Schmusekurs im Essensstreit

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Leere Tische im Vip-Raum der Allianz Arena bei Heimspielen der Löwen: Künftig müssen die Blauen aber nicht mehr für nicht erschienene Kundschaft geradestehen

München - Es war das Streitthema in den letzten knapp anderthalb Jahren im Münchner Fußball: Die nach Ansicht der Löwen überhöhten Catering-Kosten in der Allianz Arena.

 Der FC Bayern hatte sich mit dem TSV 1860, der seit Sommer 2009 nicht mehr die abgemachte Summe (zwei Millionen Euro) in vollem Umfang überwiesen hatte, deshalb sogar vor Gericht getroffen: Die Bayern gewannen den Prozess um die VIP-Verpflegung am 14. Juli vergangenen Jahres, und der damalige Löwen-Geschäftsführer Manfred Stoffers nahm nach der Niederlage seinen Hut. Und jetzt? Ist alles auf einmal ganz anders.

Die Chronik der Löwen-Rettung 2010/2011

14. Juli 2010: Der TSV 1860 verliert den sogenannten Catering-Prozess gegen den FC Bayern, woraufhin der damalige Geschäftsführer Manfred Stoffers (Bild) zurücktritt. Auch eine Bedingung des FC Bayern, um dem TSV 1860 Schulden zu stunden. © Sampics
17. August 2010: Die finanziellen Probleme beim TSV 1860 sind so groß, dass man Stefan Aigner an den VfB Stuttgart verkaufen will. Die Fans sind empört. © Sampics
31. August 2010: Toni Rukavina steht auf der Transferliste und zum Verkauf. Es gibt kein Interesse am letzten Transfertag, der Serbe bleibt ebenso wie Aigner. © Sampics
19. Oktober 2010: Dem TSV 1860 werden von der DFL wegen unzureichender Informationen bei der Lizenzierung zwei Punkte abgezogen. © dpa
23. Oktober 2010: Dieter Schneider wird anstelle von Michael Hasenstab neuer Vizepräsident und Schatzmeister. © Sampics
29. Oktober 2010: Der TSV 1860 steht unmittelbar vor der Zahlungsunfähigkeit. Die Angestellten bekamen ihr Gehalt nicht überwiesen. Präsidium, Aufsichtsrat sowie Sponsoren springen helfend ein, die drohende Pleite wird unter der Federführung von Dieter Schneider gerade noch abgewendet. Talent Moritz Leitner (Bild) wird für eine knappe Million an Borussia Dortmund vorverkauft. © Sampics
12. November 2010: Geschäftsführer Robert Niemann (Bild) tritt nach dreieinhalb Monaten zurück, sein Nachfolger wird Robert Schäfer. © Sampics
30. November 2010: Die Profis und die übrigen Angestellten beim TSV 1860 sollen auf zehn Prozent ihres Gehalts verzichten. “Es ist ein Symbol dafür, dass alle im Verein den eingeschlagenen Weg der Sanierung mitgehen“, erklärt Geschäftsführer Robert Schäfer. © dpa
Dezember 2010/Januar 2011: In der Wintertransferperiode trennt sich 1860 von neun Profis. Im Bild Mate Ghvinianidze, der in die Ukraine wechselte.  © Sampics
14. Januar 2011: Der TSV 1860 erhält von der DFL grünes Licht im Nachlizenzierungsverfahren. Zuvor hatte der Verein auf den letzten Drücker einen Liquiditätsnachweis über 5,3 Millionen Euro erbracht. Der Rest der Saison scheint damit gesichert. Die Verträge von Lauth, Bierofka (Bild) und Király sollen nur verlängert werden, wenn die Spieler ab sofort auf einen großen Teil ihres Gehalts verzichten. © Sampics
7. Februar 2011: Nach dem Rücktritt von Rainer Beeck wird Dieter Schneider neuer 1860-Präsident. “Es ist keine einzelne Kuh, sondern eine ganze Kuhherde, die vom Eis muss“, beschreibt Schneider das “Löwen“-Dilemma.   © Sampics
Februar/März 2011: Die große Bankenlösung (zinsgünstiges Darlehen über zwölf Millionen Euro auf drei Jahre) scheitert. © dpa
24. Februar 2011: Der bisherige Hauptsponsor Comarch kündigt an, von einer Ausstiegsklausel Gebrauch machen zu wollen und den bis 2013 geltenden Vertrag schon zum Saisonende zu kündigen. © Sampics
18. März 2011: Der TSV 1860 bestätigt nach Zeitungsmeldungen auf einer Pressekonferenz einen kurzfristigen Liquiditätsbedarf von acht Millionen Euro. Ansonsten würden dem Klub die Insolvenz und der Lizenzverlust drohen. © Sampics
01. April 2011: Auf den letzten Drücker erbringen die “Löwen“ einen von der DFL geforderten erneuten Liquiditätsnachweis in Höhe von 1,5 Millionen Euro. © Sampics
20. Mai 2011: Nach langem Hin und Her gibt die DFL grünes Licht für den Kooperationsvertrag mit dem Investor Hasan Ismaik. Jetzt gebe es die Chance, “den Verein langfristig in eine gesicherte und erfolgreiche Zukunft zu führen“, erklären Schneider und Schäfer. © dpa
28. Mai 2011: Als letzter Gläubiger stimmt der Berliner Unternehmer Nicolai Schwarzer einem Teilverzicht zu. “Ich verzichte schweren Herzens“, sagt Schwarzer. © Sampics
30. Mai 2011: Der 18 Millionen Euro schwere Kooperationsvertrag wird unterzeichnet - am Ende eines langen Tages voller Verhandlungen. “Es war schon dunkel“, sagt Schneider. © 1860
31. Mai 2011: Die vertraglich vereinbarte Summe ist nach Angaben der “Löwen“ bereits an die DFL weitergeleitet, die diese nach der Lizenzerteilung dem Verein übergeben wird. © Sampics
6. Juni 2011: Der TSV 1860 erhält die Lizenz für die 2. Bundesliga. “Der Lizenzierungsausschuss hat nach eingehender Prüfung festgestellt, dass alle Bedingungen erfüllt wurden“, teilte Harald Strutz, Vorsitzender des Lizenzierungsausschusses, in einer Presseerklärung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) mit. © dpa

