Interview: Gerlands schwere Zeiten beim FCB II

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Fußball ist mein Leben, sagt Trainer Hermann Gerland, der bei Bayern die zweite Mannschaft in der dritten Liga betreut.

München - Hermann Gerland und sein Team stehen in Liga drei mit dem Rücken zur Wand. Wie lange ihn der Fußball noch quälen soll, und was danach kommt, erzählt er der tz.

Herr Gerland, am Samstag spielt Ihre Mannschaft gegen den SV Babelsberg – Letzter gegen Vorletzter. Ihr Chef würde sagen, es ist ein Tod-oder-Gladiolenspiel.

Gerland: Ich habe schon einige Spiele gehabt, wo ich immer hätte tot sein müssen.

Was macht Ihnen Hoffnung, dass es nun mit den Gladiolen klappt?

Gerland: Ich hoffe, dass am Samstag zumindest Deniz Yilmaz wieder dabei ist und ich ihn für eine halbe Stunde einwechseln kann. Denn wir haben ein Problem, und das zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison: Wir schießen zu wenig Tore.

Warum ist das so?

Gerland: Ganz einfach: Die Spieler, die letzte Saison die Tore geschossen haben, sind verletzt oder nicht mehr da. Mehmet Ekici ist vor der Saison ausgeliehen worden zum 1. FC Nürnberg, was für den Jungen natürlich besser ist, um sich weiterzuentwickeln. Das ist auch gut für Nürnberg und Bayern – aber nicht für die zweite Mannschaft des FCB.

Diese Probleme sind schon länger bekannt. Warum hat man sich im Winter nicht noch mehr verstärkt?

Gerland: Das ist nicht einfach. Entweder brauchen wir Spieler, die unter 23 sind oder wir brauchen Spieler, die erstklassig sind und dennoch Lust haben, in die dritte Liga zu gehen. Wie wollen Sie diese Spieler bekommen?

Sie hatten schon im Sommer gewarnt, dass es schwierig wird mit diesem Team.

Gerland: Man glaubt das ja nicht immer. Aber letzte Saison hatte ich zwei Torhüter mit Michael Rensing und Thomas Kraft, die heute erstklassige Bundesliga-Keeper sind. Die habe ich jetzt nicht. Nur, was soll ich denn machen? Ich hab so junge Leute und wir stehen da unten drin. Es ist Abstiegskampf. Wir haben in 28 Spielen 20 Tore geschossen, das ist zu wenig! Was sage ich den Jungs dann?

Was sagen Sie denn?

Gerland: Dass wir noch eine Chance haben!

Und wenn es am Samstag nicht zum Sieg reicht?

Gerland: Dann können wir wieder weiter rechnen.

Was bedeutet es für den Verein, wenn der FC Bayern II absteigt?

Gerland: Ich war immer ein Verfechter der dritten Liga. Wir mussten in Braunschweig spielen vor 17 000 Zuschauern, in Dresden vor 15 000. Das hat was mit Bundesliga-Atmosphäre zu tun. Wenn wir bald zur zweiten Mannschaft von Nürnberg fahren, spielen wir vor 122 Zuschauern, in Pfullendorf vor 800. Das ist nicht die Stimmung der dritten Liga, und das sind nicht die Spieler der dritten Liga. Der Punkt ist: Wenn sich ein 18-Jähriger in der dritten Liga durchsetzt, kann er auch Bundesliga spielen. Ich weiß nicht, ob ich in der Regionalliga erkenne, ob jemand drei Ligen höher spielen kann.

Wären Sie in der vierten Liga überhaupt noch Trainer dieser Mannschaft?

Gerland: Das kann ich heute noch nicht sagen. Das kommt auch darauf an, wer neuer Cheftrainer wird.

Sie würden also auch eine neue Aufgabe übernehmen im Verein?

Gerland: Habe ich ja vergangenes Jahr auch gemacht.

Und außerhalb des Vereins?

Gerland: Außerhalb? Ich hatte Angebote, ich hätte in die Bundesliga zurück gehen können. Aber ich habe es nicht gemacht.

Weil es Ihnen hier gut gefällt?

Gerland: Weil Bayern ein Traum-Verein ist. Hier fühle ich mich wohl.

Reizt es Sie denn, irgendwann mal wegzugehen?

Gerland: Das kann ich so nicht beantworten. Wenn man mit mir zufrieden ist, kann ich mir vorstellen, meine aktive Laufbahn als Trainer hier zu beenden. Ich bin stolz, hier zu arbeiten und mache das seit 15 Jahren. Ich habe keinen Vertrag, nichts schriftlich, alles per Handschlag. Wenn Uli zu mir kommt und sagt: Hermann, du kannst gehen, gehe ich.

Aber Sie bekommen schon Geld, oder?

Gerland (lacht): Ja, sonst wäre der Bauch dünner. Ehrenamtlich werde ich irgendwann mit 65 in meiner Heimat oder auch hier eine Jugendmannschaft trainieren. Dann will ich kein Geld dafür haben – so gebe ich dem Fußball zurück, was er mir gegeben hat. Das habe ich mir fest vorgenommen.

Fußball bis zum Ende?

Gerland: Ja. Ich fange bestimmt nicht mehr an, Golf zu spielen.

Interview: Michael Knippenkötter

Quelle: fussball-vorort.de

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