Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern spricht

Rummenigge im tz-Interview: „Darauf sind wir stolz“

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Karl-Heinz Rummenigge ist stolz auf die Jugendarbeit der Bayern: „Wir kaufen nicht nur, wir bilden auch selbst aus.“

München - Im tz-Interview spricht Karl-Heinz Rummenigge über die Erleichterung nach der Robben-Diagnose, über das Juve-Spiel, über die neuen Youngster, über Mario Gomez und über die Transferpolitik.

Es vergingen bange Stunden am Donnerstag. Dann stand die Diagnose fest. „Nur“ eine Schleimhautfalte im Knie, die entfernt werden muss. Wie froh sind Sie, dass bei Robben nicht mehr kaputt ist, Herr Rummenigge?

Karl-Heinz Rummenigge: Ich habe Mittwochnacht, als ich nach Hause gefahren bin, gedacht: Hoffentlich ist es nichts Schlimmes! Jetzt haben wir die Nachricht bekommen, dass er möglicherweise nur gegen Köln ausfällt. Wir sind unglücklich, dass er verletzt ist – schon gegen Juventus hat man gesehen, dass uns damit eine wichtige Waffe fehlt. Aber wir haben Glück im Unglück gehabt. Eine schwere Verletzung wäre fatal gewesen.

Wie gut konnten Sie nach dem starken, aber torlosen Spiel gegen Juventus schlafen?

Rummenigge: Gut. Denn wir hätten ohne Frage gewinnen können, wir waren die bessere Mannschaft. Es war wichtig, dass die Mannschaft gezeigt hat, welche Qualitäten sie hat. Das Einzige, was es zu bemängeln gibt, ist die Chancenauswertung. Die mangelnde Kaltschnäuzigkeit war in den letzten zwei Spielen leider ein wichtiger Fakt, wieso wir sieglos geblieben sind.

Vorne wurde gewirbelt, hinten stand die Mannschaft sicher. Hat das Spiel gegen Juve gezeigt, dass die Einkaufspolitik richtig war?

Rummenigge: Ich habe mich von der ganzen Kritik sowieso nicht irritieren lassen. Wenn Dinge neu gemacht werden, muss man auch ein bisschen Geduld haben – und wir haben sie. Man sieht auch bei unserer Abwehr, dass Daniel van Buyten auf sehr gutem Niveau ist – und ein Holger Badstuber wird offenbar sogar schon von Joachim Löw beo­bachtet, ob er ein Spieler für die WM 2010 ist.

Ist das verfrüht oder nur ein schönes Lob?

Rummenigge: Er hat es sich verdient. Das Einzige, was ich mit Sorge beobachte, ist diese Öffentlichkeitslawine, die auf Badstuber und Müller zuläuft. Wir müssen aufpassen, dass das nicht kontraproduktiv wird und beide, wo’s möglich ist, ein bisschen aus dem Verkehr ziehen.

Neben Badstuber und Müller standen gegen Turin mit Ottl, Schweinsteiger und Lahm insgesamt fünf Eigengewächse in der Startelf. Zufall oder Trend?

Rummenigge: Ich glaube, die tz ist das erste Medium, dem das überhaupt aufgefallen ist. Wir haben immer gesagt, dass wir ein Zwei-Säulen-System haben. Die eine Säule sind die Stars, Robben, Ribéry, die wir verpflichten wollen und müssen. Auf der anderen Seite haben wir in den letzten Jahren kontinuierlich gute Nachwuchsarbeit geleistet. Jetzt profitieren wir mit Spielern wie Badstuber oder Müller. Wir kaufen nicht nur, wir bilden auch selbst aus. ­Darauf sind wir stolz, das ist ein ganz wichtiges Zeichen.

Hat Ribéry mit seinem Auftritt gegen Juve den nächsten Schritt auf dem Weg zum weltbesten Fußballer gemacht?

Rummenigge: Wir hätten es uns leicht machen und Franck für viel Geld verkaufen können. Aber das wollten wir nicht. Wir wussten, dass er ein ganz außergewöhnlicher Spieler ist. Wir sind sehr, sehr glücklich und stolz, dass Franck beim FC Bayern spielt. Der Auftritt gegen Juventus war eine Weltklasse-Leistung – von einem Spieler des FC Bayern, nicht von Real oder Chelsea. Darauf können alle Bayern-Fans stolz sein.

Das Duell gegen Diego hat er jedenfalls klar gewonnen…

Rummenigge: Franck gehört zu den fünf besten Spielern der Welt. Wir hatten hier ja schon früher Spieler, die Europas Fußballer des Jahres wurden: einen Franz Beckenbauer, Gerd Müller, ich selbst bin es mal gewesen. Ich traue Ribéry zu, dass er ein Spieler ist, der im Trikot des FC Bayern zu Europas Fußballer des Jahres gewähl wird.

Ribéry ist Teil des neuen Highspeed-Angriffs. Wie bringt man in die ständige Stürmerdiskussion Ruhe?

Rummenigge: Das ist ein schwieriges Kapitel. Unser 4-3-3-System mit nur einer Mittelstürmerposition bringt möglicherweise Diskussionen und Unruhe. Damit müssen wir und speziell der Trainer und die vier Stürmer seriös umgehen. Ich kann mir vorstellen, dass der ein oder andere jetzt schon unruhig ist. Aber das nützt nichts. Alle werden Geduld aufbringen müssen – und alle haben die Entscheidungen des Trainers zu akzeptieren.

Sprechen Sie als Ex-Stürmer selbst mit Gomez?

Rummenigge: Natürlich werde ich auch mit dem einen oder anderen Stürmer sprechen. Es geht für uns ja darum, den Spieler zu unterstützen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es in einer Mannschaft zwei Positionen gibt, die einen Sonderstatus haben: Torwart und Mittelstürmer. Beide brauchen Selbstvertrauen und Unterstützung. Die kriegen sie von uns allen.

Hat sich nach Ihrem Rüffel etwas im Denken bei Mario Gomez geändert?

Rummenigge: Ich muss sagen, dass ich Mario nicht kritisieren, sondern ihm helfen wollte. Was ihn beim FC Bayern erwartet, ist einfach eine andere Veranstaltung als in Stuttgart. Gegen Bayern gibt jede Mannschaft über 100 Prozent – das war sicher in Stuttgart nicht immer der Fall. Daran muss sich Mario Gomez erst gewöhnen. Diese Geduld werden wir alle aufbringen müssen. Jetzt liegt es an Mario.

Muss sich an seinem Charakter etwas ändern?

Rummenigge: Nein, Mario ist charakterlich absolut in Ordnung und hat höchste Qualitäten als Stürmer. Ich hoffe, dass es schnell in die Richtung geht, die er sich selbst auch wünscht.

Die englischen Wochen gehen am Samstag gegen Köln weiter.

Rummenigge: Es ist wichtig, dass wir gegen Köln gewinnen. Wir haben eine Situation in der Tabelle, die es uns nicht erlaubt, Punkte liegen zu lassen. Wir müssen jetzt in den nächsten Wochen wie die Eichhörnchen Punkt für Punkt sammeln. Die Tabelle verzeiht keine Ausrutscher mehr.

Interview: ta

Quelle: tz

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