tz-Interview mit Filmproduzent Souvignier

Was Landauer und  Hoeneß eint

Michael Souvignier

München - Michael Souvignier verfilmt mit seinem Unternehmen das Leben des langjährigen FC-Bayern-Präsidenten Kurt Landauer. Im tz-Interview erklärt der Produzent, was Landauer und Uli Hoeneß eint.

Vor gut einer Woche wurde bekannt, dass das Leben des langjährigen Präsidenten des FC Bayern, Kurt Lan­dauer, verfilmt wird. Umgesetzt wird der Stoff von Zeitsprung Pictures, einem Unternehmen von Michael Souvignier, das auch das Leben der Familie Benz unter dem Titel Carl&Bertha verfilmt hat. Die Dreharbeiten beginnen im Sommer. Regie führt Hans Steinbichler, die Hauptrolle wird Sepp Bierbichler spielen. In der tz verrät Produzent Souvignier erste Details der Verfilmung und erklärt, worin ihn Kurt Landauer an Uli Hoeneß erinnert.

Herr Souvignier, können Sie uns erzählen, wie es zum Projekt Landauer gekommen ist?

Souvignier: Die Idee hatte 2009 meine Frau Ica, als sie in der Zeitung die Berichte zum 125. Geburtstag Kurt Landauers gelesen hat. In der Folge haben wir zu recherchieren begonnen. Wir haben Interviews geführt mit Leuten, die Landauer noch persönlich gekannt haben. Mit den ganzen Geschichten und Details wurde die Figur Landauer irgendwann lebendig. Dirk Kemper hat dem Ganzen als Drehbuchautor dann eine Form gegeben.

Wie hat der BR reagiert, als Sie das Projekt dort angeboten haben?

Souvignier: Die sind fast vom Hocker gefallen, als da ein Kölner Produzent mit einer urbayerischen Geschichte aufschlug. Ich habe die ­Begeisterung gespürt, der BR war gleich Feuer und Flamme. Und jetzt sind wir in der Endphase der Drehvorbereitungen.

Können Sie, von Sepp ­Bierbichler abgesehen, schon Rollenbesetzungen verraten?

Souvignier: Nein, die ­Besetzungsphase ist noch nicht abgeschlossen. Klar ist, dass ab Sommer gedreht wird. Die Erstausstrahlung in der ARD ist für Frühjahr 2014 geplant.

Was fasziniert Sie an der Figur Kurt Landauer?

Souvignier: Alles. Dieser Mann mit seiner Tatkraft und Integrität war eine hochinteressante Persönlichkeit. Seine Biografie als Jude an der Spitze eines populären Vereins in München vor, in und nach der Nazidiktatur ist so außergewöhnlich, dass sich viele Leute dafür interessieren werden – nicht nur Anhänger des FC Bayern. Landauer hatden Verein praktisch dreimal aufgebaut. Unter ihm wurde der FC Bayern 1932 zum ersten Mal deutscher Meister, nach Hitlers Machtergreifung musste er zurücktreten, wurde ins KZ Dachau verschleppt, kam frei, flüchtete nach Genf. Vier seiner Geschwister wurden ermordet. Und obwohl er auch nach Amerika hätte emigrieren können, war seine Verbundenheit zu seinem Verein so groß, dass er 1947 nach München zurückkehrte und ein Jahr später, mit 66, noch mal Präsident des FC Bayern wurde.

Über welchen Zeitraum wird sich der Film erstrecken?

Souvignier: Von 1947 bis in die Fünfzigerjahre. Der Rest wird in Rückblenden erzählt, auch die Geschichte des TSV 1860, der für die Nazis bekanntlich erheblich weniger unbequem war, wird thematisiert. In Dialogen der Figuren. Landauer hat nach seiner Rückkehr nach München im Zuge des Stadion-Wiederaufbaus ja auch schnell Kontakt zur neuen Führung von 1860 aufgenommen. „Es geht nur gemeinsam“, sagte er. „Wir brauchen uns doch schließlich als Derby-Gegner.“

Landauer war einer der Ersten, die das kommerzielle Potenzial des Fußballs erkannten und nutzten.

Souvignier: Er hat nach dem Krieg die Lizenz besorgt und den riesigen Unterhaltungswert des Fußballs verstanden. Gerade in dieser schlechten Zeit brauchten die Leute etwas, womit sie kurz, aber regelmäßig aus ihrem Alltag flüchten konnten.

Uli Hoeneß soll vom Drehbuch sehr angetan gewesen sein.

Souvignier: Das stimmt. Ich habe mich mehrmals mit ihm getroffen, er weiß durch unsere Filme wie Contergan, Frau Böhm sagt Nein oder Das Wunder von Lengede, dass das Projekt bei uns in seriösen Händen ist. In seiner Mentalität, seiner Beharrlichkeit und Tatkraft verkörpert Uli Hoeneß für mich auch ein stückweit Kurt Lan­dauer.

Sieht Hoeneß das genauso?

Souvignier: (lacht) Na, das müssen Sie ihn schon selbst fragen.

Interview: lk

Biografie

Kurt Landauer

Kurt Landauer (geboren am 28. Juli 1884 in Planegg)spielte für den FC Bayern und war zwischen 1913 und 1951 viermal Präsident des Vereins. 1932 führte der Sohn eines jüdischen Kaufmanns den Klub zum ersten Meistertitel. ­Landauer wurde 1938 für zwei Monate im KZ Dachau interniert, ein Jahr später emigrierte er in die Schweiz. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Landauer aus dem Schweizer Exil zurück nach München und wurde erneut Bayern-Präsident. 1961 starb das frühere Vereinsoberhaupt im Alter von 77 Jahren in München. Nach ihm ist der Kurt-Landauer-Weg an der Arena benannt.

Quelle: tz

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