Oliver Kahn - Sein Ex-Trainer erinnert sich

Winfried Schäfer arbeitet heute als Trainer bei Al Ain Club in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
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Winfried Schäfer arbeitet heute als Trainer bei Al Ain Club in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Das tz-Interview mit Kahns Ex-Coach Winnie Schäfer.

Herr Schäfer, erinnern Sie sich noch an den 10.11.1990?

Schäfer: War da das Spiel gegen Bochum?

Ja, genau das. Es war das Spiel, mit dem eine große Torhüterkarriere ihren Anfang nahm.

Schäfer:Klar habe ich die Bilder noch vor Augen. Schon in den Wochen zuvor hat jeder darauf gewartet, dass ich den Olli ins Tor stelle. Aber ich konnte doch nicht einfach meine damalige Nummer eins, den Alexander Famulla, rausnehmen.

Gegen Bochum war es aber soweit.

Schäfer:Famulla war unwahrscheinlich nervös. Er spürte, dass Olli mit den Füßen scharrte. Und tatsächlich machte er zwei kapitale Fehler. Wir lagen zur Halbzeit 1:2 hinten, und ich wechselte den Torhüter. Olli hat dann in einer Szene das 1:3 verhindert – wenn auch mit viel Glück. So begann eine große Karriere. Am Ende haben wir das Spiel mit 3:2 gewonnen. Olli war fortan meine Nummer eins.

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Beschreiben Sie den jungen Kahn.

Schäfer: Er hatte einen unwahrscheinlich starken Willen. Und er war als Jugendspieler auf dem Platz schon sehr präsent, gab lautstark Kommandos. Ich werde nie vergessen, wie ich mich ein paar Jahre zuvor zwischen Olli und Stefan Wimmer, dem Sohn der Karlsruher Torhüter-Legende Rudi Wimmer, als Nummer zwei hinter Famulla entscheiden musste. Ich setzte ein Shoot­out an und stellte beide abwechselnd in den Kasten. Zuvor hatte ich die Jungs gefragt, wie viele Tore ich ihnen bei zehn Versuchen wohl reinhauen würde. Stefan meinte drei und Olli sagte, er würde keinen durchlassen.

Hat er Recht behalten?

Schäfer:Nein, mein erster Schuss landete unhaltbar im Winkel. Ich fragte: Na Olli, sollen wir jetzt schon aufhören? Der Junge war so geladen, ich dachte, der geht mir an die Gurgel. Wir machten weiter und nach einer halben Stunde sagte ich dann: Okay, Schluss für heute. Ich hatte so oft aufs Tor geschossen, dass mir der Oberschenkel brannte. Was, jetzt schon aufhören, meinte Olli. Ich entschied mich für ihn. Seine Willensstärke gab den Ausschlag.

Es heißt, Famulla wollte sich nicht das Zimmer mit seinem Herausforderer teilen, weil er Angst hatte, der Ehrgeizling würde ihm nachts ein Kissen aufs Gesicht drücken.

Schäfer:Ich kenne die Geschichte. Aber ich weiß nicht, ob sie wirklich stimmt.

Wie war die Stellung des Neulings Kahn innerhalb des Teams?

Schäfer:Er hat sich schnell bei allen Mitspielern Respekt verschafft. Weil sie erkannten, dass sie mit Olli im Tor etwas erreichen und vorne mitspielen konnten. Olli gab immer alles. Egal ob im Training oder im Punktspiel, er wollte immer gewinnen. Der eine oder andere Teamkollege hat sich über den „verrückten Kahn“ schon mal lustig gemacht. Dann ging es im Training ordentlich zur Sache. Aber insgeheim wussten die anderen, dass man so einen Typen wie Olli in der Mannschaft braucht.

Respektiert zu werden, ist eine Sache, beliebt sein die andere.

Schäfer:Olli war kein Außenseiter und ein in jeder Sekunde verbissener Typ. Dieses Bild stimmt nicht. Er konnte auch ein lustiger Kerl sein. Nur hat er das nach außen hin nicht gezeigt. Eines war aber auffällig. Olli hat sich immer als Erster in sein Zimmer verzogen, während die anderen noch zusammen saßen, zum Beispiel nach dem Essen. Olli las viel, wollte immer weiter kommen, nicht nur im Fußball.

Im Fußball musste er zum FC Bayern gehen, um seinen Weg nach oben fortzusetzen. Waren Sie Ihrem Zögling böse, als er Sie und den KSC verließ?

Schäfer:Nein, auf keinen Fall. Es war für ihn auf jeden Fall das Beste. Man hätte beim KSC versuchen können, über Sponsoren so viel Geld aufzubringen, um Olli zu halten. Aber er sagte, es gehe ihm in erster Linie um die sportliche Perspektive. Und die war bei Bayern vielversprechender als bei uns.

Interview: Roland Wiedemann

Quelle: tz

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