Bayern-Legende Willy Sagnol im großen tz-Interview

„Das Theater hat Franck geschadet“

Willy Sagnol
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Willy Sagnol

München - Am 2. Februar gab er seinen Rücktritt bekannt – doch bei den Bayern-Fans ist Willliiiii Sagnol unvergessen. Das tz-Interview:

Hallo, Herr Sagnol, wie geht es Ihnen?

Sagnol: Sehr gut, danke.

Wie sieht Ihr Leben momentan aus?

Sagnol: Ich bin in Südfrankreich, arbeite fürs französische Fernsehen und ab Oktober gehe ich auf die Universität, um mich in Sachen Fußball-Management weiterzubilden.

Wie ist das Leben ohne Fußball?

Sagnol: Mein Leben verbringe ich jetzt mehr mit meinem Sohn. Im Moment fehlt mir der Sport nicht. Vielleicht kommt das irgendwann. Aber ich war ja seit Juli 2008 verletzt und hatte viel Zeit, um mich an die Beendigung meiner Karriere zu gewöhnen. Außerdem lebt es sich hier wunderbar. Seit Ende Mai hat es hier höchstens zehn Minuten geregnet. Die Regel sind Temperaturen von 30 bis 35 Grad.

Das ist ja auch die bevorzugte Urlaubsgegend von Uli Hoeneß. Haben Sie sich getroffen?

Sagnol: Ja, wir haben hier im Sommer gemeinsam gegessen und stehen in regelmäßigem Kontakt.

Er sitzt jetzt auf der Tribüne, nicht mehr auf der Bank.

Sagnol: Ziemlich komisch. Man kennt die Bayern-Bank nur mit Uli Hoeneß. Und ich weiß auch nicht, ob er da oben sitzen bleibt. Ich glaube, er wird den Platz da unten irgendwann vermissen.

Vermissen Sie eigentlich München?

Sagnol: Klar. Ich habe geplant, auf das Oktoberfest zu gehen. Ansonsten suche ich gerade eine Wohnung oder ein Haus. Wir wollen ab und zu München besuchen und nicht immer ins Hotel müssen. Meine alte Münchener Wohnung ist außerdem in guten Händen.

Ja?

Sagnol: Ich habe drei Jahre in einer tollen Wohnung am Viktualienmarkt gewohnt, in die nun Bastian Schweinsteiger gezogen ist.

Haben Sie konkrete Zukunftspläne?

Sagnol: Ich möchte mir zwei Jahre Ruhe gönnen und mich weiterbilden. Manager oder Trainer kann man nicht von heute auf morgen werden.

Würden Sie lieber in Deutschland oder Frankreich arbeiten?

Sagnol: Das ist mir egal. In Frankreich lebt es sich gut, und sollte ich in der Bundesliga einen Job finden, dann kommt nur Bayern infrage. Für einen anderen Klub kann ich nicht arbeiten.

Wie sehr verfolgen Sie Ihre Bayern und die Bundesliga?

Sagnol: Nach neun Jahren Bayern kann man das nicht einfach beiseite schieben. Ich habe Freundschaftsspiele gesehen und den Audi-Cup verfolgt.

Und wie gefällt Ihnen das neue Team?

Sagnol: Es wurde gut eingekauft. Man muss sehen, wie das funktioniert, denn seit Magath hat Bayern keinen Trainer mehr gehabt, der so viel auf Taktik achtet. Mit van Gaal scheint man jetzt wieder einen Taktik-Experten zu haben.

War Klinsmann ein einziger Fehler?

Sagnol: Es ist immer einfach, schlecht über einen entlassenen Trainer zu reden. Er hatte eben keine Erfahrung. Er wollte alles mit Teamgeist und körperlicher Arbeit richten. Und das reicht nicht immer.

Sie haben großen Anteil daran, dass der FC Bayern Ribéry verpflichten konnte. Verstehen Sie seinen Wechselwunsch zu Real?

Sagnol: Ja und nein. Ja, weil Florentino Pérez eine große Mannschaft aufbauen will und Franck ein Teil sein sollte. Er sollte sich aber alles gut überlegen. Er weiß, was er an München hat. Real ist ein Traumverein, aber es gibt dort auch viel Stress. In der Kabine, mit den Fans, mit der Presse. Für seine Entwicklung muss er noch ein oder zwei Jahre bei Bayern bleiben.

Wird er für Bayern genauso wertvoll bleiben, obwohl im Hinterkopf die Sache mit Real ist?

Sagnol: Franck ist nicht so ein Typ. Er hat nie gepokert und wird nie schlechte Laune deswegen haben. Er hat nie in einem Verein schlecht gespielt, weil er weg wollte. Er wird sein Bestes geben und muss eine große Saison spielen. Denn das Theater hat seinem Namen geschadet, und das muss er durch Leistung ausradieren.

Kann Franck den Mittelfeld-Regisseur spielen?

Sagnol: Er braucht einfach nur seine Freiheit. Er sollte nicht zu sehr defensiv gefordert werden. Ansonsten verliert er Lust und Kraft. Wenn er den Ball hat, ist er sehr gefährlich. Man sollte ihn einfach machen lassen.

Seit Ihre Zeit bei Bayern zu Ende ist, hat man auf der rechten Verteidigerposition große Probleme. Weder Christian Lell noch Massimo Oddo konnten die Lücke schließen. Zeit für Neue?

Sagnol: Ich finde Lahm besser auf links. Er kann da super Flanken, nach innen ziehen und so für Gefahr sorgen. Auf rechts ist das schwieriger für ihn.

Wie sehen Sie die Torhüter? Rensing hat das Vertrauen von van Gaal. Wird er es schaffen?

Sagnol: Er kann es schaffen. Michael ist ein guter Torwart. Ob er ein ganz Großer wird, wird sich zeigen. Was Klinsmann mit ihm gemacht hat, war ein Skandal. Ein Trainer kann so nicht mit einem Spieler umgehen. Das habe ich in meinem Leben noch nicht erlebt. Das ist nichts gegen Jörg Butt. Er hat seine Sache gut gemacht. Aber Michael ist der Mann für die Zukunft.

Lucio verkauft, Demichelis  verletzt. Reichen van Buyten, Badstuber und Breno?

Sagnol: Ich würde mir wünschen, dass Breno den Durchbruch schafft. Er ist ein guter Typ und hat viel Potenzial. Wenn ein junger Spieler aber nur zwei Spiele im Jahr macht, kann nichts aus ihm werden.

Reicht der Kader für die Champions League?

Sagnol: Wenn Bayern taktisch diszipliniert spielt, haben sie auch in Europa gute Chancen.

Gomez und Klose sind gesetzt. Können Sie sich vorstellen, dass es mit einem Luca Toni auf der Bank gut geht?

Sagnol: Ich finde Luca gut. Er muss jetzt Ruhe bewahren und dann zuschlagen. Er macht immer Tore. Er wird mit Sicherheit wieder Stammspieler.

Wer wird Meister?

Sagnol: Bayern. Sie haben die besten Spieler und einen sehr guten Trainer. Aber auch im letzten Jahr hatte Bayern die besten Spieler. Da sieht man mal, wie wichtig ein guter Trainer ist.

Interview: Mario Volpe

Quelle: tz

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