DFB-Pokal-Viertelfinale

"Cooler Hund": Elfer-Held Ribéry macht den Unterschied

Franck Ribery vom FC Bayern München jubelt über seinen Elfmetertreffer.
+
Franck Ribery vom FC Bayern München jubelt über seinen Elfmetertreffer.

Frech - frecher - Ribéry: Der Franzose entschied das Pokalderby nach 120 Minuten mit einem Elfmeter.

120 Minuten hatte die tapfere Rasselbande des TSV 1860 dem FC Bayern in einem irren Münchner Pokal-Derby erfolgreich die Stirn geboten, dann kam der Millionen-Unterschied doch noch zum Tragen.

Beim Elfmeterschießen vor dem Elfmeterschießen demonstrierte der 25 Millionen Euro teure Fußball-Ausnahmekönner Franck Ribéry jenen Klassenunterschied, der dem haushohen Favoriten beim 1:0-Sieg nach Verlängerung bis dahin abgegangen war. Erst traf Ribéry eiskalt rechts unten, dann in der notwendigen Wiederholung rotzfrech mit einem Lupfer mitten ins Tor.

“Verrückt“, meinte Bayern-Manager Uli Hoeneß nur - und auch Oliver Kahn konnte nur staunen über die Abgebrühtheit des Franzosen. “Man muss sich das mal überlegen: Man schießt den ersten Elfer topsicher unten rechts rein, der Ball wird wiederholt. Mental eine unglaublich schwierige Situation. Aber was macht der! Das ist legendär. Solche Spieler gibt es nur ganz wenige auf der Welt.“ Sogar 1860-Schlussmann Philipp Tschauner äußerte einfach nur pure Hochachtung für seinen umjubelten Bezwinger: “Ein cooler Hund.“

Spielbericht

Ribéry schießt FC Bayern ins Halbfinale

Über Ribérys Ein-Mann-Schau, die die Bayern zum 20. Mal ins Pokal- Halbfinale beförderte und ihnen die Chance auf drei Titel erhielt, gab es keine zwei Meinungen. Über den Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Peter Gagelmann (Bremen), der auch für zwei seiner drei Gelb-Roten Karten für Bayern-Angreifer Luca Toni (84.) sowie die “Löwen“ Benjamin Schwarz (111.) und Markus Thorandt (120.+4) Kritik erntete, schon: Beim Foulspiel des Unglücksraben Chhunly Pagenburg an Nationalspieler Miroslav Klose blieb strittig, ob es nicht vor der Strafraumlinie erfolgt war. Eine “waghalsige Entscheidung“ nannte es der wütende 1860-Coach Marco Kurz: “Es ist ganz bitter, nach so einer Entscheidung zu verlieren.“

Der aufgrund des Chancen-Plus verdiente Bayern-Sieg wahrte die Machtverhältnisse in München. “Bayern war die Nummer 1 und wird auch immer die Nummer 1 bleiben“, sagte Trainer Ottmar Hitzfeld nach dem 105. Sieg der “Roten“ im 204. Lokalderby, das zäh begann, niemals hochklassig wurde, aber emotionsgeladen und dramatisch endete. “Mehr an Unterhaltungswert kann ein Fußballspiel nicht bieten“, urteilte Hoeneß, der gleich sein Wunschlos für das Halbfinale, das an diesem Sonntag ausgelost wird, parat hatte: “Carl Zeiss Jena zu Hause.“

Fußballerisch müssen die Bayern aber schleunigst wieder mehr bieten, wenn die Großinvestition in den Luxus-Kader tatsächlich Rendite in Form von bis zu drei Titeln abwerfen soll, wie Kapitän Kahn deutlich anmerkte: “Das Spiel hat exakt das Manko gezeigt, was wir in dieser Saison haben: Wir bestimmen fast immer die Spiele, aber letztendlich kommt nichts dabei heraus.“ Auch Hitzfeld war mit der gezeigten Leistung “nicht zufrieden“, etliche Akteure schwächeln bedenklich - und schon am Samstag muss der Bundesliga-Spitzenreiter beim FC Schalke Größe demonstrieren. Dass der Kräfteverschleiß ein Problem sein könnte, wischte Hoeneß beiseite: “Wir sollten aufhören zu lamentieren. Das sind Profis, Samstag ist Spiel - basta!“

Auch die “Löwen“ lamentierten nicht groß nach dem bitteren Last- Minute-K.o. Sie waren traurig, das ja. “In der 120. Minute so ein Spiel zu verlieren, tut ungemein weh“, bemerkte Verteidiger Torben Hoffmann. Aber der Zweitligist mit seinen vielen Talenten schöpfte Mut, dass es irgendwann auch wieder Bundesliga-Derbys gegen den ungeliebten Lokalrivalen geben wird. “Die Mannschaft kann stolz sein“, meinte Manager Stefan Reuter. Die “Löwen“-Asse von morgen müssten aber noch lernen von Bayern-Superstars wie Ribéry, empfahl Kurz: “Wir müssen ausgebuffter werden. Das ist ein brutaler Lernprozess.“

FC Bayern - 1860: Das Derby in Bildern

Fotostrecke

Quelle: DPA

Auch interessant:

Kommentare