Louis' Formel: 12 aus 21

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Van Gaal hat die Qual der Wahl: Bis auf Olic sind wieder alle Stars fit – doch der Trainer verzichtet auf Wechselspiele.

München - Louis van Gaal setzt in den nächsten entscheidenden Wochen auf eine eingespielte Mannschaft. Seine Formel lautet: 12 aus 21.

Er hatte es schon bei seiner Antrittsrede angekündigt. „Ich bin ein Kommunikator“, erklärte Louis van Gaal am 1. Juli 2009. Diese Fähigkeiten sind derzeit mehr denn je gefragt – aufgrund eines weiteren Prinzips des Holländers, das van Gaal so zusammenfasst: „Konkurrenz erzeugt Druck. Aber die Spieler brauchen Vertrauen.“

Exklusiv: Der Blick in Van Gaals Allerheiligstes

Trainer Louis van Gaal gewährte den tz-Reportern Tobias Altschäffl (r.) und Jan Janssen einen exklusiven Einblick in sein Trainerbüro. Los geht's!  © sampics
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Auf der rechten Seite des Büros: Ein langer Schrank mit einer Schiebetür auf der rechten sowie auf der linken Seite. Zunächst zögert der Trainer, beschließt aber dann: „Die rechte Seite, die können Sie sehen.“  © sampics
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Er öffnet den Schrank – hervor kommen über 50 Ordner. Van Gaal entgeht nichts. Jede Trainingseinheit, jede Spielszene, ja jeder Spielzug ist festgehalten. „Ich kann Ihnen heute sagen, was ich am 5. April 2010 trainiert habe“, doziert van Gaal. Zu jeder Übungseinheit gibt es bestimmte Ziele.  © sampics
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Van Gaal hat einen großen Plan, der nur mit akribischer Kleinarbeit umzusetzen ist. Auch jede Blessur seiner Spieler wird auf einer DIN-A4-Seite festgehalten. „Gomez, Wade, Regeneration“, steht so beispielsweise in einer Liste. Van Gaal ist ein Datensammler. Er liebt die Kontrolle, die Leistungsdiagnostik.  © sampics
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Zu den Keepern gibt es einen eigenen Ordner, erstellt in enger Zusammenarbeit mit Torwarttrainer Frans Hoek. Beide entschieden gemeinsam, dass die Zeit für Kraft reif sei. Aber nicht nur die Leistung auf dem Platz werden festgehalten.  © sampics
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Einmal wöchentlich müssen die Stars einen Multiple-Choice-Test ausfüllen, der über ihr Wohlbefinden Auskunft geben soll. Darüber wurde auch Luiz Gustavo bereits kurz nach seiner Ankunft – von Videoanalyst Max Reckers – aufgeklärt.  © sampics
Für die Ergebnisse gibt es einen eigenen Ordner – genauso wie für die Presse. „Ich sammle wichtige Artikel“, meint van Gaal mit einem Augenzwinkern. „Also sind auch bestimmt welche von Ihnen drin.“  © sampics
Den linken Teil des langen Schrank öffnet er jedoch nicht. „Dort sind die Ordner für die Scouting-Reporte , über Spieler, die interessant für uns sind“, erläutert van Gaal. „Das ist geheim!“  © sampics
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Van Gaals Büro beweist auch, dass der Mann Sinn für Humor hat. An der Seite hängt ein großes Gemälde , im Vordergrund ist van Gaal zu erkennen, hinter ihm ist aber noch ein zweites Gesicht. „Das ist Klinsmann“, erklärt der Trainer – und erntet dafür einen Lacher.  © sampics
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„Nein, wirklich“, sagt der Trainer. Er habe das Gemälde „von einem noch unbekannten Künstler“ erhalten. Hinten der grinsende, erfolglose Klinsi, vorne der ernste, aber erfolgreiche van Gaal. Das gefiel dem Trainer. Es ist nur eines der zahlreichen Geschenke in seinem kleinen Reich.  © sampics
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Gerade sei eine ganze Ladung Chips eines Sponsors eingetroffen, „die Leute schenken mir gerne etwas“, sagt van Gaal. Auch ein dreieckiger Fußball ist dabei. Fachzeitungen stapeln sich im Büro.  © sampics
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Bei einem Blick auf seinen Schreibtisch zeigt sich wieder, wie genau van Gaal seine Ideen plant, wie er die Revolutionen vorantreibt: Hinter ihm hängt ein großer Terminkalender,...  © sampics
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auf dem Schreibtisch stehen Wörterbücher – und zwar für jede Nationalität im Kader: französisch, italienisch (ein Überbleibsel aus Luca Tonis Zeiten?), portugiesisch, niederländisch, spanisch, russisch, kroatisch.  © sampics
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Dazu: Zwei Praxiswörterbücher Fußball Deutsch-Englisch-Französisch. Damit van Gaal auch bei der nächsten revolutionären Idee nicht die Worte fehlen…  © sampics
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Hinter dem Trainer-Schreibtisch von Louis van Gaal an der Säbener Straße hängen unter anderem die Winpel von den Boca Juniors und dem KNVB  © sampics
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Hinter dem Trainer-Schreibtisch von Louis van Gaal an der Säbener Straße hängen unter anderem die Winpel von den Boca Juniors und dem KNVB  © sampics
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Hinter dem Trainer-Schreibtisch von Louis van Gaal an der Säbener Straße hängen unter anderem die Winpel von den Boca Juniors und dem KNVB  © sampics

