Kapieren die Bayern van Gaals System nicht?

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Louis van Gaal. Haben seine Spieler sein System nicht kapiert?

München - Die Taktiktafel legt Louis van Gaal nur ungern aus der Hand. Gelbe Magneten, blaue, verschieben, Dreiecke bilden. Der Holländer ist ein Systemfanatiker.

Doch wie er auch tüftelt: Eine neue, passende Spielgeometrie für das verfügbare Material hat der 58-Jährige noch nicht gefunden. Wirrwarr statt One-Touch, Fehl- statt Flachpässe. Nach dem zweiten Spieltag bekannte Miroslav Klose bereits: „Es kann sein, dass wir das Konzept vom Trainer noch nicht so drin haben.“ Und da war zumindest noch in Ansätzen die Spielphilosophie zu erkennen. Gegen Mainz regierte dann (neben der Gleichgültigkeit) das Chaos: Schon zum Start verzichtete der Trainer auf die Raute. Nach der Umstellung blieb vom Grundprinzip nur die Abwehr-Viererkette. Vorne versuchten sich Müller, Klose, Olic und Gomez mehr als wild wuselndes Sturm-Knäuel denn als Formations-Angriff.

Die Spieler haben mit van Gaals Visionen zu kämpfen. „Es geht sehr viel um Taktik. Der Trainer hat ganz klare Vorstellungen, wie jede Position gespielt werden muss. Das ist eine große Umstellung“, spricht Philipp Lahm das Problem offen an. Aber auch Aussagen anderer Spieler werfen eine Frage auf: Kapieren die Bayern van Gaals System nicht? „Der Trainer hat eine eigene Philosophie. Ich bin der Meinung, einige haben sich davon überzeugen lassen“, erklärte Hamit Altintop im DSF. Und die anderen…? Der Mittelfeldspieler erläuterte, dass „der Trainer ein gepflegtes Passspiel will“. Das Problem: „Das ist gut, aber dadurch haben einige die eigenen Fähigkeiten, die eigene Identifikation zur Seite gelegt.“ Will heißen: Zu viel Gedanken ans neue System, zu wenig an die eigenen, individuellen Stärken. Die Lösung von Altintop: „Was der Trainer sagt, sollte für uns eine Hilfe sein, keine Belastung.“

Die Systemsuche geht weiter. Oder, wie es Altintop rosig formuliert: „Ich glaube, dass wir sehr flexibel spielen können…“ Einen Zehner haben die Bayern nach wie vor nicht. Bei der Blamage in Mainz stellte van Gaal komplett um, beorderte Klose hinter Mario Gomez. „Wir haben mit einem anderem System und Miro zentral gespielt“, erklärte Gomez nach dem 1:2. Klose also nach Baumjohann und Sosa das dritte Experiment auf der Position des Regisseurs? Dem widerspricht ausgerechnet Klose selbst. „Das war keine Position zehn“, sagt der Stürmer zur tz. „Wer das sagt, hat keine Ahnung vom Fußball. Ich habe hängend um den Stoßstürmer herum gespielt.“

Das System – ein Rätsel? Kloses Lösung: „Wir brauchen einfach Siege. Wir müssen nicht daran denken, was in ein paar Wochen ist, sondern brauchen kurzfristigen Erfolg.“ Ein Umdenken hat er bereits festgemacht. „Es läuft schon ganz anders, allein beim Training ist seit dem Spiel gegen Mainz ein anderer Zug drin“, meint Klose – und nimmt den Trainer bei der System-Problematik aus der Kritik: „Dass wir noch kein System gefunden haben, ist kein Fehler des Trainers. Wir müssen uns halt finden auf dem Platz, da kann der Trainer ja nichts dafür. Jeder muss wissen, was los ist. Aber wir brauchen noch Zeit.“ Die haben jedoch weder Spieler noch Trainer. Gegen Wolfsburg brauchen die Bayern unbedingt ein Erfolgserlebnis. „Jeder von uns hat verstanden, dass beim nächsten Spiel ein anderes Auftreten von uns nötig ist“, versichert Altintop.

Neben einem System fehlten der Mannschaft zuletzt die Emotionen, keiner rappelte sich nach den Rückschlägen auf. „Die Kommunikation hat bei uns zuletzt auf dem Platz gefehlt“, erklärt Altintop. „Die Situation ist nicht schön für uns, die Lage ist schlecht. Das nimmt man auch mit in den Alltag.“ Höchste Zeit für Korrekturen.

 

Tobias Altschäffl

Quelle: tz

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