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Teile der Löwen-Fans wollen keine Hilfe des FC Bayern

Schäfer lobt Uli Hoeneß explizit

Schneider: Klarheit erst nächste Woche

Was Löwen-Geschäftsführer Robert Schäfer vor anderthalb Wochen im tz-Interview bereits angedeutet hatte („Wir sind bei den Catering-Kosten in der Rückrunde schon etwas vorangekommen“) bekräftigte Bayern-Präsident Uli Hoeneß jetzt. Die Löwen müssten in Zukunft in der Arena „nur noch das zahlen, was sie verbrauchen“, sagte er der SZ. Dies gehöre „zum Paket dazu“, bestätigte 1860-Vizepräsident Franz Maget am Freitag gegenüber der tz. Zum Rettungspaket für die Löwen, dessen Fertigstellung noch aussteht. Sollte alles klappen wie geplant, müssen die Sechziger also nur noch für das Essen bezahlen, das die tatsächlich anwesenden Business-Seats-Kunden konsumieren. Dies würde eine Entlastung in Höhe von etwa einer Million Euro bedeuten.

Die alte Regelung hatte vorgesehen, dass 1860 für das Essen von 3.000 Business Kunden geradesteht, obwohl man nur zwischen 1.500 und 1.800 Business-Seats an den Mann gebracht hatte. Der TSV 1860 vertrat die Ansicht, dass man als Mieter, also seit dem Anteilsverkauf 2006, nicht mehr an diese Vereinbarung gebunden sei, es war von einer „rechtsmissbräuchlichen Ausnutzung der Monopolstellung“ bei den Mietbedingungen der Stadion GmbH die Rede.

Was tuscheln Sie denn da, Herr Hoeneß und Herr Schäfer?

Bayern-Präsident Uli Hoeneß (r.) und Löwen-Geschäftsführer Robert Schäfer ... © Sampics
... wurden am Mittwochabend ... © Sampics
... beim Tuscheln ... © Sampics
... auf dem Nockherberg erwischt ... © Sampics
Um was es dabei ging ... © Sampics
... dürfte allen Zeugen klargewesen sein: © Sampics
Die Löwen wollen ihre Haut ... © Sampics
... und die Bayern ihr Geld ... © Sampics
... und natürlich auch ein bisschen den alten Rivalen retten. © Sampics

Zwei Monate nachdem der TSV 1860 das Geld nicht mehr in voller Höhe überwiesen hatte, platzte Uli Hoeneß der Kragen. Am 31. Oktober 2009 schimpfte er über die Löwen: „Sie zahlen beim Essen, beim Catering nicht alles. Das ist Geld, das sie uns klauen.“ Und Hoeneß kündigte an, vor Gericht zu ziehen. Der Beginn einer verbalen Schlammschlacht zwischen Blauen und Roten in der Öffentlichkeit. Stoffers bezeichnete die Aussagen von Hoeneß als „unverfroren“ und behielt weiterhin einen Teil des abgemachten Geldes ein. Anfang 2010 reichte der FC Bayern Klage ein beim Landgericht, vor dem er ein halbes Jahr später Recht bekam. Die Löwen wurden zur Zahlung von 542 344 Euro plus Zinsen und Gerichtskosten verurteilt. Als sich nach Stoffers’ Abgang die Wogen etwas geglättet hatten, fiel dieses Geld dann auch unter die Stundungen, die der FC Bayern dem TSV 1860 gewährte.

Und ab der neuen Saison wird nur noch das gezahlt, was für Business-Seats-Kunden bei Löwen-Heimspielen benötigt wird. Die Zahl der VIP-Kundschaft ist übrigens weiter rückläufig, auch nach dieser Saison verliert der TSV 1860 wie in den letzten Jahren weitere Nutzer von Business-Seats.

Claudius Mayer

Quelle: tz

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