Reif: "Bayern ist viel hungriger!"

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Marcel Reif.

München - Revanche in San Siro: Wenn es nach Marcel Reif geht, hat der FC Bayern im Champions-League-Achtelfinale bessere Chancen gegen Inter Mailand als vor genau neun Monaten im Endspiel von Madrid.

„Bayern ist hungriger als Inter“, meint der Sky -Chefkommentator, dessen Sender das Hinspiel am Mittwoch ab 20.45 Uhr live überträgt. Für die tz hat Reif die beiden Mannschaften unter die Lupe genommen.

■ Psyche: Der wichtigste Unterschied zum Endspiel 2010 lautet: Inter hat das Finale gewonnen, Bayern hat es verloren. Und das bedeutet: Wenn eine Mannschaft wie Inter Mailand so einen Coup landet, kehrt zwangsläufig eine gewisse Saturiertheit ein, nach dem Motto: Jungs, können wir jetzt nicht mal ein bisserl ruhiger machen? Die laufen im Energiesparmodus, die wirken satt.

Der FC Bayern ist viel hungriger, nicht nur wegen des verlorenen Finales 2010, auch wegen der Meisterschaft, die sie wohl vergeigt haben. Die haben ein schlechtes Gewissen von A bis Z, die haben richtig Dreck am Stecken. Und nach der bemerkenswerten Offensivleistung in Mainz habe ich das Gefühl: Der FC Bayern fliegt auf einer Wolke nach Mailand. Die wissen genau: Jetzt samma da!

■ Tor: Wenn Inter ein Problem nicht hat, dann ist es der Torwart - an der Klasse von Júlio César gibt es keinen Zweifel. Thomas Kraft hat in den vergangenen Wochen für sein Torwart-Abitur gebüffelt - jetzt kommen die Prüfungen. Wer sich jetzt schon ein Urteil über ihn anmaßt, ist ein Großer. Tut mir leid, so weit bin ich noch nicht.

Aber auch Inter hat hinten seine Probleme. Lúcio hat seit Wochen nicht gespielt, außerdem mussten sie einige neue Spieler wie den Japaner Nagatomo einbauen. Das klingt durchaus nach ordentlichen Arbeitsbedingungen für Mario Gomez.

■ Mittelfeld: Bayern in Mainz - nach vorne war das die reine Lust. Im Mittelfeld stimmt es wieder. Schweinsteiger spielt wieder da, wo er hingehört, Müller spielt wieder da, wo er hingehört - das Leben kann so einfach sein, und so schön. Und Ribéry hat in Mainz noch überragender gespielt als Robben. Etwas Besseres als diese beiden gibt es in Europa nicht, einschließlich Barcelona.

Bei Inter haben dagegen viele Spieler wie Cambiasso ihren Zenit schon erlebt, Kapitän Zanetti muss mit seinen 37 immer noch den Turm in der Schlacht geben, und bei Wesley Sneijder weiß man nicht, wie fit er ist. Klarer Vorteil im Mittelfeld für Bayern.

■ Sturm: Der Inter-Sturm ist derzeit eine merkwürdige Veranstaltung. Eto’o ist zwar vom Namen und vom Ego her eine große Nummer - aber vom Spiel her nicht. Kollege Pazzini ist nicht spielberechtigt. Und dass Doppel-Torschütze Milito, der Bayern in Madrid so furchtbar bestraft hat, mit einem Muskelfaserriss fehlt, ist ein weiterer Vorteil. Der Mann ist die Pestilenz für den FC Bayern, ihn wird bei den Münchnern keiner vermissen. Und bei Bayern? Die Art von Mario Gomez, Fußball zu spielen, wird sich nicht mehr ändern - aber er macht die Tore, und mehr verlangt kein Mensch von ihm.

■ Fazit: Das alles soll nicht so klingen, als ob man nach Mailand fährt und Inter aus San Siro schießt. Aber bei den Italienern stimmt vieles nicht, das ist nicht mehr diese perfekte Maschine wie unter José Mourinho. Bayern braucht ein Tor in Mailand, irgendein Tor. Dann kann man notfalls sogar mit einem Treffer Unterschied verlieren. Ich würde sagen: Die Chance für den FC Bayern aufs Weiterkommen liegt bei 60 Prozent.

Aufgezeichnet von Jörg Heinrich

Quelle: tz

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