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Butt vor Legendenspiel im Interview: „Ich spiele jetzt lieber im Feld“

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Von: Hanna Raif

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Früher Torwart, heute spielt Jörg Butt lieber im Feld – so
wie hier bei einem Benefizspiel in Hamburg.
Früher Torwart, heute spielt Jörg Butt lieber im Feld – so wie hier bei einem Benefizspiel in Hamburg. © imago sportfotodienst

Hans Jörg Butt steht im Legendenspiel zwischen den Pfosten des FC Bayern? Oder doch nicht? Das Interview mit dem Ex-Keeper.

München – Zwischen 1997 und 2005 war Jörg Butt regelmäßig zu Gast im Olympiastadion. Im HSV- und später Leverkusen-Trikot parierte er Bälle und schoss auch selbst Tore. Am Sonntag, im Legendenspiel gegen den TSV 1860, will der 48-Jährige all das mit dem FC Bayern wiederholen.

Herr Butt, korrigieren Sie mich, aber: Mit 48 Jahren stehen Sie im Legendenspiel vor Ihrem ersten Münchner Derby, oder?

(überlegt) Ich musste jetzt kurz nachdenken, weil ich natürlich schon oft im Olympiastadion gespielt habe. Aber mit dem FC Bayern gegen die Löwen noch nicht.

Legendenspiel im Olympiastadion: Butt vergleicht Rivalität in München mit Hamburg

Sie sind aber aus Hamburg stadtderbyerfahren.

Mit dem HSV habe ich gegen Pauli gespielt, aber ich weiß nicht, ob man das vergleichen kann. Die jeweiligen Duelle – ob in München, Hamburg oder Berlin – sind regional immer noch unterschiedlich. Was gleich ist, ist die Rivalität. Und die Stadt, die in zwei Lager geteilt ist.

15-mal sind Sie immerhin gegen die Löwen angetreten. Erinnern Sie sich an das erste Mal – 1:2 1997 in Hamburg?

Wenn wir verloren haben, hab ich das nicht mehr im Kopf (lacht). Aber ich kann mich erinnern, dass ich mit Leverkusen und Hamburg im Olympiastadion immer gut ausgesehen habe. Nur einmal musste ich tatsächlich ausgewechselt werden. Im Winter, da war es saukalt, ich hatte Rückenprobleme. Das war meine einzige Auswechslung in der Bundesliga.

„Stimmt, sogar zwei Mal. Einmal gegen die Löwen, einmal gegen die Bayern.“

Jörg Butt über seine Treffer im Olympiastadion.

Was macht dieses „Nicht-Fußballstadion“ so besonders?

Ziemlich viel. Meine Erfahrung im Olympiastadion fing schon viel früher an, und zwar 1988. Bei der Europameisterschaft war ich mit meinem Vater im Stadion, Deutschland gegen Spanien, ich war 14 Jahre alt. Deutschland hat 2:0 gewonnen – und wir saßen damals direkt am Marathontor. Wir haben die Busse der Teams dort quasi empfangen, Jürgen Klinsmann, Rudi Völler, Olaf Thon, alle nur 30 Meter von mir entfernt. Ein Wahnsinnserlebnis!

Und wie ist es, wenn man hier als Gegner ein Tor erzielt? Ihnen ist das gelungen …

Stimmt, sogar zwei Mal. Einmal gegen die Löwen, einmal gegen die Bayern. Gegen Bayern haben wir am Ende 3:5 verloren, aber es war ein enges Spiel. Und ein gutes Gefühl nach dem Tor.

Jörg Butt freut sich auf Derby zwischen dem FC Bayern und dem TSV 1860: „50 Jahre Olympiastadion - das hat mich gereizt“

Sie spielen in unregelmäßigen Abständen für die Legenden. Wie viel Bayern-Legende sind Sie?

Durch die Corona-Pandemie gab es zwei Jahre so gut wie gar keine Spiele für uns. Ich habe jetzt einige Partien am Gardasee gemacht – und gegen Inter, in Manchester und in Liverpool war ich dabei. Das waren echte Highlights!

Das Derby im Olympiastadion – etwas Besonderes?

50 Jahre Olympiastadion – das hat mich gereizt. Ich habe so viele Spiele gemacht, ich wollte da noch einmal auflaufen. Ich freue mich insgesamt extrem auf dieses Duell.

„Gerne im Sturm oder in der Innenverteidigung.“

Jörg Butt über seine Lieblingsposition im Feld.

Hat man als Torhüter im „Alter“ einen Vorteil – oder wie viel haben Sie trainiert?

Ich bin ja gar nicht mehr wirklich im Tor. Freizeitmäßig spiele ich ab und an, aber lieber im Feld, um in Bewegung zu sein und fitter zu bleiben. Wo ich am Sonntag spiele, weiß ich noch nicht. Ich lasse mich überraschen.

Was ist denn Ihre Lieblingsposition im Feld?

