„Es geht zu schnell“

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Appell an Bundestrainer Löw: Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge will sein Super-Talent Thomas Müller behutsam aufbauen.

München - Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge spricht im tz-Interview über Müller, Toni & Bordeaux.

Herr Rummenigge, gegen Freiburg war absoluter Siegeswille zu spüren. Wie wichtig ist diese Einstellung gegen Bordeaux?

Rummenigge: In der Champions League unterschätzt man niemanden, da sind alle topmotiviert. Da habe ich größere Sorgen, wenn es gegen kleinere Mannschaften in der Bundesliga geht. Das ist eine wichtige Phase in der Champions League, und wir wissen, dass wir aus den zwei Spielen gegen Bordeaux mindestens drei Punkte brauchen. Am besten noch mehr, um am letzten Spieltag gegen Juventus nicht noch unter Druck zu geraten.

War der Sieg gegen Freiburg ein Signal zur Aufholjagd?

Rummenigge: Das hoffe ich! Aber das werden wir erst in den nächsten Wochen sehen. Jetzt müssen wir gegen Bordeaux nachlegen. Wir brauchen jetzt Siege, da brauchen wir nicht drumherum zu reden.

Es gab zuletzt Diskussionen um Thomas Müller und seine Berufung durch Jogi Löw.

Rummenigge: Wir müssen das im Konsens lösen und nicht in der Kontroverse. Wir wollen ja nicht den Nationalspieler Müller verhindern, aber es darf nicht zulasten der Entwicklung und der Leistung von Thomas Müller gehen. Und es geht uns im Moment einen Schritt zu schnell. Wir halten den November noch für zu früh. Wenn die Entwicklung so weitergeht, gibt es im März auch noch Testspiele. Da kann man ihn immer noch einladen.

Aber Sie sind schon stolz auf ihn?

Rummenigge: Natürlich sind wir stolz auf ihn. Aber wir haben auch eine Sorgfaltspflicht.

Luca Toni ist gerade schwer im Aufwind.

Rummenigge: Wir haben uns zu keiner Zeit mit einem Verkauf von Luca beschäftigt. Wir waren in den ersten zwei Jahren mit ihm sehr zufrieden, er hat über 60 Tore gemacht. Die macht man nicht so nebenbei. Da braucht man gewisse Qualitäten und diese Qualitäten können wir im Moment gut gebrauchen. Wir haben gestern noch mal mit dem Trainer darüber diskutiert, und er ist sehr zufrieden und der Meinung, dass er Luca sehr gut gebrauchen kann.

Dafür hat Mario Gomez gerade große Probleme.

Rummenigge: Wir haben Geduld mit ihm, aber auch das Glück, dass wir noch andere sehr gute Stürmer haben. Das ist ein Luxusproblem.

In der tz sagte er, dass er nicht aufgeben, sondern Gas geben will…

Rummenigge: Das freut mich natürlich. Das ist die richtige Reaktion, wenn man in der Kritik steht.

Braucht er Streicheleinheiten?

Rummenigge: Eines weiß ich aus eigener Erfahrung: egal, ob dich der Trainer streichelt oder nicht – du musst dich selber streicheln, indem du gut spielst und Tore schießt. Er muss einfach fighten. Das beste Beispiel in dieser Hinsicht war Gerd Müller. Der hat auch mal zehn Spiele kein Tor geschossen. Da hat er in jedem Spiel gebissen und gekratzt und gefightet – und irgendwann war der Ball wieder drin. Und dann hat er zehnmal in Folge getroffen.

Ist es gut, dass er sich auf Anraten des Trainers ändert?

Rummenigge: Bayern München ist eben etwas anderes als der VfB Stuttgart. Das ist einfach Fakt. Dem hat er Rechnung getragen und sich umgestellt. Es ist für mich nur eine Zeitfrage, dass er explodiert und dann haben wir einen Superstürmer.

Aber er hat auch beklagt, dass er am Anfang getroffen hat?

Rummenigge: Man muss das realistisch betrachten. Er hat zwar zu Beginn Tore gemacht, aber das war ja trotzdem nicht der Mario Gomez aus der Nationalmannschaft oder des VfB Stuttgart. Da muss er besser werden, und das wird er auch werden.

Uli Hoeneß klagte zuletzt über die vielen Länderspiele?

Rummenigge: In den letzten Jahren ist die Zahl der Länderspiele permanent erhöht worden, und dadurch haben die Spieler eine größere Belastung. Darüber wird zu sprechen sein. Der Ansprechpartner ist da aber nicht Theo Zwanziger, sondern die FIFA, also Sepp Blatter.

Haben Sie einen konkreten Plan?

Rummenigge: Wir müssen darüber diskutieren, denn die Spieler werden von uns bezahlt. Und eines habe ich im Leben gelernt: Wer zahlt, schafft an. Und es kann nicht sein, dass von der FIFA Entscheidungen gefällt werden und wir die einfach so akzeptieren.

Haben Sie schon mit anderen Klubs gesprochen?

Rummenigge: Natürlich, und das gefällt keinem. Den Italienern nicht, den Spaniern nicht und auch nicht den Engländern.

Man könnte eine Vor-Qualifikation einführen.

Rummenigge: Das wird ja abgelehnt mit dem Hinweis, Malta oder Zypern wollten auch mal gegen Deutschland spielen. Aber dann sollte man auch so ehrlich sein und sagen warum: Es geht hier nämlich nicht um sportliche Anreize, sondern ausschließlich um finanzielle. Wenn Malta gegen Deutschland spielt, bekommen die von der ARD vier Millionen Euro und dazu noch die Bandenwerbung. Es geht also nur um das Finanzielle und um sonst nichts. Man tut immer so, als ginge es den großen Klubs nur ums Geld. Aber diejenigen, die am kommerziellsten denken, sind die Verbände.

Interview: Jan Janssen

Quelle: tz

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