassung, gab Klinsi sein erstes Interview – und ließ an einem keinen Zweifel: Schuld an seinem Scheitern waren alle – außer ihm. Das hörte sich dann so an: „Eigentlich haben wir einen sehr guten Job gemacht.“ Oder so: „Die Ansatzpunkte waren und sind genau die richtigen. Es bedarf allerdings ein wenig Geduld und eines langen Atems“, sagte Klinsmann. Er habe einfach nur zu wenig Zeit gehabt. Und dass das so war, daran waren die Medien Schuld – natürlich. „Es wurden Themen geschürt von Leuten außerhalb des Klubs. Vielen ist einfach Sepp Maier und Oliver Kahn hängen geblieben. Das wurde medial geschürt. Bösartig und kontinuierlich. Das war in den letzten zwei, drei Monaten eine unwürdige Hetzjagd“, so Klinsi. Von Selbstkritik keine Spur. „Mir wurden Dinge angekreidet, für die ich nichts konnte. Es gab etwa Kritik an den Trainingseinheiten, die nicht öffentlich sein sollten. Dabei gab es bei mir so viele öffentliche Einheiten wie unter Hitzfeld zuvor nicht“, behauptet er.

Wie schlecht war Klinsmann wirklich?

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Jürgen Klinsmann muss die Konsequenzen tragen: Der Bayern-Trainer ist gefeuert! Doch wie schlecht schnitt er wirklich ab? Hier sehen Sie den Vergleich mit seinen Vorgängern. © AP
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So hat tz-online.de gerechnet. In der Champions League gibt es für den Titel 10 Punkte, fürs Finale 7, fürs Halbfinale 4, fürs Viertelfinale 2, fürs Achtelfinale 1 Punkt (UEFA-Cup jeweils die Hälfte). In der Meisterschaft für den Titel 7 Punkte, für Platz zwei 4 Punkte, für Platz drei 2 Punkte, für Platz vier 1 Punkte. Im DFB-Pokal gibt es für den Titel 4 Punkte, fürs Finale 2 Punkte, fürs Halbfinale 1 Punkt. Für ein schlechteres Abschneiden (Dass der FCB hohe Ziele hat, ist bekannt) jeweils keinen Punkt. © dpa
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Welche der vergangenen 20 Spielzeiten war wie gut? Wo landet Klinsmann? Klicken Sie sich durch! © dpa
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Platz 1: Die Saison 2000/2001 unter Ottmar Hitzfeld - Rang 1 in der Liga, Titel in der Champions League = Punkte gesamt: 17 © dpa
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Platz 2: 1998/1999 unter Ottmar Hitzfeld - Rang 1 in der Liga, Finale in der Champions League, Finale im DFB-Pokal = Punkte gesamt: 16 © dpa
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Platz 3: 1999/2000 unter Ottmar Hitzfeld - Rang 1 in der Liga, Halbfinale in der Champions League, Sieg im DFB-Pokal = Punkte gesamt: 15 © dpa
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Platz 4: 2007/2008 unter Ottmar Hitzfeld - Rang 1 in der Liga, Halbfinale im UEFA-Cup, Sieg im DFB-Pokal = Punkte gesamt: 13 © dpa
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und punktgleich die Saison 2004/2005 unter Felix Magath - Rang 1 in der Liga, Viertelfinale in der Champions League, Sieg im DFB-Pokal = Punkte gesamt: 13 © dpa
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Platz 6: Die Saison 2005/2006 unter Felix Magath - Rang 1 in der Liga, Achtelfinale in der Champions League, Sieg im DFB-Pokal = Punkte gesamt: 12 © AP
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Platz 7: Die Saison 1989/1990 unter Jupp Heynckes - Rang 1 in der Liga, Halbfinale in der Champions League = Punkte gesamt: 11 © AP
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und punktgleich Die Saison 2002/2003 unter Ottmar Hitzfeld - Rang 1 in der Liga, - in der Champions League, Sieg im DFB-Pokal = Punkte gesamt: 11 © AP
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Platz 9: Die Saison 1997/1998 unter Giovanni Trappatoni - Rang 2 in der Liga, Viertelfinale in der Champions League, Sieg im DFB-Pokal = Punkte gesamt: 10 © dpa
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Platz 10: Die Saison 1995/1996 unter Otto Rehagel / Franz Beckenbauer (Foto v.r.) / Klaus Augenthaler - Rang 2 in der Liga, UEFA-Cup-Sieg = Punkte gesamt: 9 © dpa
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Platz 11: Die Saison 1990/1991 unter Jupp Heynckes - Rang 2 in der Liga, Halbfinale in der Champions League = Punkte gesamt: 8 © AP
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Platz 12: Die Saison 1993/1994 unter Erich Ribbeck / Franz Beckenbauer (Foto) - Rang 1 in der Liga, - in der Champions League = Punkte gesamt: 7 © dpa
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und punktgleich Die Saison 1996/1997 unter Giovanni Trappatoni - Rang 1 in der Liga, - in der Champions League = Punkte gesamt: 7 © dpa
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Platz 14: Die Saison 2003/2004 unter Ottmar Hitzfeld - Rang 2 in der Liga, Achtelfinale in der Champions League = Punkte gesamt: 5 © AP
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Platz 15: Die Saison 2001/2002 unter Ottmar Hitzfeld - Rang 3 in der Liga, Viertelfinale in der Champions League, Halbfinale im DFB-Pokal = Punkte gesamt: 5 © AP
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Platz 16: Die Saison 2008/2009 unter Jürgen Klinsmann - Rang 3 in der Liga, Viertelfinale in der Champions League = Punkte gesamt: 4 © dpa
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und punktgleich die Saison 1994/1995 unter Giovanni Trappatoni - Rang 6 in der Liga, Halbfinale in der Champions League = Punkte gesamt: 4 © AP
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und punktgleich Die Saison 1992/1993 unter Erich Ribbeck - Rang 2 in der Liga, - in der Champions League = Punkte gesamt: 4 © AP
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Platz 19: Die Saison 2006/2007 unter Felix Magath (Foto) / Ottmar Hitzfeld - Rang 4 in der Liga, Viertelfinale in der Champions League = Punkte gesamt: 3 © dpa
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Platz 20: Die Saison 1991/1992 unter Jupp Heynckes / Sören Lerby (Foto) / Erich Ribbeck - Rang 10 in der Liga, - in der Champions League = Punkte gesamt: 0 © dpa
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Unter Klinsmann spielten die Bayern also bislang tatsächlich eine schlechte Saison. Das bekam jetzt auch Jürgen Klinsmann zu spüren. © dpa

