Löw im tz-Interview: So sehe ich die Bayern

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Joachim Löw bleibt dem DFB bis 2014 erhalten

München - Im tz-Interview spricht Joachim Löw nicht nur über die Nationalelf, sondern auch über Kontakte zum FC Bayern, über Louis van Gaal, Arjen Robben und Franck Ribéry.

Herr Löw, zunächst herzlichen Glückwunsch zur Vertragsverlängerung. Warum ging die Einigung nun schneller als beim letzten Mal?

Löw: Weil es eigentlich gar nichts zu besprechen gab, nichts Inhaltliches. Mit dem letzten Vertrag haben wir ja alles geklärt, was uns wichtig ist. Daher war es für uns selbstverständlich, das so zu übernehmen und fortzusetzen. Nach einer halben Stunde war alles erledigt.

Würden Sie Uli Hoeneß widersprechen, der sagte, Bayern-Trainer zu sein, sei das Schönste auf der Welt?

Löw: Ich bin jetzt acht Jahre beim DFB und ich sehe bei uns in den letzten vier Jahren viele Fortschritte im fußballerischen Bereich, beim Einbau junger Spieler. Von daher ist es für mich persönlich das Schönste auf der Welt, Bundestrainer zu sein.

Welche Rolle hat bei der Verlängerung das angebliche Interesse der Bayern gespielt?

Löw: Gar keine, weil die Gespräche mit dem DFB schon vorher liefen und weil es kein Angebot von den Bayern gab.

Gab es denn Kontakt?

Löw: Natürlich habe ich regelmäßig Kontakte mit Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Christian Nerlinger. Aber da geht es nur um Abstellungen der Münchner für die Nationalmannschaft. Es gab keine konkreten Gespräche über die Trainerstelle bei den Bayern.

 

Hätten Sie es sich denn vorstellen können nach der EM 2012 zu Bayern zu gehen?

Löw: Ich kann mich da nur wiederholen: Für mich ist es etwas ganz Besonderes, die Nationalmannschaft zu trainieren. Und unmittelbar nach einer EM einen Verein zu übernehmen, wäre nicht in meinem Sinne oder im Sinne eines Vereins, denn diese Turniere gehen ja bis in die Saisonvorbereitung hinein. Von daher war das kein Thema. Und die WM in Brasilien ist natürlich auch eine riesige Motivation.

Wäre der EM-Titel 2012 ein Grund, beim DFB aufzuhören oder wäre das nur eine Vorstufe für den WM-Titel?

Löw: Die Mannschaft wird immer reifer. 2006 und 2008 waren wir schon am Titelgewinn nahe dran, 2010 waren wir dann ganz nahe dran. Das ist Teil der Entwicklung. Daher ist eine EM auch eine Zwischenstation zur WM. Der Stellenwert einer WM ist einfach noch größer. Und ich sehe für unser Team nach 2012 weitere Entwicklungsmöglichkeiten.

Sie haben Michael Ballack nicht nominiert. Warum?

Löw: Zu Michael Ballack ist alles gesagt. Das ist jetzt nicht das Thema.

Ist denkbar, dass das Brasilien-Spiel im August sein Abschiedsspiel wird?

Löw: Das ist Spekulation. Darüber ist geschrieben, aber intern nicht gesprochen worden. Ich möchte erst mit Michael sprechen, in der zweiten März-Hälfte oder Anfang April. Wichtig ist, dass er gesund und belastbar wird. Über irgendwelche Dinge, die spekuliert wurden, äußere ich mich nicht.

Wollen Sie die Verjüngung der Mannschaft fortführen?

Löw: Ich mache die Nominierung nicht vom Alter abhängig. Aber wir haben eben Spieler wie die Benders, Kroos, Boateng, Götze. Die wollen wir nach und nach auf ein höheres Niveau heben, das würde unserer Mannschaft gut tun. Nicht wegen des Alters, sondern wegen ihrer Qualität. Und diese Spieler können 2012 und 2014 ganz wichtig für uns werden.

Wie bitter war es für die Bayern, gegen Inter auszuscheiden?

