Servus, Sepp! - Das Interview

Sepp Maier (r.) empfängt tz-Redakteur Jan Janssen zum Interview.
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Sepp Maier (r.) empfängt tz-Redakteur Jan Janssen zum Interview.

Am Dienstag hat Sepp Maier seinen Spind an der Säbener Straße geräumt – nach 49 Jahren im Dienst des FC Bayern.

Herr Maier, am Samstag endet Ihre Zeit beim FC Bayern. Haben Sie ihren Spind schon ausgeräumt?

Maier:Ja, am Dienstag. Aber da war ja fast nichts mehr drin. Trainingskleidung, ein paar Autogrammkarten.

Nichts, was ganz unten lag?

Maier:Doch, stimmt. Ich habe noch drei alte Bilder von 1976 gefunden, die ich vor fünf oder sechs Jahren dem Werner Kern mitbringen wollte. Der war mein erster Torwarttrainer. Auf den Bildern hab ich noch ganz lange Haare. Und wie da das Trainingsgelände ausschaut, mei, mit so einem Drahtverhau. Die hab ich jetzt wieder gefunden.

Fällt es Ihnen schwer aufzuhören?

Maier:So ist das halt: Irgendwann ist Schluss, das ist in jedem Berufsleben so. Aber in einem normalen Beruf ist es einfacher, da sagen die meisten: „Gott sei Dank ist’s vorbei!“ Aber für mich war das keine Arbeit, das war Spaß.

Hätten Sie gerne noch weiter gemacht?

Maier:Ja, sicher. Den Michael Rensing dahin zu bringen, wo der Kahn jetzt ist.

Wieso hören Sie dann auf?

Maier:Vor einem Jahr hat mich der Uli rauf ins Büro gerufen und gesagt: „Du, Sepp, verstehst scho, ich hör auch bald auf, wir wollen den FC Bayern umstrukturieren und du bist auch nicht mehr der jüngste. Willst du nicht aufhören?“ Da hab ich gesagt: „Wenn du meinst, dann hör ich halt auf.“ Da war ich auch nicht böse.

Aber traurig?

Maier:Ich muss das akzeptieren. Man kann ja nicht ewig da draußen sein.

Was ist das Erste, das ihnen einfällt, wenn Sie zurückdenken?

Maier:Wie das alles gekommen ist. Das war schon kurios. Ich habe damals beim TSV Haar Stürmer gespielt. Ich war immer Torschützenkönig. Dann hatte sich unser Torhüter die Hand gebrochen und da sagt unser Jugendleiter: „Du, Sepperl, beim nächsten Spiel musst du ins Tor.“ Wir spielten gegen Bayern München, zweite Jugend. Da hab ich gesagt: „Ich geh nicht ins Tor, i mog denen ein paar neihauen.“ Nein, ich musste ins Tor. Es war das erste Mal, dass ich im Tor stand, wirklich wahr! Wir haben 12:0 verloren. Der Jugendleiter der Bayern sagte nach dem Spiel zu unserem Trainer: Deinen Torwart, den könnt ich brauchen. Schick mir den Mal zum Training.

Wie alt waren Sie da?

Maier:15, aber ich habe immer gesagt: „Ich geh nicht zu Bayern!“ Kurz darauf war ich vom Oberbayrischen Fußballverband zu einem Auswahlspiel eingeladen. Der Auswahl-Trainer war zufällig der Bayern-Jugendtrainer, gegen die ich im Tor gestanden hatte. Bei der Mannschaftsaufstellung sagt er: „Im Tor: Maier.“ Da hab ich gesagt: „Wieso ich? Ich bin doch gar kein Torwart.“ – „Doch, du spielst im Tor!“ Wir haben 3:1 gewonnen, ich hab in dem Spiel zwei Elfmeter gehalten. Das hab ich in meinem ganzen Leben nicht mehr gemacht! Dann bin ich doch zu Bayern gegangen und schon nach vier Monaten war ich in der Jugendnationalmannschaft.

Und die Feldspielerkarriere war vorbei…

Maier: Nein, nicht ganz. Weil wir immer so hoch gewonnen haben, war mir oft langweilig im Tor. Also hab ich in der zweiten Jugend im Sturm gespielt, parallel. Und da bin ich zweimal nacheinander Torschützenkönig geworden und hab zusätzlich dazu im Tor gespielt.

