Kritiker verstummen: Van Gaals größter Sieg 

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Louis van Gaals Konzept gegen Inter Mailand ist aufgegangen

München - Für den so eigenwilligen Trainer Louis van Gaal war die magische Nacht von Mailand der größte Sieg. Alle Kritiker verstummen. Er und sein Vorgesetzter sind aber noch lange nicht zufrieden.

Es war 2.31 Uhr in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, als Louis van Gaal noch einmal aufgehalten wurde. In der Lobby des Melia Milano kam ein grauhaariger Edel-Fan auf den Trainer zu. „Sie sind ein wirklich großer Trainer“, erklärte der betagtere Herr und schüttelte van Gaal kräftig die Hand. „Bleiben Sie, wie Sie sind!“ Darauf ist Verlass. Der Holländer bedankte sich artig, fügte aber – spät nachts noch mit Trainermappe in der Hand – belehrend hinzu: „Es könnte noch besser sein.“

Perfektionist van Gaal. Für den so eigenwilligen Trainer war die magische Nacht von Mailand der größte Sieg. Denn der Stachel von der Final-Niederlage saß beim Holländer tief. Er will „immer angreifen, das sage ich seit zehn Jahren“, betonte der Trainer vor dem Spiel. Im Finale 2010 scheiterte er an José Mourinho und dessen Mauer-Taktik. Am Mittwoch dominierten die Bayern aber wie selten bei einem K.o.-Auswärtsspiel in der Champions League. „Ich denke, wir haben verdient gewonnen. Ich bin sehr zufrieden“, bilanzierte der Fußballlehrer. „Wir einen guten Schritt gemacht haben.“ Von Beginn an zwangen die Bayern Weltpokalsieger Inter den eigenen Stil auf, agierten, erarbeiteten Chancen und wurden spät belohnt.

In Mailand, im bisher wichtigsten Spiel der Saison, war eine Weiterentwicklung der Mannschaft zu sehen. „Das war heute fußballerisch besser als im Mai 2010“, lobte Karl-Heinz Rummenigge bei seiner Bankett-Ansprache kurz nach Mitternacht, „mit diesem 1:0 haben wir beste Voraussetzungen für das Rückspiel geschaffen.“ Wobei der Vorstandsboss auch mahnte: „Die Wiese ist noch nicht gemäht.“

Wer van Gaal kennt, der weiß, dass er das auch seinen Spielern deutlich machen wird. „Euphorie bringt nichts. Wir haben einen Trainer, der Spieler, die den Höhenflug bekommen, schnell zurückholt“, meint Karl-Heinz Rummenigge zufrieden. Den Trainer lobt er in höchsten Tönen. „Wir haben nicht nur einen guten, sondern einen sehr guten Trainer“, erklärt Rummenigge der tz. „Wir sind hochzufrieden mit der Arbeit von Louis van Gaal. Da ist ein klarer Plan dahinter, eine klare Philosophie, eine klare Taktik, eine klare Personalpolitik.“

Der 1:0-Triumph von Mailand: Auch ein Sieg gegen die internen wie externen Kritiker. Als es darauf ankam, hielt sogar die sonst so löchrige Defensive dicht. Weil van Gaal das Team in langen Videositzungen auf Inter vorbereitet, alle Spieler zur Defensivarbeit ermahnt hatte. „Wir haben reifer gespielt als im Finale 2010, defensiver, sind nicht in die Konter gelaufen“, sagt Philipp Lahm. Der Kapitän mit dem feinen Gespür für Entwicklungen im Team sieht die Bayern auf dem richtigen Weg: „Ich glaube, dass wir reifer sind als letztes Jahr.“

In Wochen der Wahrheit zeigen die Bayern bisher ihr bestes Gesicht. Van Gaal genoss den Erfolg von Mailand mit einem Glas Rotwein in Franz Beckenbauers Zigarrenqualm. Als die Maschine LH 2571 auf dem Rückflug eine Ehrenrunde drehte und in rund 5000 Metern Höhe die Zugspitze umrundete, um einer Warteschleife am Münchner Flughafen aus dem Weg zu gehen, beschäftigte er sich schon wieder mit Borussia Dortmund. Keine Zeit zum Ausruhen. Van Gaal ist in den Wochen der Wahrheit in seinem Element. Fortsetzung folgt.

Tobias Altschäffl

Quelle: tz

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