„Uuh, FC Hollywood! Hey, Chaosclub“

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Götz Otto (l.) und Thomas Darchinger bei der tz-Lektüre.

München - Eines ist gewiss nach dieser Saison: Es war keine schöne für die Münchner Vereine. Die Klinsmann-geschädigten Bayern nur Vize hinter Magath und zudem von Barcelona schwerst vermöbelt, die Löwen: schad’ um jedes Wort.

Aber kein Grund zum Verzagen. „Die Hoffnung lebt“, sagen Thomas Darchinger (46, rot) und Götz Otto (41, blau). Warum, das erklärten die beiden bekannt-beliebten Schauspieler im großen Saisonabschluss-Interview mit tz-Redakteur Ludwig Krammer.

Herr Darchinger , VW-Vorstand Martin Winterkorn hat am Samstag gesagt: „Erster Volkswagen, Zweiter Bayern, so habe ich mir das gewünscht.“ Ihr Kommentar?

Darchinger: Ich find’s überraschend ehrlich, dass der Mann so was sagt. Nicht eine Fußballmannschaft ist Meister, sondern ein Konzern. Da würde ich mir eher als Wolfsburg-Fan Gedanken machen.

Otto: Magath hat in Wolfsburg bewiesen, was möglich ist, wenn Geld und Ahnung zusammenkommen. Das würde ich mir bei 1860 auch wünschen…

Darchinger: (lacht) Ihr habt doch da so einen Berliner Immobilien-Wasweißich, oder ist das schon wieder Geschichte?

Otto: Vielleicht. Man weiß es nicht. Man weiß ja nie so recht bei 1860.

 Darchinger: Warum reden wir eigentlich schon so lange über 1860?

Mehr Disziplin, Herr Darchinger. Sie scheinen den Vize-Schmerz schnell verdaut zu haben…

Darchinger: Schmerz? Ab dem Moment, wo klar war, dass Klinsmann weg ist, war der Schmerz aus meinem Körper entwichen. Wenn wir heuer weder Klinsmann noch Lell gehabt hätten, wären wir mit 15 Punkten Vorsprung Meister geworden. Jetzt bin ich froh, dass wir Champions League spielen und nicht, wie Beckenbauer sagt, ins Stadion zwischen den Felsen müssen.

Dabei hatte es so schön begonnen mit Klinsi. Und jetzt: Obama Klinsmann, Teresa Hoeneß …

Darchinger: Bei Jauch hat Klinsmann seinen letzten Kredit verspielt. Drei Tage vor dem Saisonfinale so ein Interview zu geben, das macht man nicht. Was er sagt, ist ja eh einigermaßen irre – und der Zeitpunkt eine reine Provokation.

Otto: Ich frage mich ja, wie es soweit kommen konnte. Wusste denn keiner bei Bayern , worauf man sich da einlässt?

Darchinger: Moment, Klinsmanns Qualitäten als Architekt darf man nicht unterschätzen. Das Leistungszentrum hat er schön gebaut.

Und im Ernst?

Darchinger: Es bestand anscheinend die Hoffnung, dass hinter dem großen Gedankengebäude auch fachliche Qualität steckt. Das hat sich als fahrlässiger Irrtum erwiesen. Normal müsste man einen unfertigen Trainer wie den Klinsmann erstmal zu einem Verein wie Bochum schicken. Oder zu 1860…

Otto: Nee, wir hatten genug Lehrlinge bei 1860. Jetzt ist mit Ewald Lienen endlich einer da, der Erfahrung hat. Der hat’s 2000 geschafft, mit den Grotten-Kölnern aufzusteigen, dann schafft er das auch mit Sechzig.

Eine schlagkräftige Mannschaft würde vieles erleichtern…

Otto: Ja. Ein paar kannst du behalten. Die Torhüter, Lauth, Bierofka. Aber sonst? Du musst in Osteuropa ein paar Leute holen für zwei Euro achtzig. Billige, hungrige Leute, die sagen, ich will 1860 als Plattform nutzen. Du musst neben der Jugendarbeit eine zweite Säule haben. Nur mit der eigenen Jugend kommst du heutzutage nicht mehr hoch.

Stevic wird’s wissen…

Otto: Ich dachte ja erst, Stevic wird nur geholt durch seine Kontakte in die Investorenszene, aber mit Lienen hat er schon mal einen guten Namen geholt. Jetzt bin ich gespannt, was folgt. Du musst schnell was bewegen. Die kommende Saison wird eine Hopp-oder-Top-Saison. Entweder du spielst oben mit und kannst dich dann weiter verstärken oder es geht nix vorwärts und du blutest endgültig aus.

Auch Bayern hat mit Louis van Gaal wieder einen erfahrenen Fußball-Lehrer.

Darchinger: Ich freue mich, dass einer kommt, der in der Lage ist, einen Haufen von Stars zu disziplinieren. Ich finde es grausam, wie sich der Ribéry aufgeführt hat diese Saison.

Otto: Uuh, FC Hollywood!

Darchinger: Hey, das find ich ja lustig, dass ausgerechnet ein Sechzger, ein Chaosklub-Vertreter, so was von sich gibt!

Ruhig, ruhig. Wer muss raus bei Bayern ?

Darchinger: Lell, Rensing, van Buyten, der ist für die Champions League zu behäbig; Borowski, die phlegmatische Pflaume. Und Toni, der läuft rum wie ein Storch, der zum ersten Mal den Ball vor die Füße kriegt. Da ist Gomez ein anderes Kaliber.

Namen, von denen 1860 nur träumen kann…

Darchinger: Wir leihen euch den Breno, den van Buyten und den Lell und den Borowski und vielleicht noch kurz den Sosa.

Otto: Van Buyten würde ich sofort nehmen, den Rest könnt ihr gerne behalten.

In welchem Stadion soll 1860 glücklich werden?

Otto: In der Arena, alles andere ist in der momentanen Situation unrealistisch. Aufsteigen müssen wir halt in den nächsten zwei Jahren, dann klappt’s auch mit dem Stadion. Fünf Millionen Euro Fixkosten, das kannst du dir in der ersten Liga leisten, in der zweiten nicht mehr lange.

 Darchinger: Götz! Kosten hin oder her. Ihr braucht sowieso ein anderes Stadion. Die Arena ist ein Schicki-­Micki-Ding, das nie zu 1860 passen wird. Auch wenn ich es für eine Sage halte, dass Sechzig ein Kultverein ist. Das war vielleicht vor 15 Jahren noch so, aber heute?

Otto: Sechzig IST ein Kultverein, 30 000 Zuschauer in der zweiten Liga, also bitte! Es ist noch nicht zu spät, aber es muss rumgedreht werden. Jetzt!

Ludwig Krammer

Quelle: tz

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