Königsklasse hat Priorität

„Operation Henkelpott“: So funktioniert Ancelottis Masterplan

UEFA Champions League Finale - AC Mailand - FC Liverpool 2:1
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Carlettos großes Ziel: Den Henkelpott wieder in die Höhe stemmen (wie hier 2007 in Diensten des AC Mailand).

München - Unter Carlo Ancelotti liegt der Fokus des FC Bayern auf der Champions League. Die Leistungen in der Liga schwanken zwar, reichen aber aus, um die Konkurrenz zu dominieren. Und sie schaffen Verschnaufpausen fürs große Ziel - den Henkelpott.

Carlo Ancelottis Trophäenliste liest sich imposant. Meistertitel in England, Italien und Frankreich finden sich dort, zudem unzählige Pokalsiege. Besonders ins Auge stechen aber seine drei Champions-League-Titel, errungen mit dem AC Mailand (2002 und 2007) und Real Madrid (2014). Der 57-Jährige gilt als Henkelpott-Guru. Nur der Brite Bob Paisley holte Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger mit dem FC Liverpool ebenfalls drei Titel in Europas höchster Spielklasse, die damals allerdings noch Europapokal der Landesmeister hieß.

Der Traum vom Henkelpott

Den Henkelpott nach München holen. Das ist Carlettos Mission an der Säbener Straße. Und ebendieser Mission ordnet der Italiener alles unter - auch die Bundesliga. Beim glücklichen 2:1-Sieg in Freiburg bekamen Fußballfans wieder den FC Bayern der Pre-Guardiola-Ära zu sehen: Ned immer schee, aber sauber erfolgreich. Der Rekordmeister glänzte nicht, siegte aber. Vorbei scheinen die Guardiola-Zeiten, in denen die Bayern die Bundesliga nach Belieben dominierten und ihre in Ehrfurcht erstarrten Gegner 5:0, 6:1 oder gar 8:0 abfieselten. Klar, die Bayern sind dennoch Tabellenführer, thronen drei Punkte über Leipzig - und besiegten den frechen Aufsteiger im Dezember humorlos mit 3:0. Aber die Bundesligisten wittern ihre Chance. Viele treten frecher auf als zu Guardiolas Zeiten. Frei nach Monaco Franze: „A bissal was geht immer - sogar gegen die Bayern.“

Keine absolute Dominanz

Der Grund dafür ist nicht, dass die Bayern unter Carletto schlechter sind als unter Pep. Nur ihre Priorität hat sich leicht verschoben. Unter Guardiola rannten die Bayern immer an, setzten den Gegner schon tief in dessen Hälfte unter Druck und zauberten über weite Strecken der Saison. Problem: Das kostete Kraft, förderte Verletzungen und - was am schlimmsten ins Gewicht fiel - viele Spieler wirkten in der entscheidenden Saisonphase ausgelaugt und müde. 

Das Ergebnis: Den Pep-Bayern ging im Endspurt die Puste aus, sie scheiterten dreimal im Champions-League-Halbfinale. Unter Ancelotti soll das anders werden. Das lässt sich schon an der neuen Bayern-Spielidee erkennen. Die Mannschaft steht jetzt tiefer, lässt den Gegner kommen, frisst weniger Kilometer und tritt insgesamt weniger dominant auf. Das spart - so hofft Ancelotti - genau die Körner, die in den kommenden Champions-League-Schlachten entscheiden könnten.

Experten vertrauen Ancelotti

Ancelottis stoische Ruhe und entspannte Herangehensweise irritierte zu Beginn Experten und Fans in München. Sie vermissten das lieb gewonnene Hacke-Spitze-1-2-3 der jungen Vergangenheit. Einige fragten sich gar, ob Ancelotti der richtige Mann für den Rekordmeister sei. Mehr und mehr beginnt Fußball-Deutschland aber zu verstehen, wie Carletto tickt. "Die Art und Weise, wie sie spielen und trainieren ist - in Anführungszeichen - weniger anspruchsvoll und weniger anstrengend für Kopf und Beine, sodass die Frische und Konzentration dann im Saisonendspurt mehr vorhanden ist als in den vergangenen Jahren", sagte Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder bei Sky Sport News HD. Auch Bayern-Legende Hasan Salihamidzic glaubt an einen Champions-League-Sieg der Bayern. Königsklassen-Koryphäe Ancelotti weiß, dass die Lorbeeren nicht in der Hinserie vergeben werden, sondern später in der Saison. „Entscheidend wird es im März, April, wenn es in die entscheidenden K.o.-Spiele geht“, sagte er im Sommer vor dem Beginn der Champions-League-Saison. Freilich wird sich Ancelotti an seinen Aussagen messen lassen müssen. Wenn auch er im Frühling die Segel in der Königsklasse streichen muss, dürfte er in Erklärungsnot gelangen. Bis dahin empfiehlt es sich, einen Blick auf seine Zeit in England, Spanien und Frankreich zu werfen.

Carletto-Modell trägt Früchte

Ancelotti selbst machte nie einen Hehl daraus, dass „Operation Henkelpott“ seine oberste Priorität ist. Schon vor seinem Amtsantritt in München sagte der Italiener im Interview mit Spox.com: „Für jeden Klub ist die Champions League heutzutage der wichtigste Wettbewerb, nicht mehr die nationalen Ligen“, sagte er damals. „Jeder große Klub will sie gewinnen, weil sie in der Welt des Fußballs ein sehr hohes Ansehen hat.“ 

Bei aller Königsklassen-Zentrierung sei angemerkt, dass Ancelotti keiner ist, der die Liga abschenkt. Die Meistertitel mit Paris Saint-Germain in Frankreich, mit dem AC Mailand in Italien und dem FC Chelsea in England sprechen da für sich. Einzig in Spanien blieb Carletto die nationale Krone verwehrt. Da hatte er allerdings mit dem FC Barcelona und Atletico Madrid zwei hochkarätige Kontrahenten vor der Brust. Und: Auch wenn die Bundesliga gerade Morgenluft zu wittern scheint - die Bayern wären nicht die Bayern, wenn sie nicht immer in geschmeidiger Mia-san-mia-Manier zulegen könnten. Wer das nicht glaubt, fragt am besten bei RB Leipzig nach.

Im Video: Vidal fällt wohl drei Wochen aus 

mae/snacktv

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