Gerne im Sturm oder in der Innenverteidigung – entweder das Spiel vor mir oder das Tor vor mir. Im Mittelfeld braucht man dann doch eine bessere Übersicht.

Elfmeter schießen Sie?

Wenn sie mich lassen (lacht).

Jörg Butt über Manuel Neuer: „Man muss agen. Er hat einfach alles!“

Was brauchte man vor 15 Jahren als Torhüter – was heute?

Die große Veränderung gab es schon, bevor ich in die Bundesliga kam, als die Rückpass-Regel kam. Das Fußballerische wurde immer wichtiger. Am Ende des Tages ist man Torwart und muss Bälle halten. Aber man ist heute viel aktiver, viel mehr am Spielgeschehen beteiligt. Die Abwehrreihen stehen heute häufig sehr hoch, gerade auch beim FC Bayern. Mir kam die Regel damals schon sehr entgegen, weil ich relativ gut im Feld war. Ich habe das Spiel, wie es heute gespielt wird, schon gespielt.

Dann kam Manuel Neuer, in der ersten Saison haben Sie zusammen trainiert. Hat man damals schon ahnen können, dass er eine Ära prägen würde?

Sonst hätte er nicht gespielt, als ich noch da war (lacht). Spaß beiseite: Er hat sich enorm entwickelt, als er zu uns kam. Er hatte damals schon ein Riesenpotenzial, hat aber noch sehr riskant gespielt. Heute würde ich sein Spiel eher als mutig bezeichnen. Aber er hat inzwischen so eine Stabilität, dass er nur noch ganz, ganz selten Fehler macht. Außerdem zeichnet es ihn aus, dass er sich seine Spielweise immer beibehalten hat. Man muss sagen: Er hat einfach alles!

Alexander Nübel hat ausgeschlossen, mit Neuer im Kader zu stehen. Eine weise Entscheidung – oder kann man im Training so viel profitieren, dass der Lerneffekt mangelnde Spielpraxis aufwiegt?

Alexander Nübel bringt sehr viel Talent mit – aber du musst als Torhüter spielen. Die Situation kannst du nicht im Training simulieren. Auch die besondere Drucksituation im Bayern-Tor muss man spüren. Und als Leistungssportler tickt man auch nicht so, dass es einem genügt, von jemandem lernen zu können. Man will sich durchsetzen, auf dem Platz stehen. Deshalb war es auch die richtige Entscheidung, sich erst mal einen anderen Verein anzuschließen.

„Er schießt schon sehr, sehr gut.“

Jörg Butt über die Treffersicherheit von Robert Lewandowski.

Haben Sie eher Ihre gehaltenen Schüsse oder geschossenen Tore im Kopf?

Die gehaltenen Schüsse, auf jeden Fall. An der Torhüterleistung wurde ich ja gemessen. Als ich nach München kam, war der Verein ziemlich im Umbruch, die Champions-League-Generation von 2001 war nicht mehr da, es kamen neue Gesichter wie damals Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger. Trotzdem haben wir es in dieser Zeit geschafft, den Grundstein zu legen für die großen Erfolge der vergangenen zehn Jahre. Da war ich als Torwart maßgeblich beteiligt. Auch weil unter anderem mein Elfmeter in Turin auf dem Weg ins Champions-League-Finale nicht ganz unwichtig war.

Hätten Sie Lewandowski besser ausgeguckt als die Torhüter heute?

Er schießt schon sehr, sehr gut. Er macht es ähnlich, wie ich es damals gemacht habe: Er guckt die Torhüter erst aus. Da ist es als Keeper schon extrem schwer, einen zu halten. Unmöglich ist es nicht. Aber es ist kein Zufall, dass er kaum verschießt.

„Bayern, ja, wird Meister.“

Jörg Butt über den Titelkampf in der Bundesliga.

Sie halten eine gemeinsame Bundesliga-Bestmarke: 17 verwandelte Elfmeter am Stück sind nur Ihnen und Lewandowski gelungen.

Das habe ich auch erfahren. Hört sich gut an – auf einer Stufe mit dem Weltfußballer (lacht).

Zum Abschluss drei Fragen: 1. Wie viele Sorgen machen Sie sich um Leverkusen? 2. Wird der FC Bayern Meister? Und 3. Hören wir am Sonntag „ButtButtButt“-Sprechchöre?

Zu 1. In Leverkusen ist das eine gefährliche Situation. Die Mannschaft hat viel mehr Potenzial, aber man kommt aus dem Fahrwasser schwer raus. Eine Mannschaft wie Leverkusen denkt da: Wir werden schon die Kurve kriegen. Aber irgendwann ist das Selbstvertrauen weg. Man muss jetzt in Bereiche, in denen man eine Sicherheit hat – sonst wird es schwer. Zu 2. Bayern, ja, wird Meister. Und zu 3. Am Sonntag geht es mir nicht um „ButtButtButt“, sondern um einen Sieg – in einem Olympiastadion mit möglichst vollen Rängen.

(Interview: Hanna Raif)

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