Van Gaal bot seinen Rücktritt an

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Louis van Gaal.

München - Die Trainersuche des FC Bayern ist beendet. Jedenfalls, wenn es nach Franz Beckenbauer geht. Der Ehrenpräsident hat die passende Lösung parat.

 „Irgendwo in Niederbayern gibt es einen Holzschnitzer“, erklärte der Kaiser launig bei sky90. „Wir sollten uns einen Trainer schnitzen – das ist die beste Lösung.“

Wobei: Einen Favoriten hat er ja, der Franz. Und da stimmt er zur Abwechslung mal voll überein mit dem Vorstand seines FC Bayern. „Er ist einmalig. Mit seinen jungen 65 Jahren ist er immer noch mit Feuer dabei“, lobt Beckenbauer Jupp Heynckes. „Er hat damals – nach Jürgen Klinsmann – bewiesen, dass er ein Bayern-Trainer sein kann.“

Der Spezl von Uli Hoeneß ist der Topfavorit als Nachfolger von van Gaal. Nach tz-Informationen bahnt sich nun eine schnelle Lösung an. Heynckes soll für zwei Jahre unterschreiben, die Gespräche laufen. Noch fehlt die endgültige Zusage des Trainers – doch Aussagen, die am Montag aus Leverkusen überliefert wurden, sprechen eine deutliche Sprache. „Es dauert schon zu lange“, beschwerte sich Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, der lange fest davon ausging, dass Heynckes bleibt. „Und wir dürfen auch kein Risiko eingehen. Ich habe ja bereits gesagt, dass wir einen Plan B haben. Und es gibt durchaus interessante Trainer auf dem Markt, die derzeit zu haben sind.“

Zu denen zählt ab 1. Juli 2011 auch wieder Louis van Gaal. Er ist nur noch Trainer auf Abruf. Wie eine lahme Ente wirkt der Holländer dennoch nicht, eher erinnerte er unverändert an einen stolzen Schwan. Mit der Entscheidung, dass am Saisonende Schluss ist, hat er sich arrangiert, „auch ich habe die Erklärung unterschrieben“. Und eines ist beim stolzen Fußballlehrer ohnehin ausgeschlossen: Dass er sich verbiegt, etwas an seiner Philosophie ändert. Das machte er seinen Spielern bereits vor den Ereignissen der vergangenen Wochen klar:

Nach tz-Informationen bot van Gaal den Spielern seinen Rücktritt an – und zwar nicht nur einmal. „Ich habe eine Philosophie. Und diese Philosophie ziehe ich durch“, soll der Trainer wiederholt vor versammelter Mannschaft gesagt haben. Sein „Angebot“, ausgesprochen im Auditorium mit stolz geschwellter Brust: „Wenn es nicht geht und Sie nicht mit mir zurechtkommen, dann gehe ich.“ Keiner der Spieler meldete sich, obwohl die Anzahl der Befürworter in dieser Saison stark geschrumpft ist.

