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Alvaro Odriozola: Ein Transfer wird zum Politikum

Mit Alvaro Odriozola hat Hasan Salihamidzic dem Transferwunsch von Trainer Hansi Flick entsprochen. Der Transfer sagt viel über Machtstrukturen beim FC Bayern aus. Ein tz-Kommentar.

München - Sodala, es wurde geliefert beim FC Bayern – und zwar auf dem Silbertablett. Hansi Flick wollte einen Rechtsverteidiger, Hansi Flick hat seinen Rechtsverteidiger bekommen, und bleibt man beim ersten Blick auf Alvaro Odriozola, kann man auch sagen, dass Hasan Salihamidzic ganze Arbeit geleistet hat

Der Sportdirektor hat auf dem dünnen Winter-Transfermarkt einen Kandidaten gefunden, der alle Anforderungen erfüllt. Der Baske war wechselwillig, die Kosten gering, sein Klub bereit, ihn auszuleihen – und ein Spieler, für den Real Madrid einst 35 Millionen Euro bezahlt hat, kann so schlecht nicht sein. Die Gemüter sind intern (Flick) wie extern (Fans) beruhigt. Auch das aber: nur oberflächlich!

Alvaro Odriozola: Die Fakten sprechen gegen einen Durchbruch

Es ist nicht fair, Spieler zu beurteilen, bevor sie eine Minute auf dem Platz gestanden haben, denn es ist ja durchaus möglich, dass dieser Alvaro Odriozola in seinem halben Jahr in München voll durchstartet oder zumindest eine solide Option für rechts hinten ist. 

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Die Fakten – in Madrid war der 24-Jährige fünfte Wahl, seit 2018 wartet er auf seinen Durchbruch – sprechen vor seinem Start eher dagegen. Odriozola ist – Stand jetzt – ein typischer Winter-Transfer. Einer, der womöglich aufstrebenden Jugendspielern vor die Nase gesetzt wird, obwohl bei ihm das Risiko besteht, dass sein Kauf in gut vier Monaten als purer Aktionismus bewertet wird.

Transfer sagt viel über Machtstrukturen beim FC Bayern aus

Diese Personalie wird die Schlagzeilen nur ein paar Tage beherrschen, sie wird aber die gesamte Rückrunde im Hintergrund mitschwingen. Weil sie so viel aussagt über die Machtstrukturen und Entscheidungsprozesse, die in diesem Verein aktuell gelten. 

Da ist auf der einen Seite Hansi Flick, der seine Aufgabe als Chef- und nicht mehr Interimstrainer sehr ernst nimmt. Der kurzfristigen Erfolg will, für sich und sein Team. Und der auch sicher Genugtuung verspürt, wenn sein unbedingter Wille Gehör findet.

Der Transfer schärft das Profil von Flick, es bringt aber auch Salihamidzic in eine bessere Position. Hätte der nämlich nicht auf Flicks Wünsche reagiert, hätte er sich nach jeder Pleite rechtfertigen müssen. Er hat offiziell zu verantworten, dass der ursprünglich für Niko Kovac zusammengestellte Kader von vornherein dünn war und kaum Ausfälle verkraftet. 

Also war auch er in der Bringschuld, das zu tun, was ihm eigentlich widerstrebt. Odriozola zu holen, war die logische Konsequenz aus den kleinen Machtspielchen, die die Vorbereitung beherrscht haben. Dieser Transfer ist sportlich vertretbar, vor allem aber eines: ein Politikum.

Wird auch Leipzigs Dayot Upamecano zu einem Politikum? Es gibt Gerüchte um einen Wechsel zum FC Bayern. Im Sommer 2021 laufen die Verträge von acht FCB-Profis aus - die Personalentscheidungen sind für den Klub weitreichend. Frank Rost glaubt, dass Schalke beim FC Bayern gewinnen kann. Er denkt, die Münchner würden die Meisterschaft für die Champions League opfern.

Hanna Raif

Rubriklistenbild: © dpa / Alexander Hassenstein

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