Bei Rückkehr nach München droht Quarantäne

FC Bayern spielt um großen Titel und kaum einer will hin - das sagen die Fans in Budapest

Es wird zwar kein Geisterspiel, aber den FC Bayern erwartet beim Supercup gegen den FC Sevilla in Budapest eine gespenstische Kulisse. Deutlich weniger Fans als von der UEFA erwartet werden anreisen. Wir haben mit einigen gesprochen.

  • In Budapest will der FC Bayern mit dem UEFA-Supercup den ersten Titel der Saison ergattern.
  • Gegner in der ungarischen Hauptstadt ist der FC Sevilla.
  • Vor dem Anpfiff wird vor allem über die geplante Fan-Rückkehr in einem Risikogebiet diskutiert.

Update vom 24. September, 17.53 Uhr: Die nachdrücklichen Warnungen von Markus Söder scheinen ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben. Wer tagsüber einen Spaziergang durch die Budapester Innenstadt machte, der musste schon sehr lange laufen, um an irgendeiner Ecke der ungarischen Metropole einem Fan im Trikot des FC Bayern zu begegnen. Eine Vierergruppe an der St.-Stephans-Basilika, fünf FCB-Spezl beim Mittagsbier in der Sonne, ein weiterer fuhr mutterseelenallein auf einem E-Roller über die Kettenbrücke. Die Hauptstadt präsentierte sich wie an jedem anderen normalen Arbeitstag auch. Finalstimmung? Fehlanzeige!

„Es ist überhaupt nichts los“, erklärte Karl M., der gemeinsam mit seinem 23-jährigen Sohn bereits am Mittwoch aus München angereist war. „Mit einem Auswärtsspiel der Bayern hat das gar nichts zu tun. Es heißt ja, dass aus Sevilla nur 500 Fans angereist sein sollen, bislang haben wir aber weitaus mehr Spanier als Bayern gesehen. Man merkt, dass viele daheim geblieben sind oder nur abends zum Spiel gehen.“ Mit Blick auf die Hygienemaßnahmen vor Ort nur allzu verständlich, wie M. meint: „Auf der Straße trägt niemand Maske und in den Lokalen sitzt sie bei den meisten Kellnern am Kinn. Alles sehr locker.“

Für Karl M. und die rund 1000 Roten steht bereits heute die Rückreise an. Wie der FCB mitteilte, können sich alle mit gültigem Ticket am Freitag (von 7 bis 20 Uhr) und Samstag (von 8 bis 12 Uhr) am Gästeparkhaus der Allianz Arena erneut einem kostenlosen Test unterziehen. Bis das negative Ergebnis vorliegt, geht es aber erst mal in Quarantäne.

FC Bayern spielt um großen Titel und kaum einer will hin - was sagen Fans vor der Reise nach Budapest?

(Erstmeldung) München - Der Pott ist schon in Budapest. Am Dienstag veröffentlichte die UEFA ein Foto des Supercups vor der Bilderbuchkulisse in der ungarischen Hauptstadt. Das Motto: alles ganz normal hier im vermeintlichen Corona-Hotspot! Sehen einige naturgemäß anders, unter anderem Fritz Keller. Der DFB-Präsident will nämlich kein Teil des befürchteten „Fußball-Ischgl“ sein und hat die Reise zum Gipfel zwischen dem FC Bayern und dem FC Sevilla (Do., ab 21 Uhr bei uns im Live-Ticker) abgeblasen. „Wir müssen zwar nach vorne denken, aber gleichzeitig sehr verantwortungsvoll mit der Pandemie umgehen“, unterstrich der 63-Jährige.

Definitiv Platz nehmen in der Ehrenloge der Puskas Arena wird Viktor Orban. Der ungarische Ministerpräsident will der Welt demonstrieren, dass die scharfe Kritik an der Austragung einer Partie vor Fans und in seinem Risikogebiet nicht berechtigt ist. Fest steht seit Dienstag: Das Spiel wird auf jeden Fall stattfinden. Und es wird vor mehreren Tausend Zuschauern stattfinden. Darauf einigten sich letztlich alle Beteiligten in einem letzten Gespräch, bei dem auch die Absage der umstrittenen Partie thematisiert wurde.

FC Bayern beim Supercup: Nur 1300 Fans wollen anreisen

Eine Partie, die langsam aber sicher auch den Bayern-Fans zu heiß wird. Insgesamt 3000 Tickets hatte die UEFA dem FCB für seine Anhänger zur Verfügung gestellt, von denen immerhin 2100 verkauft wurden. Aktuell sind es nur noch 1300, die den Weg ins Risikogebiet trotz der verschärften Richtlinien bei der Rückkehr aufnehmen wollen - Tendenz fallend. Die von den Bayern zur Verfügung gestellten Gratis-Tests am Montag und Dienstag nahmen auch nur rund 500 Fans wahr.