Der Trainer setzt in den Wochen der Wahrheit auf eine feste Stamm­elf. Von Rotation hält er nichts, was die Aufstellung betrifft ist van Gaal der Anti-Hitzfeld. Seine Formel für die vorentscheidenden Spiele: 12 aus 21! Denn exakt 21 Spieler umfasst der Profi-Kader des Rekordmeisters. Außen vor: Der dritte Torwart Rouven Sattelmaier sowie Rekonvaleszent Ivica Olic. Ansonsten hat er seine Stammelf gefunden, die vom ersten Einwechselspieler Hamit Altintop („das ist mein Los“) ergänzt wird. Für den Rest heißt es: Bitte draußen bleiben!

Die Reservisten müssen sich mit ganz geringen Einsatzzeiten zufrieden geben. Entsprechend hoch ist der Frustfaktor – Breno („Ich habe keine Lust mehr!“) und Miroslav Klose („Es ist keine einfach Situation für mich“) machten ihrem Unmut bereits Luft. Andere, derzeit chancenlose Ersatzspieler wie Andreas Ottl oder Daniel van Buyten ­schlucken ihren Frust runter. Gesetzt sind Kraft, Lahm, Timoschtschuk, Badstuber, Gustavo, Pranjic, Schweinsteiger, Robben, Müller, Ribéry und Gomez. Toni Kroos arbeitet wieder mit der Mannschaft und soll auf Sicht Pranjic oder Gustavo verdrängen – dann erhöht sich die Auswahl auf 13 aus 21. „Wenn Louis van Gaal seine Formation gefunden hat, dann wechselt er wenig. Das ist durchaus so zu beobachten“, gibt auch Christian Nerlinger zu.

Van Gaal versucht, dem Frustfaktor mit vielen Einzelgesprächen entgegenzuwirken. Vergangene Woche intensivierte er die Gespräche mit den Reservisten. Er machte seines Ersatz-Stars klar: „Die Saison ist noch lange, deine Chance kann noch kommen!“ Doch am liebsten setzt der Fußballlehrer auf eine eingespielte Stamm-Elf.

Die Leidtragenden: Jörg Butt, der von Thomas Kraft verdrängt wurde, van Buyten, der in der Hinrunde um seine Auszeit bat und sich jetzt gedulden muss, ­ Diego Contento, zuletzt immer wieder angeschlagen, Ottl, zuverlässiger, aber auch austauschbarer Arbeiter, sowie Miro Klose. Speziell der Nationalstürmer ist ein Härtefall: Bei Jogi Löw gesetzt, bei van Gaal derzeit ohne Chance. Im DFB-Trikot traf er zuletzt gegen Italien, an seiner Situation in München änderte das freilich nichts. „Die Entscheidung trifft der Trainer, ich muss damit umgehen können“, brummt Klose. Er sei frustriert, gestand der Angreifer, „im Training habe ich gezeigt, dass ich mitspielen und der Mannschaft helfen kann“. Aber selbst als Bayern gegen Hoffenheim 4:0 führte, kam der 32-Jährige nicht zum Einsatz.

„Wir spielen nun mal mit einem Stoßstürmer, das ist bekannt“, erklärt Nerlinger der tz zu Kloses schwieriger Situation: „Dann wird es eng, gerade wenn man sieht, wie sich Mario Gomez derzeit präsentiert.“ Siegen die Bayern weiter wie zuletzt, gibt es keinen Grund, das Stammpersonal zu tauschen. Für van Gaal heißt das: Sprechen, beruhigen, motivieren. Aber: Lieber Kommunikator als Krisenmanager…

Tobias Altschäffl

Quelle: tz

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