„Geldgieriger Piranha“

Agenten-Thriller um David Alaba: Dieser dubiose Mann treibt Bayern-Patron Uli Hoeneß zur Weißglut

Ehrenpräsident des FC Bayern: Uli Hoeneß.
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Ehrenpräsident des FC Bayern: Uli Hoeneß.

Uli Hoeneß attackiert Pini Zahavi wegen David Alaba, der Spielerberater keilt im Vertragspoker gegen den FC Bayern zurück. Doch wer ist dieser Mann, der die Stimmung in München bedroht? Eine Spurensuche.

  • FC Bayern München: Vertragsverhandlungen mit David Alaba entwickeln sich zu Transfer-Poker.
  • Der Österreicher lässt sich von Pini Zahavi vertreten - Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß attackiert den berüchtigten Spielerberater.
  • Pini Zahavi: Er transferierte Neymar für 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu PSG und sieht sich Vorwürfen wegen angeblich dubioser Machenschaften ausgesetzt.

München - Uli Hoeneß komme mit seinen Breitseiten immer von vorn. Und das sei auch gut so. Erklärte Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, einmal über den Ehrenpräsidenten des Bundesliga-Dauerrivalen FC Bayern München.

Spielerberater Pini Zahavi: Attacke von FC-Bayern-Patron Uli Hoeneß

Von Hoeneß von vorne attackiert zu werden, ist in der Fußball-Branche fast schon ein Lob für hervorragende, weil herausfordernde Arbeit.

„Leipzig hat 4:1 gewonnen, wir haben neben Dortmund einen zweiten Feind, den wir jetzt endlich wieder attackieren können“, polterte der 68-Jährige auf der Mitgliederversammlung 2016 des FC Bayern gegen Bundesliga-Kontrahent RB Leipzig: „Wenn man ehrlich ist, mussten wir die letzten Jahre die Motivation immer aus uns selbst holen. Es ist höchste Zeit, dass mal wieder ein paar kommen, damit wir sie wieder richtig bekämpfen können.“

Für Pini Zahavi gilt dieses eigenwillige Lob sicher nicht. Der Spielerberater hat im öffentlichen Zwist mit Hoeneß um die Vertragsverlängerung von David Alaba den Kosmos des FC Bayern an der Säbener Straße in München zum Eruptieren gebracht, wie es nach dem famosen Champions-League-Endspurt beim deutschen Rekordmeister sicherlich nicht zu erwarten war.

Uli Hoeneß über Alaba-Berater Pini Zahavi: „Geldgieriger Piranha“

Doch, wer ist dieser Pini Zahavi, der es sich erlaubt, derart für Unruhe zu sorgen? „Zahavi erzählt die ganze Zeit einen Schmarrn, das ist ja Wahnsinn! Man kann sich gar nicht vorstellen, was der nur für die Unterschrift verlangt, das ist im zweistelligen Millionenbereich!“, erzählte Hoeneß im Sport1-Doppelpass: „David hat einen geldgierigen Piranha als Berater.“

Wenn man etwas über Zahavi erfahren will, muss man in der Recherche tief graben. Das unterstreicht das dubiose Treiben, das viele Beobachter mit seinem Geschäftsgebaren in der Fußballbranche gleichsetzen.

Umstrittener Spielerberater: Pini Zahavi.

Laut britischem The Observer ist er im Jahr 1955 geboren, hat oder hatte ein Haus im Norden Tel Avivs und ist verwitwet.

Alaba-Spieleragent Pini Zahavi: Israels Staatspräsident ist ein guter Freund

Englische Medien bezeichneten ihn einmal als einzigen, weil ersten richtigen Spieleragenten. Der Israeli Zahavi ist ein Quereinsteiger, war Sportjournalist und berichtete 1974 von der Fußball-WM in Deutschland.

Seit 1979 ist er für mal mehr, mal weniger transparente Deals auf dem englischen Transfermarkt verantwortlich. Anfang der 2000er Jahre spann er ein Netzwerk, das bis in die Politik hineinreicht. Reuven Rivlin, Israels Staatspräsident, ist ein guter Freund.

Seine Transfers suchten schon um die Jahrtausendwende ihresgleichen: So transferierte er 2002 den damals mit Abstand teuersten Verteidiger der Welt, Rio Ferdinand, für seinerzeit gigantische 46 Millionen Euro Ablöse von Leeds United zu Manchester United. 2003 brachte er in einem spektakulären Coup den FC Chelsea und den russischen Milliardär Roman Abramowitsch zusammen.

Transfers von Pini ZahaviVon Klub A zu Klub BAblöse / InvestmentBedeutung
Rio Ferdinand (2002)Leeds United /ManUnited46 Millionen Euroneue Dimension für Transfers
Roman Abramowitsch (2003)Besitzer des FC Chelsea210 Millionen Euro bei Kaufprivate Investoren im Fußball
Gonzalo Higuain (2007)River Plate / Real Madrid12 Millionen Euroundurchsichtige Transfers
Neymar (2017)FC Barcelona / PSG222 Millionen Euroalle Dimensionen gesprengt

FC Chelsea und PSG: Pini Zahavi hofiert privaten investoren im Fußball

Es war der Testlauf für den Einstieg schwerreicher Investoren in den Profifußball, was heute in der organisierten Fanszene europaweit kritisch gesehen wird.

Ständig begleiten ihn Vorwürfe dubioser Machenschaften. Laut Tageszeitung Welt wurden Briefkastenfirmen mit Zahavi in Verbindung gebracht, in der Steueroase Gibraltar gründete er mit argentinischen Freunde namens Gustavo Aribas und Fernando Hidalgo demnach die Firma HAZ Sports Agency, die den Schweizer Klub FC Locarno kaufte. Dieser diente bei Transfers aus Südamerika nach Europa als Zwischenstation, mutmaßlich um Steuern zu sparen.

Es ist ein wahrer Spieleragenten-Thriller: Kumpel Aribas war zwischenzeitlich Chef des argentinischen Geheimdienstes AFI. Auch ihn umweht ein eher zweifelhafter Ruf.

Haben sie den falschen Berater: Vater George Alaba (li.) und David Alaba.

Im Hochsommer 2017 stellte Zahavi die Fußballwelt endgültig auf den Kopf: Er transferierte Superstar Neymar für 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain, soll spanischen und französischen Medienberichten zufolge daran 38 Millionen Euro Provision verdient haben.

FC Bayern: Streit zwischen Uli Hoeneß und Pini Zahavi wegen David Alaba

Unverhältnismäßig abzukassieren, das wirft ihm nun auch - diplomatisch formuliert - Hoeneß vor. „Ich habe zu keinem Zeitpunkt detailliert über eine etwaige Provisionszahlung mit den Bayern-Verantwortlichen gesprochen. Das einzige Mal, dass dieses Thema auf den Tisch kam, war bei unserem Treffen in Lissabon“ erklärte Zahavi dem Bundesliga-Sender Sky: „Dort fragte mich Hasan Salihamidzic, wie ich mir das vorstellen würde. Ich sagte ihm, dass wir zunächst an einer Einigung mit dem Spieler arbeiten sollten, ich aber nicht mehr als das Übliche fordern werde.“

Er beeinflusse den Vater von David Alaba, George, leider sehr, wetterte Hoeneß weiter. Alaba senior antwortete mittels desselben Kanals, warf dem Arbeitgeber (zwölf Jahre!) seines Sohnes „schmutzige Lügen“ und „dreckige Anschuldigungen“ vor. Eine extreme Dimension. Ganz nach den Extremen eines Pini Zahavi. (pm)

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