Man spricht Deutsch

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Das Bayern-Auditorium: Jürgen Klinsmann ließ in seinem Leistungszentrum den Saal für die Mannschaftssitzungen errichten – in High-End-Qualität: mit extra Plätzen für die Simultandolmetscher. Die sind jetzt weg...

München - Ich bin ein Kommunikator.“ Bereits bei seiner Antrittsrede in München charakterisierte sich Louis van Gaal als Trainer, der alles über seine Spieler wissen will.

Mit ihnen über alles spricht. Und zwar nicht über Umwege. Der Holländer hat Deutsch als Amtssprache eingeführt. Er kommuniziert direkt mit den Spielern. Bei Verständnisproblemen gibt’s Erklärungen – vom Chef persönlich. Van Gaal beherrscht neben Deutsch noch Holländisch, Spanisch, Englisch und etwas Französisch. Er will den Spielern seine Ideen, seine Philosophie persönlich vermitteln.

„Ich bin streng in meinen Beobachtungen, will selbst korrigieren“, erklärt der 58-Jährige. Der Tulpen-General macht keine Ausnahmen – auch nicht in Jürgen Klinsmanns supermodernem Auditorium. Die Headsets sind verschwunden, es wird nicht mehr simultan gedolmetscht. Van Gaal nimmt alles selbst in der Hand. Frei nach Gerhard Polt: Man spricht Deutsh! Auf seine Tätigkeit in München bereitete sich der Coach akribisch vor. Mit einem einwöchigen Intensiv-Sprachkurs. Klar, sein Deutsch ist noch nicht perfekt. Doch eine Maßnahme zeigt seinen Perfektionismus, seinen Willen, alles selbst in die Hand zu nehmen.

Die tz erfuhr: Die Übersetzer sind aus dem Auditorium verschwunden. Van Gaal radikal: kein Platz mehr für Klinsis Dolmetscher! Ausgedient hat der große Hörsaal im Leistungszentrum nicht: Hier finden weiter die Team-Sitzungen statt, hier werden die Gegner analysiert und die vergangenen Spiele bewertet. Der Auftrag vor dem Spiel in Mainz : Präzisere Flanken, bessere Abstimmung im Sturm , öfter die Wege kreuzen. Immer wieder zog van Gaal dafür diese Woche Statistiken heran: Über 50 Flanken hatten Pranjic, Lahm & Co. in den ersten beiden Spielen geschlagen – der Ertrag von zwei Toren ist dabei viel zu wenig. „Die Zusammenarbeit in der letzten Phase ist nicht ausreichend“, predigte Louis van Gaal.

Sätze wie diese wurden unter Klinsmann noch jedem Spieler gemütlich in der Landessprache übersetzt. Jetzt heißt es genau zuhören. Fußball-Fachbegriffe hat van Gaal auf deutsch perfekt drauf, auch für die ausländischen Neuzugänge stehen sie in den ersten Sitzungen mit den Sprachlehrern auf dem Stundenplan. „Ich mache alle Besprechungen in Deutsch“, betonte van Gaal zuletzt. Nur zur Not wird nachgeholfen: „Wenn Breno, Sosa oder Timoschtschuk, der noch Schwierigkeiten hat mit der Sprache, etwas nicht verstehen, erkläre ich auch mal auf Spanisch oder Englisch.“ Doch eine Dauerlösung ist das nicht. „Es ist aber klar: Wer in Deutschland spielt, muss sich der Kultur anpassen. Dazu gehört die Sprache.“

Bei seinen Ansprachen zeigt van Gaal sowohl Videosequenzen als auch Grafiken, alles soll visuell belegt werden. Fehlverhalten von seinen Spielern wird dabei nicht im Einzelgespräch, sondern vor versammelter Truppe analysiert. „Wir besprechen so ziemlich alles mit der ganzen Mannschaft“, erklärt Torwart Michael Rensing der tz: „Fehler werden vor allen angesprochen – nicht, um Einzelne zu kritisieren, sondern weil alle aus der Situation lernen sollen.“

So ist General van Gaal: offen und gnadenlos ehrlich. Für einige Spieler war es zu Beginn ungewohnt, wenn ihre Fehler vor der ganzen Mannschaft seziert wurden. Doch van Gaal will sie damit nicht schikanieren. Er will den maximalen Erfolg – und dafür braucht er keine Dolmetscher…

 

Tobias Altschäffl

Quelle: tz

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