Dann haben Sie eine Weltkarriere gemacht. Haben Sie in der Zeit auch negative Erfahrungen gemacht?

Maier:Ja, mit Trainer Pal Csernai. Ich hatte einen schweren Verkehrsunfall und kam ins Krankenhaus. Da hat der Uli Hoeneß darauf bestanden, dass ich in ein anderes Krankenhaus verlegt werde – gegen meinen Willen. In dem neuen Spital haben die gesagt: „Sofort operieren!“. Ich hatte einen Lungen- und Leberriss, es hatten sich schon drei Liter Blut in meinem Bauch gesammelt. Wenn ich eine halbe Stunde später operiert worden wäre, wäre ich tot gewesen. So hat Uli Hoeneß mir das Leben gerettet. Aber der Csernai hat mich kein einziges Mal besucht, obwohl ich dafür verantwortlich war, dass er überhaupt Trainer wurde bei uns.

Er wollte Sie nicht mehr haben…

Maier:Ja, aber das hab ich ihm zurückgezahlt. Bei meinem Abschiedsspiel, Bayern gegen die Nationalmannschaft. Ich habe die Mannschaft aufgestellt und der Csernai hat sich eingemischt. Da habe ich den zusammengeschissen: „Ich bin jetzt der Trainer, das ist mein Abschiedsspiel! Und Sie schleichen sich jetzt, schauen’s oben auf der Tribüne, dass Sie noch einen Platz kriegen. Wahrscheinlich kriegen’s keinen, weil sie keine Karte haben. Und sonst schaun’s, dass nach Hause kommen.“ Dann ist er gegangen.

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Sie waren bekannt für Scherze, aber Sie konnten auch austeilen…

Maier:Stimmt. Da war ein Journalist, der Heinz Engler vom Hamburger Abendblatt. Dem hab ich mal eine Watschn gegeben. Aber was für eine! Der hatte einen ganz bösen Artikel geschrieben. Und zwei Tage später hab ich den getroffen, in der Kabine. Da habe ich gewartet, bis nur noch wir zwei da waren. Ich habe ihm den Artikel gezeigt, gefragt: „Hast du das geschrieben?“ - „Ja.“ Da bin ich aufgestanden und hab ihm rechts und links eine nei’ghaut, so richtig, patsch, patsch und gesagt: „Das ist meine Antwort.“ Von da an haben wir uns prächtig verstanden.

Was war denn die wildeste Party?

Maier:Der erste Landesmeister-Sieg. Da haben wir in so einem Schlosspark gewohnt. Als wir am Morgen nach der Feier in den Bus steigen wollten, sagt der Udo Lattek: „Wo sind denn die Spieler?“ Da lagen die Spieler alle im Garten auf der Wiese unter den Bäumen und haben geschlafen. Am nächsten Tag haben wir gegen Gladbach gespielt und 5:0 verloren. Das war kein Fußballspiel sondern eine Alkoholverdunstungsstunde.

Was war schöner, die Zeit als Spieler oder als Trainer?

Maier:Als Trainer konnte man, wenn die Spieler im Bett lagen, noch ein Bier trinken. Das war ein sehr schönes Arbeiten. Und keiner hat mir reingeredet, der Hitzfeld sowieso nicht. Der war überhaupt der Beste, den die Bayern hatten. Auch menschlich.

Etwas, das sie bei Jürgen Klinsmann immer kritisiert haben.

Maier:Ja, so wie er mit mir umgegangen ist, das war nicht sehr menschlich.

Wie bitter ist es, dass ausgerechnet dieser Klinsmann zu Bayern geht?

Maier:Das ist was anderes. Das müssen die Bayern selber wissen. Der Jürgen macht das ja bestimmt auch gut.

Würden Sie sich eine Aussprache wünschen?

Maier:Jetzt ist es zu spät. Ich werde mir das aus der Ferne ansehen und er wird es schwer genug haben. Dem Hitzfeld das Wasser zu reichen, da muss man sich schon sehr strecken.

Quelle: tz

Quelle: tz

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