Löw: Das war schon sehr bitter. Vor allem, weil sie eine Stunde lang einen Fußball gezeigt haben, der viel Freude gemacht hat, der offensiv war. Da hat Bayern den Champions-League-Sieger Inter Mailand beherrscht wie selten zuvor. Mit einer Leistung wie in den ersten 60 Minuten hätten die Bayern ja durchaus die Chance gehabt, bis ins Finale vorzustoßen. Aber dann hat man wieder einmal gesehen, wie grausam Fußball sein kann.

Ist Louis van Gaal an seiner Persönlichkeit gescheitert?

Löw: Das kann ich nicht beurteilen. Das sind ja Dinge, die intern eine Rolle spielen. Man hat sich nun entschieden, dass sich die Wege am Saisonende trennen. So enttäuschend die vergangenen Wochen für alle waren, trotzdem hat seine Arbeit auch Früchte getragen: Unter ihm hat Bayern einen eigenen Spielstil entwickelt, er hat junge Spieler eingebaut, die heute für die Bayern großen Wert haben: Das war sehr gut, was er da gemacht hat.

Befürchten Sie, dass Robben und Ribéry gehen könnten, wenn Bayern nur in der Europa League spielt?

Löw: Auch ein Robben oder Ribéry verlassen Bayern nicht einfach so. Sie fühlen sich wohl und sie haben ja auch Verträge. Selbst wenn so ein Jahr wie jetzt schwer zu akzeptieren ist: Dennoch garantieren die Bayern ja über einen langen Zeitraum immer Titelgewinne. Bayern zählt nach wie vor zu Europas Topvereinen, wirtschaftlich und sportlich. Sie sind seit vielen, vielen Jahren die Lokomotive der Bundesliga in Europa.

