Hoeneß: Entschuldigung? Die muss Ude liefern!

München - OB Christian Ude ließ am Montag im Krach gegen Uli Hoeneß einen Brandbrief veröffentlichen. Die tz erklärt die Hintergründe.

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Der Countdown läuft. Noch zehn Tage hat der TSV 1860 ab Dienstag Zeit, die Insolvenz und den Absturz ins Amateurlager zu verhindern. Derweil geht die Kontroverse zwischen Bayern-Präsident Uli Hoeneß und Oberbürgermeister Christian Ude in die nächste Runde. In der tz hatte Hoeneß den OB bezichtigt, die rettende Kreditlösung der Sechziger in seiner Funktion als Stadtsparkassen-Verwaltungsratschef „blockiert“ zu haben. Ude bezeichnete die Vorwürfe in der tz als „peinlich und geschmacklos“, unterstellte „CSU-Fan“ Hoeneß parteipolitische Motive und verwies auf seine fehlenden Einflussmöglichkeiten. Gestern Mittag legte der SPD-Politiker dann nochmal nach. Per Brandbrief. Darin widersprach Ude der Behauptung von Hoeneß, Ministerpräsident Horst Seehofer habe für die Rettung der Löwen „gestanden wie eine Eins“. Sowohl die Landesbank als auch die Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA) und die Stadtsparkasse seien zu dem „einhelligen Ergebnis“ gelangt, „dass eine Kreditgewährung für die Begleichung von Altschulden (…) unzulässig sei“. Hoeneß als Großgläubiger der Löwen solle sich „für seinen Versuch, mit einem Heldenepos sowie einem Schurkenstück (…) Aggressionen auf einen parteipolitischen Gegner zu lenken, entschuldigen.“ Darauf wird der OB vergeblich hoffen. Hoeneß zur tz: „Die Entschuldigung kann sich der Herr Ude an den Hut stecken.

Alles, was ich gesagt habe, stimmt zu hundert Prozent, da ist überhaupt nichts zurückzunehmen!“ Dass Ude per Pressemitteilung gekontert habe, wertet Hoeneß als Bestätigung seiner Sicht: „Das zeigt mir, dass ich einen Volltreffer gelandet habe – und das spürt er auch selbst.“ Hoeneß legt noch einen drauf: „Ude muss sich doch bei den 1860-Fans entschuldigen, dass er in den ganzen Jahren nichts dafür getan hat, den Verein zu retten!“

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1860-Präsident Dieter Schneider, der mit Hoeneß, Bayern-Vorstand Karl Hopfner und 1860-Geschäfsführer Robert Schneider am 18. Februar bei besagtem Krisengipfel in der Staatskanzlei zugegen war, wollte Hoeneß in der Sache nicht widersprechen. Schneider zur tz: „Herr Hoeneß hat nicht unrecht.“ Wie die tz erfuhr, hätte der FC Bayern der Landesbank acht Millionen Euro zur Verfügung gestellt, und diese Summe wäre dann für vier Prozent Zinsen an den TSV 1860 weiterverliehen worden!

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Noch aber besteht dieHoffnung, dass sich eine Bankenlösung realisieren lässt. Durch Zugeständnisse der Gläubiger, Krediten der BayernLB und Privatbanken – und dann doch noch der Stadtsparkasse. Ude sagte der SZ, dass man über eine Sparkassen-Finanzierung neu reden könne, wenn vorher alle Probleme mit Gläubigern geklärt seien.“ Wenig vielversprechend klingt dagegen ein Statement aus dem Wirtschaftsministerium. Demzufolge lehnt der Verwaltungsrat der LfA, die für den Landesbank-Kredit bürgen könnte, „eine Förderung des Profisports generell“ ab, „da diese nicht mit dem Förderauftrag der LfA vereinbar“ sei. Otto Bertermann, FDP-Landtagsabgeordeter, sagte bei München.tv, dass 60 jahrelang Missmanagement betrieben habe: „Die Gehälter waren zu hoch. Das darf man jetzt nicht dem Steuerzahler aufbürden.“

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Diesen Brief ließ Oberbürgermeister Christian Ude am Montag um 12.06 Uhr von seinem Büro aus per E-Mail verbreiten.

Der Brandbrief und die Erklärung

„Zu den heutigen Angriffen von FC Bayern-Präsident Uli Hoeneß auf die Stadtsparkasse und deren Verwaltungsratsvorsitzenden, eine von der Staatskanzlei bereits zugesagte finanzielle Rettung des TSV 1860 „blockiert“ zu haben, erklärt Oberbürgermeister Christian Ude:

Zum Verständnis der Hintergrund: Im Jahr 2002 hatte die FDP-Stadträtin Brigitta Roth für den Bau ­eines Jugend­zentrums des FC Bayern an der Säbener Straße höhere Erbpacht­zinsen gefordert, woraufhin Hoeneß den Satz vom „an die Wand zu ­knallen“ gebrauchte.

