THW-Kiel-Coach weiß, wie's geht

Für Jupp: Das sind die Tipps vom Triple-Trainer

So geht’s! Alfred Gislason schaffte mit Kiel, was Jupp Heynckes auch will: das Triple
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So geht’s! Alfred Gislason schaffte mit Kiel, was Jupp Heynckes auch will: das Triple

München - Den Handballern von THW Kiel ist das gelungen, was die Fußballer des FC Bayern auch wollen: das Triple! Trainer Alfred Gislason erklärt, worauf es dabei ankommt.

Der FC Bayern marschiert allen davon, die Fans dürfen sich nun während der Länderspielpause zwei Wochen lang eine nahezu perfekte Tabelle anschauen. Und wenn der DFB-Trip dann vorüber ist, winkt sogar der Titel – die früheste Meisterfeier der Geschichte ist möglich. Was für ein Traum! Oder vielleicht doch nicht?

Arjen Robben zum Beispiel hat mit Blick auf die Schale im Osterkorb ein paar Bedenken. „Es wäre schade und vielleicht sogar eine Gefahr, wenn es in den letzten Liga-Spielen für uns um nichts mehr gehen würde“, sagte der Holländer. „Vom Kopf her ist es wichtig, dass wir bis zum Schluss scharf bleiben, denn wir haben noch andere Ziele.“ Die lauten Champions League und Pokal, ab April warten noch ganz wichtige Aufgaben auf den FCB. Und grundsätzlich hat Robben mit seiner Befürchtung recht. „Die Spannung fällt ab!“, sagt Mentalcoach Steffen Kirchner. Der Experte weiß: „Das ist eine evolutionsbedingte Erscheinung. Der Energiehaushalt von uns Menschen wird im Unterbewusstsein gesteuert. Doch wenn dort klar ist, dass es nur noch um die goldene Ananas geht, wird es enorm schwierig, die Topleistung zu bringen.“ In der Vergangenheit stehen zahlreiche schwache Freundschaftsspiele der Nationalmannschaft exemplarisch für dieses Phänomen. Beim FCB könnte so eine Phase auch auf die übrigen Wettbewerbe ausstrahlen. Jupp Heynckes ist also voll gefragt!

Und wie der die Spannung hochhält, auch wenn es in der Liga um nichts mehr geht, weiß ein Kollege besonders gut: Alfred Gislason. Der Isländer betreut mit dem THW Kiel das Bayern München des Handballs, in der letzten Saison holte er mit seiner Mannschaft das Triple. Dabei stand die Meisterschaft ebenfalls weit vor Saisonende fest, die Champions League aber war noch in der heißen Phase. Am Ende wurde Kiel Rekordtitelträger (null Verlustpunkte!), holte den internationalen Pott und gewann den deutschen Pokal.

