Italiener verlässt den Rekordmeister

Kommentar zu Ancelotti: Die Sache mit den Bossen

Carlo Ancelotti  Karl-Heinz Rummenigge
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Carlo Ancelotti (l.) im Gespräch mit Karl-Heinz Rummenigge.

Carlo Ancelotti musste sich in München neben den stolzen Spielern und den Experten-Meinungen auch mit der Chefetage herumschlagen. Nun muss er gehen, dabei hätte er mehr verdient gehabt. Ein Kommentar von José Carlos Menzel López.

Carlo Ancelotti hat in seiner Laufbahn schon viele Vorgesetzte erlebt. Da wären Berlusconi beim AC Milan, Abramowitsch beim FC Chelsea, Al-Khelaifi bei PSG und Pérez bei Real Madrid, die allesamt nicht gerade als einfache Genossen gelten. Geschafft hat er es trotzdem. Überall. Bis auf München.

tz-Redakteur José Carlos Menzel López.

Denn auch wenn das Umfeld des FCB als familiär beschrieben wird, so ist es doch in Wahrheit nur eines: knifflig. Warum? Weil an der Säbener Straße jeder eine Meinung hat und diese ohne Rücksicht auf Verluste kundtut. Da wären die Experten, die sich auf Ancelotti eingeschossen haben. Da wären die Spieler, von denen viele aufgrund ihrer Verdienste einen Sonderstatus beanspruchen. So weit, so ähnlich zu Real, Milan & Co. Aber dann sind da noch die Bosse. Und auch wenn es sicher von Vorteil ist, dass mit Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß zwei Männer am Werk sind, die dem Fußball entstammen und nicht irgendeiner Scheichfamilie – dass beide in sportlichen Bereichen sehr entscheidungsfreudig sind und sich dabei nicht allzu selten widersprechen, macht keinem Trainer das Leben leichter. Frag nach bei van Gaal, der für den modernen FC Bayern fundamental war, die Stadt jedoch aufgrund der Differenzen mit der Chefetage verließ. Auch Pep Guardiola weiß, was es bedeutet, bei den Bossen nach Neymar zu fragen und Götze zu bekommen.

Und Philipp Lahm? Der ließ lieber ganz die Finger von einem Job im Schatten der beiden Chefs. Kein Wunder, dass er gestern sagte, dass er beim FCB „definitiv etwas ändern“ würde. Die Frage ist: an welcher Stelle? Dass es taktisch bergab ging, ist natürlich nicht den Bossen anzulasten, sie müssen so eine Entwicklung im Auge behalten. Die früheste Trainerentlassung des FCB in einer Saison dürfte kaum eine Lösung sein. Ancelotti hätte – wie übrigens jeder andere Trainer auch – mehr Vertrauen verdient. Und vor allem mehr Zeit.

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