Exklusiv: Der Blick in Van Gaals Allerheiligstes

Trainer Louis van Gaal gewährte den tz-Reportern Tobias Altschäffl (r.) und Jan Janssen einen exklusiven Einblick in sein Trainerbüro. Los geht's!  © sampics
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Auf der rechten Seite des Büros: Ein langer Schrank mit einer Schiebetür auf der rechten sowie auf der linken Seite. Zunächst zögert der Trainer, beschließt aber dann: „Die rechte Seite, die können Sie sehen.“  © sampics
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Er öffnet den Schrank – hervor kommen über 50 Ordner. Van Gaal entgeht nichts. Jede Trainingseinheit, jede Spielszene, ja jeder Spielzug ist festgehalten. „Ich kann Ihnen heute sagen, was ich am 5. April 2010 trainiert habe“, doziert van Gaal. Zu jeder Übungseinheit gibt es bestimmte Ziele.  © sampics
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Van Gaal hat einen großen Plan, der nur mit akribischer Kleinarbeit umzusetzen ist. Auch jede Blessur seiner Spieler wird auf einer DIN-A4-Seite festgehalten. „Gomez, Wade, Regeneration“, steht so beispielsweise in einer Liste. Van Gaal ist ein Datensammler. Er liebt die Kontrolle, die Leistungsdiagnostik.  © sampics
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Zu den Keepern gibt es einen eigenen Ordner, erstellt in enger Zusammenarbeit mit Torwarttrainer Frans Hoek. Beide entschieden gemeinsam, dass die Zeit für Kraft reif sei. Aber nicht nur die Leistung auf dem Platz werden festgehalten.  © sampics
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Einmal wöchentlich müssen die Stars einen Multiple-Choice-Test ausfüllen, der über ihr Wohlbefinden Auskunft geben soll. Darüber wurde auch Luiz Gustavo bereits kurz nach seiner Ankunft – von Videoanalyst Max Reckers – aufgeklärt.  © sampics
Für die Ergebnisse gibt es einen eigenen Ordner – genauso wie für die Presse. „Ich sammle wichtige Artikel“, meint van Gaal mit einem Augenzwinkern. „Also sind auch bestimmt welche von Ihnen drin.“  © sampics
Den linken Teil des langen Schrank öffnet er jedoch nicht. „Dort sind die Ordner für die Scouting-Reporte , über Spieler, die interessant für uns sind“, erläutert van Gaal. „Das ist geheim!“  © sampics
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Van Gaals Büro beweist auch, dass der Mann Sinn für Humor hat. An der Seite hängt ein großes Gemälde , im Vordergrund ist van Gaal zu erkennen, hinter ihm ist aber noch ein zweites Gesicht. „Das ist Klinsmann“, erklärt der Trainer – und erntet dafür einen Lacher.  © sampics
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„Nein, wirklich“, sagt der Trainer. Er habe das Gemälde „von einem noch unbekannten Künstler“ erhalten. Hinten der grinsende, erfolglose Klinsi, vorne der ernste, aber erfolgreiche van Gaal. Das gefiel dem Trainer. Es ist nur eines der zahlreichen Geschenke in seinem kleinen Reich.  © sampics
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Gerade sei eine ganze Ladung Chips eines Sponsors eingetroffen, „die Leute schenken mir gerne etwas“, sagt van Gaal. Auch ein dreieckiger Fußball ist dabei. Fachzeitungen stapeln sich im Büro.  © sampics
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Bei einem Blick auf seinen Schreibtisch zeigt sich wieder, wie genau van Gaal seine Ideen plant, wie er die Revolutionen vorantreibt: Hinter ihm hängt ein großer Terminkalender,...  © sampics
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auf dem Schreibtisch stehen Wörterbücher – und zwar für jede Nationalität im Kader: französisch, italienisch (ein Überbleibsel aus Luca Tonis Zeiten?), portugiesisch, niederländisch, spanisch, russisch, kroatisch.  © sampics
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Dazu: Zwei Praxiswörterbücher Fußball Deutsch-Englisch-Französisch. Damit van Gaal auch bei der nächsten revolutionären Idee nicht die Worte fehlen…  © sampics
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Hinter dem Trainer-Schreibtisch von Louis van Gaal an der Säbener Straße hängen unter anderem die Winpel von den Boca Juniors und dem KNVB  © sampics
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Hinter dem Trainer-Schreibtisch von Louis van Gaal an der Säbener Straße hängen unter anderem die Winpel von den Boca Juniors und dem KNVB  © sampics
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Hinter dem Trainer-Schreibtisch von Louis van Gaal an der Säbener Straße hängen unter anderem die Winpel von den Boca Juniors und dem KNVB  © sampics

Aber auch als van Gaal am vergangenen Mittwoch, in seiner ersten Ansprache nach der beschlossenen Vertragsauflösung erklärte, er würde „gehen, wenn diese Situation nicht klappen sollte“, blieb es ruhig. Denn Führungsspieler wie Bosse setzen darauf, dass die Entscheidung für das Team eine Befreiung ist. Das HSV-Spiel bestätigte sie ihn ihrer Meinung, gegen Inter Mailand soll am Dienstag der nächste Beweis folgen. Und was passiert, wenn die Bayern in der Königsklasse durchmarschieren? Am Sonntag, nicht einmal eine Woche nach der offiziellen Bekanntgabe der Trennung, erklärte Beckenbauer: „Ich find’s schade, dass van Gaal geht.“ Der Kaiser äußerte sogar leise Hoffnungen, ob die Entscheidung noch umkehrbar sei. Doch dies wird im Vorstand des FC Bayern kategorisch ausgeschlossen.

Tobias Altschäffl

Quelle: tz

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