In Mainz genarrt / Schlechtester Start seit 1966

Louis van Qual

van Gaal
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Aus van Gaal wird van Qual: Nach dem Spiel kam der Vorstand in die Kabine. Van Gaal: „Sie haben nicht ein Wort zu den Spielern gesagt. Ich habe mit den Spielern gesprochen und die angemessenen Worte gefunden…“

Mainz - Wortlos stapfte der versammelte Bayern-Vorstand die 24 Stufen im Bruchwegstadion Richtung Kabine. Uli Hoeneß , Karl-Heinz Rummenigge und Karl Hopfner rangen nach Fassung.

Draußen jubelte der Aufsteiger, hinter verschlossener Tür zürnten die Bosse. „Wir haben lange diskutiert“, berichtete Rummenigge konsterniert. „Es ist eine gefährliche Situation, die wir sehr ernst nehmen. Wir müssen schauen, dass wir schnell die Kurve kriegen.“

1:2 in Mainz genarrt, ja 45 Minuten lang vorgeführt. Das Schlimmste: Neben allen offensichtlichen Problemen waren sich die Bayern am Samstag auch noch zu gut, um zu kämpfen. „Wir legen keine Leidenschaft an den Tag“, meinte Bastian Schweinsteiger treffend. Leblos, desolat, Bayern-unwürdig. Kapitän Philipp Lahm rang nach Erklärungen: „Ich weiß nicht, ob uns bewusst war, um was es hier ging. Vielleicht haben wir es zu locker genommen.“ Ein Armutszeugnis. Die Konsequenz: der schlechteste Saisonstart seit 1966, Tabellenplatz 12. Aus Louis van Gaal wird van Qual: Er startet sogar noch schlechter als Klinsi…

Hinter verschlossenen Türen besprach sich der Trainer nach der peinlichen Pleite erst einmal mit Christian Nerlinger. 15 Minuten blieb der Vorstand in der Kabine. Dann erklärte der Holländer: „Ich habe keine Angst, ich werde dasselbe machen wie immer. Ich weiß, was ich kann, ich habe 20 Jahre Erfahrung. Und ich weiß, was die Spieler können. Meine Aufgabe ist es, sie zu begleiten.“

Statt System-Fußball sollte er seinen Spielern aber erst das Fußball-ABC einimpfen. Die Grundeinstellung fehlte komplett. „Über die erste Halbzeit müssen wir uns Gedanken machen. Das hat nichts mit Fußball zu tun gehabt“, erklärte Philipp Lahm gegenüber der tz. „Ohne Laufen oder Aggressivität kannst du kein Spiel gewinnen. Vielleicht haben wir Mainz nicht ernst genommen.“ Günter Netzer bezeichnet die Leistung in seiner BamS-Kolumne passend als „erschreckend, indiskutabel und vor allem unwürdig“. Der erste Durchgang: „ein unsägliches Ballgeschiebe ins Niemandsland“. Kein Aufbauspiel, eine Katastrophen-Abwehr und null Laufbereitschaft. „Ich denke nicht, dass wir nicht frisch waren“, suchte van Gaal gar nicht erst nach Ausreden. „Es war sehr enttäuschend, so angefangen zu haben. Das war ein Fehlstart. Man muss in der ersten Minute anfangen.“

Aber wieso konnte er sein Team nicht richtig einstellen? Was läuft verkehrt? Der sonst so dominante Trainer wirkte ratlos: „Ich frage mich auch, was wir in der Vorbereitung falsch gemacht haben.“ Das Resultat ist ein historischer Fehlstart. Selbst Klinsi hatte letzte Saison nach dem dritten Spieltag fünf Punkte. Und das Programm wird nicht leichter: Nächsten Samstag kommt Wolfsburg, dann geht’s nach Dortmund. „Drei Spiele, zwei Punkte – das ist keine Situation, die uns befriedigt. Heute sind wir niedergeschlagen“, sagte Rummenigge am Samstag angefressen: „Wir haben uns mehr erwartet.“

Gegen Meister Wolfsburg muss sich alles ändern. Lahm: „Wir können einiges gerade ­rücken. Aber dafür muss sich viel ändern.“ Van Gaals Aussagen klingen schon fast nach Durchhalteparolen: „Ich werde jetzt noch härter und besser arbeiten. Das muss man, wenn man so schlecht startet. Wir wissen, dass wir unbedingt Punkte holen müssen.“

Arrogant statt dominant. Es kostete Rummenigge am Samstag Mühe, sich zurückzuhalten. „Wir werden ruhig bleiben“, erklärte der Vorstandsboss. „Eines habe ich unter Robert Schwan gelernt: Nach Niederlagen oder Siegen werden keine Entscheidungen gefällt.“ Es werden unruhige Tage für den FC Bayern.

Tobias Altschäffl

Quelle: tz

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