Klares Signal des Rekordmeisters

Rassismus-Vorwürfe am Campus: FC Bayern entlässt Mitarbeiter - Bosse vor vielen Fragezeichen

Bizarr anmutende Chatverläufe und Strafeinheiten, die sich jenseits der Legalität befinden: Der FC Bayern setzt einen Jugendtrainer vor die Tür. Doch damit ist der Fall nicht vorbei.

  • Die Profis des FC Bayern spielen in Lissabon um den CL-Titel. In der Heimat gibt es Wirbel um den FCB-Campus.
  • Gegen einen Jugendtrainer von Bayern München liefen Ermittlungen wegen Verdachts auf Rassismus.
  • Jetzt hat der FCB die Konsequenz gezogen und den Coach entlassen. Damit ist der Fall jedoch nicht abgeschlossen.

Update vom 18. August, 17.00 Uhr: Die Mitteilung war kurz und bewusst platziert: Nicht per Presseversand, sondern in genau drei Zeilen auf der vereinseigenen Homepage hat der FC Bayern am Montagabend bekannt gegeben, erste Konsequenzen aus den Rassismus-Vorwürfen gezogen zu haben. Dass der Vertrag mit dem betroffenen Trainer aufgelöst wurde, ist ein erstes Signal - Die Aufarbeitung geht intern weiter.

Längst begleiten unter anderem FCB-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und Präsident Herbert Hainer die hausinternen Ermittlungen, das Duo ist am Rande des Champions-League-Turniers in Lissabon eingeweiht in alle Schritte, die an der Säbener Straße in dieser Causa vonstattengehen.

Rassismus-Affäre beim FC Bayern: Trainer draußen - Doch es wird weiter ermittelt

Unterdessen befragt die Rechtsabteilung des Vereins weiterhin ehemalige und aktuelle Trainer des FC Bayern Campus. Zwar lehnt man Vorwürfe eines strukturellen Problems vehement ab. Dennoch müssen weitere Fragen beantwortet werden. Zum Beispiel jene über potenzielle Mitwisser, die in besagtem Chat-Verlauf rassistische Mitteilungen des entlassenen Coaches empfingen, aber nicht gegen sie vorgingen. Auch die angeblichen Vorwürfe von Eltern und Mitarbeitern, am Campus herrsche ein „Machtsystem“, stehen im Zentrum der Ermittlungen.

All das passiert nun ohne den Trainer, der schon seit Aufkommen der Vorwürfe vor gut einer Woche beim FC Bayern keine Rolle mehr spielen sollte. Artikel über ihn sind auf der Homepage von Bayern München schon tagelang nicht mehr abrufbar. Stichwort: „Error“ (Fehler).

Update vom 17. August, 19.55 Uhr: Nachdem bekannt wurde, dass ein Jugendtrainer des FC Bayern durch rassistische Äußerungen in einem älteren Chat-Verlauf aufgefallen war, zog der Verein jetzt Konsequenzen. Der Klub teilte in einer Mitteilung mit: „Die FC Bayern München AG und ein Nachwuchstrainer haben ihr Arbeitsverhältnis einvernehmlich aufgelöst. Dies ist das erste Ergebnis einer derzeit stattfindenden internen Untersuchung am Campus des FC Bayern München.“ Der Verein wolle unabhängig davon die „zugrunde liegenden Sachverhalte“ weiter untersuchen, heißt es in dem Schreiben.

FC Bayern München: Gegen einen Nachwuchs-Trainer laufen Ermittlungen wegen rassistischer Äußerungen

Erstmeldung vom 12. August 2020:

München - Während sich der FC Bayern in Lagos auf das Champions-League-Turnier in Lissabon vorbereitet, wird der Verein in München von einem internen Rassismus-Vorfall erschüttert. Wie das WDR-Magazin „Sport Inside“ berichtet, werden gegen einen Jugendtrainer am Bayern-Campus schwere Vorwürfe erhoben. Der TV-Sender beruft sich dabei auf interne Chat-Protokolle, in denen sich besagter Nachwuchs-Coach rassistisch äußert.

Diese sollen bereits zwei Jahre alt sein. Zudem sollen sie auch noch durch einen sogenannten Fake-Account auf Twitter verbreitet worden sein. Dieser wurde mittlerweile allerdings von Twitter selbst gelöscht. Der beschuldigte Trainer soll das Foto eines Lastwagens mit der Aufschrift „Bimbo“ gepostet haben und kommentiere es mit den Worten kommentiert haben: „Transport. Hier werden die Neger von A nach B transportiert.“ Ein anderes Mal bezeichnete der Campus-Mitarbeiter den Angaben zufolge einen potenziellen Neuzugang als Neger.

FC Bayern: Verdacht gegen NLZ-Jugendtrainer - Echter Chat-Verlauf oder Fälschung?

Dem FCB, dessen Erste Mannschaft sich auf den Showdown gegen den FC Barcelona vorbereitet, seien besagte Vorwürfe bekannt. Der Klub hat nach Angaben des WDR daraufhin umgehend interne Ermittlungen eingeleitet, die immer noch anhalten. Dabei geht es vor allem darum, die Frage zu klären, ob besagter Chat-Verlauf so geschah oder es sich um eine Fälschung handelt. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, drohen dem Jugendtrainer von Bayern München drastische Konsequenzen.

Heimat zahlreicher Jugendlicher: Besagter Trainer ist im Nachwuchsleistungszentrum der Bayern angestellt.

Alles andere wäre für die Außendarstellung und das Selbstverständnis des Rekordmeisters nicht akzeptabel. Immerhin starteten die Münchner erst kürzlich die Anti-Diskriminierungs-Kampagne „Rot gegen Rassismus“ und unterstützten die Black-lives-matter-Bewegung. „Der FC Bayern steht mit all seinen Mannschaften, all seinen Spielern und Spielerinnen aus den unterschiedlichsten Nationen, mit all seinen Mitgliedern, Partnern und Freunden für eine Welt, in der Rassismus, Diskriminierung, Hass, Ungerechtigkeit und Gewalt keinen Platz haben. Es geht darum, aktiv und laut Farbe zu bekennen“, stellte Präsident Herbert Hainer nach dem Tod von George Floyd klar.

Bayern München: Ermittlungen nicht nur wegen Rassismus - Es geht auch um sadistisches Straftraining

Pikant: Die Rassimus-Vorwürfe sind nicht der einzige Grund, weshalb der FC Bayern München bereits interne Untersuchungen gegen besagten Trainer einleitete: In der Vergangenheit wurden einigenVerantwortlichen anonyme Briefe zugespielt, in denen sich der oder die Verfasser über die Trainingsmethoden des Jugendcoaches beschwerten. Laut WDR ist in den Briefen von sadistischem Straftraining, das einen Spieler kollabieren ließ, die Rede. Auch diesen Vorwürfen ging der Verein damals umgehend nach, befragte unter anderem Jugendspieler und deren Eltern.

Ergebnis: Besagter Trainer habe einen guten Ruf bei den Befragten. Darüber hinaus werden alle Spieler regelmäßig gebeten, ihre Trainer bei den zuständigen Sportpsychologen am FCB-Campus zu bewerten. Auch hier gab es keine Auffälligkeiten. Die Rassismus-Vorwürfe bleiben trotzdem vorerst weiterhin bestehen.

Erst kürzlich schlug ein Video von FC-Bayern-Kapitän Manuel Neuer hohe Wellen: Der Keeper sang im Urlaub den Song einer rechten Skandal-Band fröhlich mit. Und es tauchte noch ein weiterer Clip auf.

Rubriklistenbild: © Andreas Gebert/dpa

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