Eine Meinung, die Klinsmann exklusiv hat. Und den einzigen Fehler, den er sich selbst ankreidet – „Ich hätte von Anfang an auf drei, vier neuen Spielern bestehen müssen“ –, den haben im Grunde ja auch die Bosse zu verantworten. So ist der verhinderte Erfolgstrainer weiterhin der Meinung: „Ich hätte die Mannschaft zur Meisterschaft führen können.“

Außer ihm glaubte das bei Bayern aber niemand. Mit Lukas Podolski ging Klinsmann besonders hart ins Gericht. „Ich denke, er ist nicht der Typ, der sich im Haifischbecken FC Bayern durchsetzen kann und möchte. Er hat unter Magath nicht gespielt, unter Hitzfeld nicht gespielt, unter mir nicht gespielt – weil er Miro Klose und Luca Toni nicht das Wasser reichen konnte“, sagte Klinsmann.

Eine schöne Watschn für Poldi! Der reagierte gelassen. Ob er denn Stern-TV gesehen habe? „Ja. Schöne Sendung, mit der Giraffe und so – und Calli.“ Bei Jauch ging es auch um eine Giraffengeburt und den Halbmarathon von Reiner Calmund. Auch Mark van Bommel sah sich den Auftritt seines Ex-Trainers an. Sein Kommentar: „Jeder hat seine eigene Sicht auf die Situation, die Erlebnisse, die Ideen. Fakt ist: Wir haben einen guten Kader, aber die Ziele nicht erreicht. Daran waren alle beteiligt.“

Weil Klinsis Beteiligung aber nun nicht mehr erwünscht ist, macht er erst mal Pause. Er werde sich „zurückziehen und überlegen, was für ein Schritt kommen könnte“. Immerhin habe er so viel ja nicht falsch gemacht. „Ich habe beim FC Bayern eine Arbeit gemacht, auf die van Gaal aufbauen kann – auch wenn einige das anders darstellen. Er kann jetzt die Schlüsse ziehen, die ich nicht mehr ziehen durfte – sprich einige Spieler verabschieden und neue zu holen. Ich bin überzeugt, wenn wir das durchgezogen hätten, dann wäre einiges abgehoben nächstes Jahr.“

tz

Quelle: tz

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