Was größtenteils auch mit dem erhobenen Zeigefinger von Markus Söder zu tun hat. „Jeder soll sich das nochmal ganz genau überlegen“, meinte der Landesvater am Dienstag am Rande einer Kabinettssitzung, bei der der Freistaat die Quarantäneverordnung für Einreisende nochmal verschärfte.

In der Chefetage an der Säbener Straße hält man sich dagegen zurück. Karl-Heinz Rummenigge benutzte denselben Wortlaut wie die UEFA und bezeichnete die Partie als „Schritt in Richtung Normalität“ - eine Haltung, die wohl von seiner Freundschaft zu UEFA-Boss Aleksander Ceferin rührt. Was Rummenigge wirklich will: den Pott bald vor der Münchner Bilderbuchkulisse bewundern. (José Carlos Menzel López)

Viel voller wird es beim UEFA-Supercup nicht: Während eines WM-Qualispiels der Ungarn 2013 waren die Ränge der Puskas Arena auch weitgehend verwaist.

Reise zum Supercup im Risikogebiet: Das sagen die Bayern-Fans

„Ich mache das aus Leidenschaft. Das kommt von Leiden. Wann bekommt man schon mal Karten für ein Spiel? Ich bin noch am Überlegen, weil so viele schon abgesagt haben. Aber ich fahre jeden Tag mit der S-Bahn. Ich glaube, es ist wahrscheinlicher, da etwas zu kriegen. An den verschärften Regeln hier sind wir teilweise selber Schuld. Die Maskenpflicht wird nicht befolgt, die Menschen sind nicht vernünftig.“ Michael Allers (51) aus München

„Ich überlege noch, ob ich Donnerstag hinfahre. Wenn, dann mit dem Auto und einer kleinen Gruppe. Ins Stadion rein, Spiel anschauen und wieder zurück. Eine normale Auswärtsfahrt ist es sicher nicht. Ich weiß nicht, ob die UEFA nicht ein bisschen viele Leute reinlässt. Mal schauen, wie eng es dort ist. Ich bereite mich so gut es geht vor, lasse die Maske auf und halte Abstand.“ Hermann Roden (61) aus München

„Ich bin neugierig, fahre gerne Zug. Budapest kenne ich noch nicht. Ich bin alleine unterwegs, so bin ich frei. Ich bin etwas verwundert. Vor ein paar Tagen war der Wert noch unter 30 und innerhalb von ein paar Tagen geht er angeblich über 100. Schwierig zu sagen, wem man da glauben schenken darf. Ich kenne niemanden in meinem Bekanntenkreis, der irgendwelche Symptome gehabt hatte. Die Entscheidungen der Politik sind in meinen Augen übertrieben.“ Thomas Huber (39) aus München

Quarantäne-Regeln für Rückreisende aus Risikogebieten

Fans aus Bayern müssen bei einer Reise zum Supercup nach Budapest nach der Rückkehr zum Testen oder in Quarantäne. Das Kabinett des Freistaats verschärfte am Dienstag seine Einreise-Quarantäneverordnung und strich eine bislang vorgesehene Ausnahmeregel. Demnach sind Sport-Anhänger bei Aufenthalten von weniger als 48 Stunden in Risikogebieten nicht mehr von der Quarantänepflicht befreit. Das gilt auch für Reisen zu Kulturveranstaltungen oder aus Freizeitgründen. Für Geschäftsreisende bleibt die Ausnahmeregel bestehen. Die Rückkehrer müssen gleich einen Test machen und können die Quarantäne erst nach negativem Ergebnis beenden.

Rubriklistenbild: © Tibor Illyes/dpa

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Shaqiri leidet: "Da kommt man nicht weiter"
Shaqiri leidet: "Da kommt man nicht weiter"
Kovac bezeichnet Guardiola als “weltbesten Trainer“ - und schätzt sich selbst ein
Kovac bezeichnet Guardiola als “weltbesten Trainer“ - und schätzt sich selbst ein
Freundin von FCB-Star verrät unverblümt Intim-Details - Bayern-Profi begeht zwei Ekel-Fehler auf dem Klo
Freundin von FCB-Star verrät unverblümt Intim-Details - Bayern-Profi begeht zwei Ekel-Fehler auf dem Klo
Mangelnde Unterstützung für kleine Bayern? Nur ein FCB-Star im Stadion
Mangelnde Unterstützung für kleine Bayern? Nur ein FCB-Star im Stadion

Kommentare