Sky-Kommentator über Spiel Bayern - BVB

Interview mit Fuss: „Je größer eine Partie, desto cooler Heynckes“

„Bei Bayern ist ab sofort Leistungszenit befohlen“: Sky-Kommentator Wolff-Christoph Fuss
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„Bei Bayern ist ab sofort Leistungszenit befohlen“: Sky-Kommentator Wolff-Christoph Fuss

Sky-Kommentator Wolff-Christoph Fuss spricht im Interview über das 250. Top-Spiel und die Trainersuche des FC Bayern. Weitere Themen sind Diskurse mit Louis van Gaal sowie Trara mit Arjen Robben und Franck Ribery.

München - Das Duell Bayern gegen Dortmund am Samstag (18:30 Uhr/ hier im Live-Ticker) ist das 250. Top-Spiel seit der Einführung 2009. Wolff-Christoph Fuss hat für den Sender „Sky“ mehr als 100 davon kommentiert. Im Interview spricht der 41-Jährige über den Bundesliga-Hit.

Herr Fuss, wie lange vor so einem Top-Spiel sind Sie schon „im Tunnel“?

Wolff Fuss: Die Vorbereitung beansprucht viel Zeit, aber so richtig in den Tunnel steige ich erst in den Minuten vor Anpfiff hinab. Bis das rote Licht angeht, bin ich zu 100 Prozent ansprechbar. Ich muss da nicht auf Kampflinie meditieren (grinst).

Wenige wissen, dass die meiste Arbeit eines Kommentators bereits vor den 90 Minuten stattfindet.

Fuss: Ich bin froh, dass Sie das ansprechen. Selbst meine besten Freunde fragen, was ich die ganze Woche so mache. Bei einem Spiel Bayern gegen Dortmund ist es so, dass man da nachts geweckt werden kann und es kommentieren könnte. Diese beiden Teams sind so gläsern, selbst taktische Spitzfindigkeiten sind da bekannt. Mein Anspruch ist aber, möglichst alles zu wissen. Die Vorbereitungszeit lässt sich schwer beziffern. Man liest ja nicht mal Zeitung, ohne dabei den Blick auf das Spiel zu verlieren. Man nimmt alles auf, permanent.

Ist der Faktor Rekord-Top-Spiel auch wichtig?

Fuss: Ja. Da gibt es Statistiken, die sitzen müssen: Wenn Thomas Müller dabei ist, wird er mit 47 Top-Spielen Rekordhalter. Ein Platzverweis wäre der 50., die meisten Tore hat Arjen Robben: 25. Zudem kann es diesmal noch Meisterfeierlichkeiten zu kommentieren geben. Auch dazu muss ich Fakten parat haben. Wissen Sie, was das Schwierige beim Spiel Bayern gegen Dortmund ist?

Sagen Sie es uns.

Fuss: Die meisten, die bei dem Spiel zuschauen, wissen so gut wie alles über diese zwei Klubs. Da ist mein Anspruch, noch diese eine Info mehr zu haben, die noch nicht allen bekannt ist.

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Kryptisch wird es hingegen, wenn bei einer WM Syriens zweiter Torwart plötzlich eingewechselt wird.

Fuss: 

Das geht in der Gruppenphase der Champions League los. Ich will auch bei einem zweiten Torwart von ZSKA Moskau wissen, wohin er sich bei einem Elfmeter wirft. Da wird die substanzielle Arbeit eines Reporters noch intensiver.

Zur Vorbereitung gehören persönliche Gespräche mit den Trainern. Wie ist Jupp Heynckes da so?

Fuss: 

In seiner aktuellen Amtsperiode hat er sich diese Gespräche verbeten. Pep Guardiola hat sie leider auch abgelehnt. Bei Heynckes kann ich von früher berichten, dass es wahnsinnig ergiebig war. Und je größer eine Partie ist, desto cooler ist er. Vor dem „Finale dahoam“ 2012 saß ich eine Stunde in seiner Kabine, seine Ruhe war phänomenal. Er gab mir dann sogar die Startformation.

Wie schwer ist es, so eine Information bis kurz vor Anpfiff für sich zu behalten?

Fuss: 

Das fällt mir nullkommanull schwer. Wenn ich sage, etwas ist vertraulich, ist es vertraulich. Mit Louis van Gaal war es genauso. Da bekam ich taktische Diskurse, unglaublich. Sogar am Vormittag des Champions League-Finales 2010 in Madrid saßen wir beim Kaffee, und er war so locker drauf, ich hatte den Eindruck, wir gehen am Abend ins Theater und nicht zu einem der wichtigsten Fußballspiele überhaupt. Ich finde diese Ruhe beeindruckend, bei van Gaal wie bei Heynckes.

Hätte Thomas Tuchel zum FC Bayern gepasst?