„Seit der Forderung von Uli Hoeneß, unbotmäßige FDP-Stadträtinnen „an die Wand zu knallen“, sind wir im Rathaus ja etliche Ausfälle gewöhnt, wenn der FC Bayern finanzielle Wünsche nicht sofort erfüllt bekommt. Im vorliegenden Fall begibt sich Uli Hoeneß aber nicht nur mit Anstandsregeln in Konflikt, sondern auch mit Wahrheitspflichten.“ Worum es gehe, habe der FC Bayern-Finanzvorstand Karl Hopfner am Wochenende offen und ehrlich gesagt mit dem Satz: „Wenn 1860 insolvent geht, ist unser Geld verloren.“

Hintergrund: Nach dem verlorenen ­Catering-Prozess des TSV 1860 im Juli 2010 gegen den FC Bayern stundete dieser 1860 den Streitwert von 542 344 Euro. Dazu kam es, weil der damalige Geschäftsführer Manfred ­Stoffers von seinem Posten zurückgetreten war. Die Atmosphäre zwischen beiden Klubs besserte sich spätestens seit dem Amtsantritt von 1860-Präsident ­Dieter Schneider und Geschäftsführer Robert Schäfer. Insgesamt wurden 1860 rund zwei Millionen gestundet.

Den Wunsch des FCB, doch noch an sein Geld zu kommen, hält der Oberbürgermeister „selbstverständlich für legitim, aber nur im Rahmen der Gesetze“. Die Stadtsparkasse München sei ebenso wie die Landesbank und die LfA-Förderbank und das Bayerische Finanzministerium zu dem Schluss gekommen, dass es den öffentlichen Kreditinstituten gesetzlich verwehrt sei, die Altgläubiger des TSV 1860 zu befriedigen – ohne jede Aussicht, die Darlehen zurückzuerhalten.

 

 

  

Hintergrund: Nach dem verlorenen Catering-Prozess hatte Ude festgestellt: „Ich hätte 1860 empfohlen und vorgeschlagen, sich um Vergleichsverhandlungen zu bemühen. Aus meiner Sicht war das alles sehr ­unglücklich von Stoffers.“ Dass Uli Hoeneß sehr ­empört darüber war, dass 1860 einfach die ­Mietzahlungen für die Arena eingestellt hatte, ­kommentierte Ude folgendermaßen: „Ich kann die Reaktion von Hoeneß verstehen und nachempfinden.“

Ude wörtlich: „Ich habe unzutreffende Vorwürfe der Geschäftsführung von 1860 gegen den FC Bayern stets öffentlich zurückgewiesen und war natürlich nie so weltfremd, diese Fairness auch von Uli Hoeneß zu erwarten. Aber dass er jetzt offenkundige Unwahrheiten verbreitet, enttäuscht doch. Hoeneß behauptet, der Ministerpräsident habe für die Rettung der Löwen „gestanden wie eine Eins“ und sich „unvorstellbar“ für die Löwen eingesetzt, wohingegen ich eine Rettung „blockiert“ haben soll. 

Hoeneß hat das große Pech, dass ich zufällig im Amtszimmer des Ministerpräsidenten war und durch die eingeschaltete Freisprechanlage mitgehört habe, als er von seinem Finanzminister vom Flughafen aus telefonisch über den Stand der Sanierungsverhandlungen unterrichtet wurde. Minister Fahrenschon teilte Horst Seehofer mit, dass sowohl das Wirtschaftsministerium wie auch seine eigenen Leute, sowohl die Landesbank als auch die LfA zu dem einhelligen rechtlichen Ergebnis gelangt seien, dass eine Kreditgewährung für die Begleichung von Altschulden, also für den Löwenanteil des Kreditbedarfs, unzulässig sei. Der Ministerpräsident antwortete, dass man dann wohl nichts tun könne und wünschte einen guten Flug. Meine Rolle beschränkte sich darauf, dem Ministerpräsidenten nachträglich zu erzählen, dass der Vorstand der Stadtsparkasse dies ebenso sehe. (Zu dieser Indiskretion fühle ich mich befugt, da sie ja nur belegt, dass die Staatsregierung hilfsbereit, sorgfältig und korrekt agierte.)

Hintergrund: Damit meint Ude die aktuellen Vorwürfe von Hoeneß. Der Bayern-Präsident hatte dem OB ­vorgehalten, den Rettungsplan der Löwen in seiner Funktion als Verwaltungsratsvorsitzender der Stadtsparkasse blockiert zu haben. Ude hatte bereits am Sonntag in der tz darauf reagiert und festgestellt: „Die parteipolitische Absicht des CSU-Fans Hoeneß wird überdeutlich, wenn er kein Wort über staatliche Institute (Landesbank und LfA, d. Red.) verliert, ­sondern nur über die Sparkasse herzieht.“

Bei allem Verständnis, dass er seinem Geld nachtrauert und die Rolle des FCB als maßgeblicher Großgläubiger in den Hintergrund drängen möchte, sollte sich Uli Hoeneß für seinen Versuch, mit einem Heldenepos sowie einem Schurkenstück, die beide frei erfunden sind, die Aggressionen auf einen parteipolitischen Gegner zu lenken, möglichst schnell und nicht wieder Monate zu spät entschuldigen.“

 

 

 

 

Quelle: tz

Rubriklistenbild: © dpa

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