Jetzt spricht der Boss

Karl-Heinz Rummenigge im Lieblingssessel seines Büros an der Säbener Straße.
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Karl-Heinz Rummenigge im Lieblingssessel seines Büros an der Säbener Straße.

München - Karl-Heinz Rummenigge spricht im Interview mit der tz über Verträge, Vertrauen und Visionen.

Drei Bundesliga-Siege in Folge – wie zufrieden sind Sie derzeit, Herr Rummenigge?

Karl-Heinz Rummenigge: Im Moment ist alles wunderbar. Mit der Champions League vier Siege in Folge, so sollte es weitergehen. Denn wir sind noch nicht da, wo wir hin wollen.

Positiv ist, dass die Mannschaft in Frankfurt erneut einen Rückstand aufgeholt hat.

Rummenigge: Wir haben immer gesagt, dass der Charakter der Mannschaft absolut okay ist. Wie gegen Wolfsburg haben wir auch in Frankfurt eine Reaktion gezeigt.

Braucht die Mannschaft immer einen Weckruf?

Rummenigge: Nein, das glaube ich nicht. Denn in Frankfurt haben wir auch vor dem 0:1 das Spiel dominiert. Die Gegentore fallen nun mal im Moment, das kann man nicht ändern. Wir haben weniger Zu-null-Spiele als letztes Jahr, auf der anderen Seite schießen wir vorne aber auch mehr Tore. Nach vorne ist alles wunderbar, hinten müssen wir noch arbeiten, um stabiler zu werden. Aber darum mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Im Moment sehe ich keinen Malus, sondern eher einen Bonus.

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Was ist für Ihre Nerven besser? Eine stabile Saison oder Erlebnisspiele à la Klinsmann?

Rummenigge: Fußball ist Emotion. Und was wir im Moment abliefern, ist pure Emotion. Die Leute gehen nach Spielen wie gegen Wolfsburg glücklich nach Hause, das ist doch wunderbar.

Spiegeln diese Emotionen den erhofften Klinsmann-Stil wider?

Rummenigge: Wir waren nicht depressiv, als wir zwei Spiele verloren haben. Jetzt sind wir auch nicht zu euphorisch. Es geht in die richtige Richtung, aber die Bilanz wird am 30. Juni 2009 gezogen.

War das auch der Grund, warum Sie Klinsmann in der Krise eine Jobgarantie gegeben haben?

Rummenigge: Wir sind hier von Jürgen Klinsmanns Arbeit überzeugt. Dass die Neuerungen Zeit brauchen und es zu Irritationen kommt, war uns völlig klar. Wir waren immer überzeugt davon, dass wir diesen neuen Stil brauchen, um nicht nur national, sondern auch international eine Rolle zu spielen.

Ist die Jobgarantie nicht doch riskant?

Rummenigge: Nein. Wir haben keine Sekunde an dieser stabileren Phase, die wir jetzt haben, gezweifelt. Es wurde nur ständig versucht, den Jürgen in Misskredit zu bringen – und das fand ich nicht fair.

Hat sich Klinsi bei Ihnen für das Treuebekenntnis bedankt?

Rummenigge: Nein, bei mir braucht sich niemand zu bedanken. Ich weiß nicht, ob das hilfreich für Jürgen war. Ich wollte ihm nur unsere totale Überzeugung dokumentieren. Zwei Niederlagen stellen hier nichts infrage. Dieses Selbstverständnis – manche sagen Arroganz – haben wir beim FC Bayern.

Der Erfolg ist zurück – und wird mit der Rückkehr zum Hitzfeld-System verknüpft.

Rummenigge: Das ist doch kalter Kaffee. Wissen Sie, seit wann 4-4-2 gespielt wird? Seit Pal Csernais Zeiten in den 70er-Jahren beim FC Bayern. Wenn, dann sollte man es bitte das „Pal-System“ nennen. Vielen geht es nur darum, zwischen Ottmar Hitzfeld und Jürgen Klinsmann zu polarisieren. Das ist doch eine Scheindiskussion. 85 Prozent aller Mannschaften spielen dieses System. Für mich ist es ein Zeichen von Stärke, wenn ein Trainer in einer schwierigen Phase zu einem System zurückkehrt, mit dem der Verein lange Jahre Erfolg hatte.

Trotzdem: Haben Sie Klinsmann auch zu weniger Experimenten geraten, bis die Ergebnisse da sind?

Rummenigge: Jürgen Klinsmann ist doch ein sehr intelligenter Mensch. Die Mannschaft und er wissen, dass jeder Trainer beim FC Bayern Erfolge braucht.

Aber haben Sie auf Ihn Einfluss genommen?

Rummenigge: Ich muss deutlich sagen: Auch wenn nach außen ab und zu das Gerücht wabert, greifen wir keinem Trainer ins Steuer. Wenn uns Jürgen nach unserer Meinung fragt, bekommt er eine Antwort.

Ein Thema bei den Gesprächen mit Klinsmann könnte bald Hoffenheim sein…

Rummenigge: Ich denke, so stark hat sie keiner erwartet. Man kann ihnen nur ein großes Kompliment machen. Es ist eine Mannschaft, die man ernst nehmen muss. Die machen einen guten Job. So lange sie Dietmar Hopp haben – wobei es beileibe nicht nur an seinem Geld liegt – wird Hoffenheim ein Konkurrent für uns. Hoffenheim wird eine beständige Größe in der Bundesliga werden.

Ist es der stärkste Konkurrent um den Titel?

Rummenigge: Ich sage der HSV, Leverkusen, Schalke und auch Bremen werden die Konkurrenten sein. Und auch Hoffenheim zähle ich dazu.

Spielt die Rangnick-Elf derzeit das, wo der FC Bayern mit Klinsi hin will?

Rummenigge (lächelt): Das werden wir am Ende der Saison sehen… Sie spielen einen sehr erfrischenden Offensivfußball, sind aber auch hinten anfällig.

Am 16. Spieltag kommt es zum direkten Duell – ist bis dahin schon die Personalie Schweinsteiger geklärt?

Rummenigge: Wir sind interessiert, dass er beim FC Bayern bleibt. Und er hat uns ebenfalls gesagt, dass er daran Interesse hat. Uli Hoeneß wird jetzt die Gespräche mit ihm führen, dann werden wir schlauer sein. Wir werden vieles tun, um ihn zu halten. Und aus der Erfahrung kann ich sagen, dass man oft einen Weg findet, wenn beide Seiten an einer Zusammenarbeit interessiert sind.

Auch bei van Bommel?

Rummenigge: Wir hatten vor ein paar Wochen ein Gespräch und haben uns darauf geeinigt, dass wir uns konkret in der Winterpause unterhalten.

Läuft es auf eine Entscheidung zwischen van Bommel und Zé Roberto hinaus?

Rummenigge: Nein. Das eine hat mit dem anderen gar nichts zu tun. Auch bei Zé werden wir die Gespräche im Winter führen. Kommen wir zur internen Bewertung, dass wir beide halten wollen, werden wir auch mit Mark und Zé Lösungen finden. Aber erst mal lassen wir jetzt die Hinrunde spielen.

Und dann kommt im Winter Anatoli Timoschtschuk?

Rummenigge: Ich möchte das gar nicht groß kommentieren. Der Spieler hat uns im Sommer signalisiert, dass er gerne zum FC Bayern kommen möchte. Wir werden abwarten. Jeder Einzelne wird stabiler – am liebsten wäre mir, wenn wir im Januar auf dem Transfermarkt gar nichts machen.

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Quelle: tz

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