Fuss: 

Das kann ich nicht beurteilen. Ich kann nur sagen, dass ich ihn als akribischen Fachmann kennengelernt habe und finde, er hat in Dortmund zwei Jahre hervorragende Arbeit geleistet. Aus seiner Sicht ist das Ausland wohl der beste Weg. Dorthin, wo der Trainer das alleinige Sagen hat, ohne interne Störfeuer. Dort weißt du: Der Inhaber meldet sich nur öffentlich, wenn die Uhr abläuft.

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Wie sehen Sie die Trainersuche der Bayern?

Fuss: 

Auf die Frage „Wer ist der ideale Bayern-Trainer?“ lautet die Antwort: „Der sitzt gerade auf der Bank.“ Bleiben sie beim deutschsprachigen Anforderungsprofil, komme ich über kurz oder lang auf Ralph Hasenhüttl. Aber der sagte ja bereits im Februar, der Job sei ihm noch zu groß.

Als Reporter muss man neutral bleiben. Aber Hand aufs Herz: Auf welche Spieler freuen Sie sich bei Bayern gegen Dortmund?

Fuss: 

Bei dieser Paarung verdient Arjen Robben immer einen Extra-Fokus. Er hat so viele dieser Begegnungen geprägt, ist eine tragende Säule der Geschichte dieses Spiels. Es ist kaum auszudenken, wenn es das letzte BVB-Duell mit ihm wäre. Ein Jahr könnte er sicher noch.

Ein Plädoyer für ihn - auch für Frank Ribery?

Fuss: 

Bei beiden ist die Schwierigkeit, ob sie eine altersgerechte Rolle annehmen würden. Beide neigen mit ihrer Persönlichkeitsstruktur nicht dazu, auch mal die zweite Geige zu spielen. Es ist spannend, was für ein Trara es stets gibt, wenn Ribery oder Robben ausgewechselt werden. Aber so ist das: Beim FC Bayern musst du einfach ein Alphatier sein.

Ihr Markenzeichen ist Ihre freche Schnauze. Sie verliehen Jose Mourinho „den schwarzen Gürtel in Selbstdarstellung“, Chelseas Verteidiger Alex nannten Sie „den härtesten Türsteher von London“ - was haben Sie für Bayern gegen Dortmund parat?

Fuss: Nichts. Alles aus dem Bauch.

Stimmt es, dass Sie einfließen lassen, was unter der Woche so passiert ist? Wenn Handwerker bei Ihnen waren, können da Vergleiche kommen. Waren Sie beim Arzt, wird es medizinisch.

Fuss: 

Ja, das stimmt. Wenn die Leute also genau aufpassen, kriegen sie mit, was bei mir unter der Woche so los gewesen ist: War der Fuss beim Friseur? War der Wasserableser da? Jedes Genre hat sprachliche Perlen.

Also waren Sie vor dem Mourinho-Vergleich beim Judo . . .

Fuss: 

Judoka bin ich sowieso seit meiner Kindheit.

Und bei dem Vergleich bei Alex scheiterten Sie an einer Diskotheken-Tür?

Fuss: 

(

lacht

) Ich glaube nicht. Aber vielleicht hat mir einer in der Hinsicht mal was erzählt. Ich mache das ja nicht bewusst, sondern lasse es einfach laufen.

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Was macht einen Kommentator-Typen aus?

Fuss: 

Erst einmal muss er eine Röhre mitbringen. Das ist unsere Eintrittskarte ins Wohnzimmer. Du kannst der weltbeste Fachmann sein - wenn du eine Stimme zum Wegpennen hast, hast du verloren. Dann musst du das Spiel verstehen und der deutschen Sprache mächtig sein. Authentisch sein ist wichtig. Wenn du dich verstellst, merken die Leute das. Und du kannst es nie allen Recht machen. Sobald du das versuchst, geht es sicherlich schief. Mir geht es darum, Spaß zu haben und zu vermitteln. Und eines ist auch klar: Keiner schaut das Spiel wegen des Kommentators. Das Ereignis macht den Kommentator und nicht umgekehrt.

Wie sehen Sie die Debatte, dass dem Fußball die Typen zunehmend fehlen?

Fuss: 

Es ist mir zu populistisch zu sagen, früher war es besser. Die Zeiten sind andere. Nach dem 0:1 gegen Brasilien hat Toni Kroos erfrischend offen Kritik geübt. Das ist ein Typ. Und gerade der FC Bayern ist reich gesegnet: Uli Hoeneß, Müller, Mats Hummels . . . ist ein Ribery, Robben sauer, hält er nicht hinterm Berg. Auch wenn Robert Lewandowski einer quer sitzt, erzählt er es.

Wie lautet Ihre Prognose für das Top-Spiel?

Fuss: 

Für die Bayern beginnen die Wochen der Wahrheit. Da ist jetzt Leistungszenit befohlen, und Dortmund ist da der beste Gegner. Der BVB wird versuchen, die härteste Nuss zu sein. Dortmund ist Außenseiter, aus der Position haben sie oft auch eine gewisse Stärke entwickelt. Aber wenn die Bayern alle ihre PS auf den Platz bringen, dann tippe ich auf ein 3:1.

Interview: Andreas Werner

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Quelle: tz

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