Die zehn besten deutschen Handballer der Geschichte

Die zehn besten deutschen Handballer der Geschichte

Joachim "Jo" Deckarm wurde 1978 Weltmeister mit der deutschen Nationalmannschaft. Ein Jahr später verletzte sich der als bester Spieler der Welt geltende Rückraumriese bei einem Europapokalspiel des VfL Gummersbach in Ungarn. Nach einem Foul fiel Deckarm auf den Kopf und lag 132 Tage im Koma. Er kämpfte sich durch intensive Therapien zurück ins Leben, ist aber bis heute durch den Unfall gezeichnet. © dapd
Jochen "Scholle" Fraatz war einer der besten Linksaußen der Welt. Er spielte lange Jahre für TuSEM Essen, später für die HSG Nordhorn und den TBV Lemgo. 1984 gewann er mit der DHB-Auswahl die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Los Angeles. Vor allem seine "Dreher" waren weltweit gefürchtet. Er ist mit 2.660 Toren Zweiter der ewigen Torschützenliste der Handball-Bundesliga. © getty
Florian Kehrmann wurde 2007 Weltmeister im eigenen Land. Der dynamsiche Rechtsaußen vom TBV Lemgo errang außerdem mit der "Goldenen Generation" um Daniel Stephan, Stefan Kretzschmar, Volker Zerbe und Christian Schwarzer 2004 den EM-Titel. 2003, 2005 und 2006 wurde er zu Deutschlands Handballer des Jahres gewählt. 2006 wurde er außerdem Zweiter bei der Wahl zum Welthandballer des Jahres. © dapd
Bernhard Kempa prägte den Handball in Deutschland wie kaum ein anderer Spieler. Der Feld- und Hallenhandballspieler errang mit seinem Heimatverein Frisch Auf Göppingen elf Meistertitel. Legendär ist der "Kempa-Trick", der nach "Monsieur Handball" benannt wurde. Nach seiner aktiven Karriere feierte er auch als Trainer große Erfolge und war Welt- und Europameister im Tennis der Senioren. © dpa
Vielen Handballfans ist Wieland Schmidt kaum ein Begriff. Der Torhüter feierte mit der olympischen Goldmedaille 1980 in Moskau seinen größten Erfolg. Der langjährige Nationaltorhüter der DDR galt in den 70er und 80er Jahren als einer der besten Keeper der Welt. Mit seinem Heimatverein SC Magdeburg feierte er u.a. sechs Meistertitel und und zwei  Europapokalsiege. Er wurde dreimal zum Handballer des Jahres der DDR gewählt. © dpa
Christian Schwarzer feierte mit der deutschen Nationalmannschaft seine größten Erfolge. Neben dem WM-Titel 2007 und dem Gewinn der Europameisterschaft 2004 wurde er 2003 bei der Weltmeisterschaft in Portugal als Kreisläufer zum wertvollsten Spieler gewählt. Während seines Engagements beim FC Barcelona wurde der überragende Abwehrspieler Champions-League-Sieger (2000). © dapd
Daniel Stephan gilt als "der Unvollendete". Er war 1998 der erste Welthandballer Deutschlands (2004: Henning Fritz). Der Rückraumspieler hatte während seiner Karriere mit etlichen Verletzungen zu kämpfen und spielte deshalb nie eine Weltmeisterschaft. 2004 errang der dreimalige Handballer des Jahres (1997-1999) mit der Nationalmannschaft den EM-Titel. Stephan war ein unglaublich vielseitiger Rückraumspieler. Neben seiner guten Übersicht zeichnete er sich als Spielmacher und Torjäger aus. © dapd
Andreas Thiel, genannt der "Hexer", gewann mit dem VfL Gummersbach fünf Deutsche Meisterschaften und zweimal den Europapokal der Landesmeister. Gefürchtet waren vor allem die Reflexe des siebenmaligen Handballer des Jahres. Er hielt in seiner Bundesligakarriere (528 Spiele) 430 Siebenmeterwürfe. © getty
Erhard Wunderlich ist Deutschlands "Handballspieler des Jahrhunderts". Im Alter von 21 Jahren gewann er mit der deutschen Nationalmannschaft 1978 den Weltmeistertitel. Mit dem VfL Gummersbach sicherte er sich alle nationalen und internationalen Titel. In seiner Karriere wurde er dreimal mit der höchsten sportlichen Auszeichnung der BRD, dem "Silbernen Lorbeerblatt", ausgezeichnet.  1981 und 1982 wurde er außerdem zum Handballer des Jahres gewählt. © getty
Volker Zerbe steht für außergewöhnliche Vereinstreue. Der 2,11 große Linkshänder spielte seine gesamte Karriere (1986-2006) beim TBV Lemgo. Zerbe galt als einer der weltbesten Abwehrspieler und zeichnete sich in der Nationalmannschaft vor allem durch sein blindes Verständnis mit Kreisläufer Christian Schwarzer aus. In der DHB-Auswahl feierte er mit dem Gewinn der Europameisterschaft 2004 seinen größten Erfolg. Den TBV Lemgo führte der langjährige Kapitän u.a. zu zwei deutschen Meisterschaften, drei Pokalsiegen und drei internationalen Titeln. © getty

Die tz hakte nach: Wie regelt man so was, Herr Gislason? Der Trainer strahlt große Zuversicht aus. „Das könnte eine große Saison für den FC Bayern werden“, glaubt Gislason. Für ihn wäre die Entscheidung zu Ostern sogar eine gute Sache! „Dadurch, dass die Meisterschaft früh gesichert ist, ergeben sich große Vorteile. Es ist kein Weltuntergang, wenn man mal verliert. Dann hat man es leichter, zu rotieren. Vor allem aber kann man die Trainingsintensität noch einmal erhöhen, um in einigen Wochen die gewünschten Effekte zu haben.“

Bedeutet: Der Kopf wird frei, um sich nur auf Champions League und Pokal zu konzentrieren. Die ein oder andere Niederlage im Liga-Betrieb würde nichts mehr ausmachen. „Jeder Spieler kann lockerer ins Spiel gehen“, sagt Gislason.

Somit ist der große Druck weg, die Motivation allerdings nicht! Die ergibt sich bei Topteams wie Kiel oder auch Bayern durch die großartige Qualität im Kader. Gislason hat es erlebt: „Wenn in einer solchen Phase andere Spieler Anteile bekommen, erhöht sich das Konkurrenzdenken. Auch das ist leistungsförderlich.“ Die Spieler stacheln sich gegenseitig an, in den übrigen Wettbewerben wollen sie schließlich in der Startformation stehen. Es gibt also noch ein paar Reize für das Unterbewusstsein der Kicker…

Michael Knippenkötter, Erik Eggers

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