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Keeper in Rente: So will Starke in seinem neuen Job überzeugen

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Von: Hanna Raif

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Neue Perspektiven: Statt nach Hoffenheim wird Tom Starke am Wochenende mit der U 19 nach Mainz fahren.
Neue Perspektiven: Statt nach Hoffenheim wird Tom Starke am Wochenende mit der U 19 nach Mainz fahren. © Imago

Für Tom Starke brach in diesem Sommer ein neuer Lebensabschnitt an. Der langjährige Bayern-Ersatzkeeper blüht in seinem neuen Job richtig auf.

München – Man wächst mit seinen Aufgaben, und manchmal sind es die kleinen Dinge, an denen man merkt, dass neue Zeiten angebrochen sind. Wenn man Tom Starke durch die Räumlichkeiten des neuen FC Bayern Campus schlendern sieht – in Trainingsklamotten, mit Badelatschen –, kann man kaum einen Unterschied zu seinem Auftritt in den vergangenen fünf Jahren an der Säbener Straße feststellen. Aber hinter der verschlossenen Tür seines Büros fühlt sich der 36-Jährige manchmal – ja, er sagt es selber so und lacht dabei – „wie ein echter Berufseinsteiger“.

Wer 17 Jahre lang Fußballprofi war, hat in jungen Jahren ein vergleichsweise langes Arbeitsleben hinter sich, die gängigen Qualifikationen neben dem Platz aber fehlen. „Das soll jetzt kein Jammern sein, aber mir geht die Routine in manchen Sachen ab“, sagt Starke. Erst in der vergangenen Woche – er war gerade dabei, für eine große Sitzung eine Powerpoint-Präsentation vorzubereiten – sei ihm das so richtig bewusst geworden. „Das hat sich echt gezogen“, sagt er, die Familie zuhause musste warten. Immerhin aber hat es sich gelohnt. „Gutes Feedback“ hat Starke bekommen. Nicht unbedingt für sein kreatives Layout oder besonders ausgefallene Effekte. „Aber“, sagt er, „die Fakten haben überzeugt.“ Und genau darum geht es in seinem Job.

Als Torwartkoordinator des Nachwuchsleistungszentrums wird der Mann, der seit 2012 als Reserve-Keeper fünf Deutsche Meisterschaften, drei DFB-Pokalsiege und den Gewinn der Champions League gefeiert hat, offiziell geführt. Und das Spektrum seiner Aufgaben ist weit gefasst. Zwischen Trainingsplatz und Büro pendelt Starke hin und her, die Keeper der U 15 und U 19 trainiert er selbst, zudem fällt zwischen neun und mindestens 19 Uhr viel Arbeit vor dem Laptop an. „Auf dem Platz“, sagt Starke, „kann ich mich ausleben“, daneben hat er aber nicht minder „klare Vorstellungen. Ich weiß, was ich will, aber das ist kein Dogma.“ Gespräche mit Hermann Gerland und Jochen Sauer bringen ihn genauso weiter wie Literaturstudium, „der Blick über den Horizont hinaus“. Die Biografien von Lance Armstrong und Kobe Bryant waren zuletzt dran. „Typen, die motivieren“, mag Starke. Auch seine Jungs sollen solche werden.

Starkes Meinung zählt - auch bei den Bossen

In knapp zwei Jahrzehnten Karriere lernt man viele Trainer kennen, manche von ihnen lieben, manch andere nicht. Starke reflektiert daher im Moment unter den Gesichtspunkten: „Was war deren Credo? Wo kann ich Positives herausziehen?“ Das Interesse an der Jugendarbeit ist schon in jungen Jahren entstanden, in Leverkusen, mit Anfang 20 ging es los, „weil ich selber nie Torwarttraining genießen durfte, wollte ich welches anbieten“. Auch bei den Bayern, wo Starke zuletzt noch in Asien aushalf, hatte er stets ein Auge für den Nachwuchs.

„Meine Meinung“, sagt der Familienvater, „wurde immer gehört“ – und als er einmal bei Karl-Heinz Rummenigge Verbesserungsvorschläge anbrachte, sagte der Vorstandsboss: „Dann mach doch!“ Überlegen musste Starke nicht lange, die Verträge waren schnell abgeschlossen („das sind kürzere Wege als früher“). Er spricht von einer „privilegierten Aufgabe“ zum Berufseinstieg, und er weiß: „Ich stehe jetzt in der Verantwortung.“

Auf dem Bayern-Campus ist Starke ein Held

Die Erfolge werden – anders als in seinem bisherigen Leben – nicht an Trophäen bemessen, sondern in einer anderen Einheit. „Wir haben alle ein Ziel: Das ist nicht Bolzen nach Schulschluss, sondern Profis rausbringen“, sagt er. Es werde „schwierig, einen Welttorhüter wie Manuel Neuer auszubilden. Aber wir wollen natürlich auch Torhüter zu unseren Profis hochbringen. Das ist unser Anspruch. Dann ist für uns alles prima.“

Läuft er über den Campus, himmeln viele Buben ihn an. „Die wissen, ich war Bundesliga-Spieler, ich war bei Bayern – und genau da wollen sie hin.“

Starke impft auch den Jungen das Bayern-Gen ein - mit Erfolg

Als Starke jung war, „gab es einen Trainer und einen Co-Trainer“, den Campus bezeichnet er als „echtes Schmuckkästchen“. Von der U 9 bis zur U 19 fehlt es den Mannschaften weder personell noch infrastrukturell an irgendetwas, ein besseres Arbeitsumfeld kann selbst er sich nicht vorstellen. Spezifisch trainiert wird ab der U 12, davor geht es auch für Torwart-Talente darum, Technik und Koordination zu optimieren. Aus Sicherheit am Ball, sagt Starke, werde Selbstvertrauen: „Und das ist die Voraussetzung für das bekannte Mia san Mia.“

Ein erstes Schlüsselerlebnis in dieser Hinsicht hat Starke schon Ende August gehabt. Im Bundesliga-Spiel seiner U 19 gegen den 1. FC Kaiserslautern stand es in der 90. Minute noch 0:0. „Einige Jungs hatten sich damit abgefunden“, erzählt er, „andere nicht.“ Den Treffer in der Nachspielzeit, den Last-Minute-Sieg, „habe ich einfach nur aufgesogen. Das ist das Selbstverständnis, das ich sehen will.“ Auch an diesem Wochenende, wo er nicht in Hoffenheim sein wird, um die Profis bei seinem Ex-Klub zu verfolgen, sondern in Mainz, beim nächsten U 19-Spiel. In Trainingsklamotten, versteht sich. Also so wie immer – nur doch ziemlich anders.

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