Interview: Jan Janssen

Die Eckdaten der Bundestrainer-Ära Jogi Löw

30.07.2004: Zum 40. Geburtstag schenkt der DFB Bundestrainer Jürgen Klinsmann die Verpflichtung seines Favoriten Joachim Löw als Co-Trainer. Die “Schwaben-Connection“ ist perfekt. “Er ist für mich alles andere als ein Hütchenaufsteller“, sagt Klinsmann über Löw.  © Getty
12.07.2006: Nach dem Rücktritt des “ausgebrannten“ Klinsmann wird Löw zum Chef der Nationalelf befördert. Der 46-Jährige bekommt einen Zweijahresvertrag und sagt: “Wir wollen Europameister 2008 werden.“  © Getty
16.08.2006: Löws Bundestrainer-Premiere wird in Gelsenkirchen zum rauschenden Fest - 3:0-Sieg beim Test gegen Schweden.  © Getty
06.09.2006: Der höchste Sieg in der Amtszeit von Löw: 13:0 gegen Fußball-Zwerg San Marino vor nur 5019 Zuschauern in Serravalle.  © Getty
28.03.2007: Erste, unbedeutende Niederlage im 9. Spiel: 0:1 gegen Dänemark beim Debütanten-Ball mit sechs DFB-Neulingen in Duisburg.  © Getty
13.10.2007: Schon im viertletzten Qualifikationsspiel löst Löw mit einem 0:0 in Irland das Ticket für die EM 2008.  © Getty
16.05.2008: Bei der Nominierung des EM-Kaders auf der Zugspitze sorgt Löw für Paukenschläge. Er bootet im Tor Timo Hildebrand aus, holt dafür René Adler und beruft 26 Akteure. Marko Marin, Jermaine Jones und Patrick Helmes schickt er nach der Vorbereitung nach Hause.  © Getty
16.06.2008: Beim 1:0 im Vorrunden-Finale gegen Österreich wird Löw auf die Tribüne verwiesen. Ballacks Freistoß-Tor bejubelt er dort.  © Getty
29.06.2008: Geplatzter Titeltraum. Spanien gewinnt durch ein Tor von Torres das EM-Finale in Wien mit 1:0. “Man muss die Qualität der Spanier anerkennen“, erklärt Löw als fairer Verlierer.  © Getty
08.08.2009: Löw startet den Umbruch. 40 Tage nach dem verlorenen EM-Finale beendet Torhüter Jens Lehmann seine Länderspiel-Karriere.  © Getty
11.10.2008: Deutschland siegt 2:1 im WM-Quali-Gipfel gegen Russland. Reservist Kevin Kuranyi flüchtet zur Halbzeit aus dem Stadion in Dortmund. Am Tag danach verbannt Löw den Schalker aus dem DFB-Team.  © Getty
31.10.2008: Löw und Ballack schließen nach einem Streit Frieden. Der Kapitän hatte den Führungsstil des Bundestrainers kritisiert und sich für seinen Kumpel Frings stark gemacht. “Dafür habe ich mich bei Joachim Löw entschuldigt“, sagt Ballack. Der Kapitän darf bleiben.  © Getty
10.10.2009: Trotz Platzverweis für Debütant Jérome Boateng gewinnt die DFB-Elf das “Endspiel“ in Moskau gegen Russland dank Klose 1:0. Das WM-Ticket ist gelöst, Löw lobt das “Sieger-Gen“ der Spieler.  © Getty
10.11.2009: Der Selbstmord von Torhüter Robert Enke versetzt die Nationalelf in einen Schockzustand. Das geplante Länderspiel gegen Chile in Köln wird abgesagt. “Ich denke, wir hätten Robert nicht von seinem Vorhaben abbringen können“, sagt Löw nach Tagen der Trauer.  © Getty
17.12.2009: Auf einer Israel-Reise verkündet DFB-Chef Zwanziger einen Handschlag-Vertrag mit Löw bis zur Europameisterschaft 2012 - selbst der Bundestrainer wird davon überrascht.  © Getty
04.02.2010: Der Handschlag-Vertrag ist null und nichtig. Der DFB lehnt Löws und Bierhoffs Forderungen ab. Es kommt zum Zerwürfnis.  © Getty
09.02.2010: Eiszeit beendet - in Frankfurt schließen Löw, Zwanziger & Co. WM-Frieden. “Was sind wir Hornochsen“, sagt Generalsekretär Wolfgang Niersbach nach dem schädlichen öffentlichen Streit.  © Getty
06.05.2010: Löw beruft 27 Akteure in den vorläufigen WM-Kader und überrascht mit den beiden Länderspiel-Neulingen Badstuber und Aogo. Als dritter Torwart darf nach Adlers Verletzung Jörg Butt mit.  © Getty
17.05.2010: Das Ballack-Aus für die WM. “Wir waren geschockt, keine Frage“, sagt Löw. Der Kapitän fällt wegen einer Fußverletzung aus.  © Getty
28.05.2010: Löw ernennt Philipp Lahm zum WM-Kapitän und Manuel Neuer zur Nummer 1. Tim Wiese ist der Verlierer im Torhüter-Duell.  © Getty
13.06.2010: 4:0 - ein WM-Traumstart gegen Australien. Es folgen ein 0:1 gegen Serbien und ein 1:0 gegen Ghana. Dann die Höhepunkte: Im Achtelfinale 4:1 gegen England, danach 4:0 gegen Argentinien.  © Getty
07.07.2010: Löw ist “traurig und enttäuscht“. Wieder ein 0:1 gegen Spanien, im Halbfinale platzt der Traum vom 4. deutschen WM-Titel.  © Getty
10.07.2010: Bronzenes Ende: 3:2 im Spiel um Platz 3 gegen Uruguay.  © Getty
20.07.2010: Neun Tage nach dem WM-Abpfiff verlängern Löw, Manager Bierhoff, Co-Trainer Flick und Torwart-Coach Köpke ihre Verträge.  © Getty
03.09.2010: Mit einem 1:0-Sieg in Belgien gelingt der Start in die Qualifikation für die EM 2012. Es folgen drei weitere Siege gegen Aserbaidschan (6:1), Türkei (3:0) und in Kasachstan (3:0). Damit liegt Deutschland als Tabellenführer klar auf EM-Kurs.  © Getty
15.03.2011: Der DFB verlängert vorzeitig die Verträge mit Cheftrainer Löw, Manager Bierhoff, Co-Trainer Flick und Torwartcoach Köpke vorzeitig um zwei Jahre bis zur WM 2014 in Brasilien.  © Getty
11.10.2011: Die deutsche Nationalmannschaft qualifiziert sich unter Bundestrainer Jogi Löw mit zehn Siegen in zehn Spielen für die EM 2012 in Polen und der Ukraine. So etwas hatte zuvor noch kein deutsches Team geschafft.  © dpa

Quelle: tz

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