FCB-Ehrenpräsident wird 75

Warum heißt der Kaiser eigentlich Kaiser? Ein Streit begleitet Franz Beckenbauer bis heute

Ex-Präsident und -Spieler des FC Bayern: Franz Beckenbauer.
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Ex-Präsident und -Spieler des FC Bayern: Franz Beckenbauer.

Geburtstag beim Rekordmeister: Franz Beckenbauer, Ehrenpräsident des FC Bayern München, wird an diesem Freitag 75. Ein Zwist rund um den früheren Bundestrainer ist bis heute nicht geklärt.

München - Kaum ein Spieler trug das Trikot des FC Bayern in den vergangenen Jahrzehnten so stilsicher über den Platz wie er: Franz Beckenbauer. Aus der Säbener Straße in München wird gratuliert - denn die Ikone des deutschen Bundesliga-Rekordmeisters wird an diesem Freitag (11. September) 75 Jahre alt.

Franz Beckenbauer: Spieler und Präsident des FC Bayern München

Spielführer, DFB-Teammanager, FCB-Präsident, Bayern-Interimstrainer, Chef des Organisationskomitees für die WM 2006 in Deutschland, Lichtgestalt des deutschen Fußballs: Es gibt gefühlt nichts, was der gebürtige Münchner nicht gemacht hat. Ausnahmestellungen dokumentieren im Fußball nicht zuletzt besondere Beinamen für die Protagonisten.

Beckenbauer hat ohne Zweifel den bekanntesten Spitznamen der Bundesliga - und vielleicht auch darüber hinaus. Er ist der „Kaiser“. Doch woher kommt der Spitzname „Kaiser“? Ein Streit begleitet ihn bis heute. Ein Zwist um die Deutungshoheit.

Warum heißt der Kaiser eigentlich Kaiser? Franz Beckenbauer neben Büste des Habsburger Kaisers

Version Nummer eins: Der FC Bayern hatte ein Freundschaftsspiel bei Austria Wien, woraufhin der damalige Leistungsträger Beckenbauer nach einem 4:0 der Münchner für Fotoaufnahmen des Fotografen Herbert Sündhofer neben einer Büste des ehemaligen Habsburger Kaisers Franz I. in der Wiener Hofburg platziert wurde.

Das Motiv: Beckenbauer schaut in weißem Hemd und mit wild gemustertem Sakko selbstbewusst zum einstigen österreichischen Machthaber hoch. In einem zugehörigen Artikel bezeichnete der Autor Sepp Graf ihn als „Kaiser“.

Fortan, wir schreiben den 3. August 1971, hielt die Bezeichnung im Volksmund Einzug - so die Überlieferung. Beckenbauer selbst soll bei der Frage nach seinem Beinamen immer wieder auf diesen Medientermin angespielt haben.

Führte Deutschland 1990 als Teamchef zum WM-Titel: Franz Beckenbauer (li.), hier mit Kapitän Lothar Matthäus und Endspiel-Sieg-Torschütze Andreas Brehme (re.).

Spitzname von Franz Beckenbauer: Axel-Springer-Verlag reklamiert Bezeichnung Kaiser für sich

Version Nummer zwei: Oder muss man beim Spitznamen „Kaiser“ zwei Jahre weiter zurückblicken? Einer Version der Welt am Sonntag zufolge beschrieb die ebenfalls zum Axel-Springer-Verlag gehörige Bild-Zeitung den damaligen Bayern-Spieler am 10. Juni 1969 in Anlehnung an den „Bomber der Nation“, Gerd Müller, als „Kaiser der Nation“. So habe das Boulevard-Blatt getitelt: „Franz ist der Kaiser von Bayern.“

Der FC Bayern war gerade zum ersten Mal Deutscher Meister der Bundesliga geworden. „Den größten Irrtum seines Lebens verbreitete Franz Beckenbauer höchstpersönlich unterm Volk“, schrieb Welt-Autor Patrick Krull zur Wiener Version.

Eine Anekdote begleitet dagegen seine Version: Im DFB-Pokal-Endspiel vier Tage später (Bayern gewann 2:1) foulte Beckenbauer S04-Star Reinhard Libuda, den „König von Westfalen", indem er ihn an der Hose festhielt.

Die folgenden Pfeifkonzerte des Schalker Publikums beantwortete der Ausnahmefußballer laut Tagesspiegel auf seine eigene Art und Weise.

So soll er den Ball nach einer weiteren Spielszene provokant in einer Ecke vor dem Schalker Block 40 Sekunden lang jongliert und sich dabei mit den aufgebrachten Gelsenkirchener Fans unterhalten haben - laut Welt eine Majestätsbeleidigung gegen den „König von Westfalen“. Von oben herab, wie es eben nur ein Kaiser machen kann. (pm)

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