„Allianz Arena gehört zu den besten Stadien Europas“

Tag der Inklusion: Warum die Arena großes Vorbild ist - Die Hoffnung leuchtet lila

Die Allianz Arena in Lila: Ein Zeichen für Inklusion.
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Die Allianz Arena in Lila: Ein Zeichen für Inklusion.

Beim FC Bayern wird das Thema Inklusion großgeschrieben. Und auch in der Allianz Arena wurde schon beim Bau an Menschen mit Handicap gedacht.

München - Am Donnerstag ab 16.30 Uhr gibt es in Fröttmaning mal wieder etwas Besonderes zu sehen. Im Rahmen der weltweiten Aktion #PurpleLightUp erstrahlt die Allianz Arena in Lila – und setzt ein Zeichen für Inklusion. Auf den Beitrag von Menschen mit Behinderung zur Gesellschaft aufmerksam zu machen, ist beim FC Bayern tief verankert, wie Stadion-Geschäftsführer Jürgen Muth und Kim Krämer (Behindertenfanbeauftragter des FCB) berichten.

Herr Muth, die Allianz Arena leuchtet heute Abend in Lila. Wieder eine neue Farbe – aber eine sehr wichtige, oder?
Muth: Sie haben recht: Lila gab es noch nie. Bevor wir auf LED-Beleuchtung der Fassade aufgerüstet haben, hatten wir gar nicht die Möglichkeit dazu. Jetzt aber haben wir 16 Millionen Farben – und Lila wird durch diesen gegebenen Anlass besonders wichtig. Die Aktion ist etwas Besonderes, das uns speziell am Herzen liegt. Wir beteiligen uns sehr gerne, denn Inklusion ist in den Werten des FC Bayern verankert und beim Bau der Allianz Arena von Anfang an wichtig gewesen. Ein Dank geht daher auch an die Genehmigungsbehörden. Dafür, dass wir die Möglichkeit haben, unsere Strahlkraft – im wahrsten Sinne des Wortes – nutzen zu dürfen.
Von Beginn an – heißt das, bei der Planung der Arena wurde bereits besonders auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung geachtet?
Muth: Mehr noch: Wir haben schon am Planungsanfang, also weit vor 2005, darauf geachtet, dass unsere behinderten Zuschauer beste Plätze und bestmögliche Parkplätze bekommen, zudem haben wir die Serviceeinrichtungen so gestaltet, dass sie für Menschen mit Behinderung nicht nur sehr gut, sondern optimal geeignet sind.
Stadion-Geschäftsführer der Allianz-Arena: Jürgen Muth.

Schon beim Bau der Allianz Arena wurde an Inklusion gedacht

Herr Krämer, Sie haben Erfahrungen in diversen Stadien: Sind die Bedingungen für Menschen mit Behinderungen beim FC Bayern besonders gut?
Krämer: Ja, die Allianz Arena gehört beim Thema Inklusion auch 15 Jahre nach der Eröffnung zu den besten Stadien Europas. Das hat natürlich damit zu tun, dass Menschen mit Behinderung eben von der ersten Minute an mit einbezogen wurden. Aber auch die Bereitschaft und die Erkenntnis der verantwortlichen Personen beim FC Bayern, die Entwicklung bezüglich Barrierefreiheit und Inklusion zu verfolgen und umzusetzen, ist ein wichtiger Bestandteil.
Was waren die größten Herausforderungen in der Planung und Umsetzung, was sind sie im Alltag?
Krämer: Der wichtigste Schritt war 2002 tatsächlich, dass man alle wichtigen Stakeholder an einen Runden Tisch bekam und sich mit der Thematik auseinandergesetzt hat. Man hat gemeinsam mit allen Beteiligten – wie zum Beispiel den Architekten, den Entscheidungsträgern beim FC Bayern und der Allianz Arena sowie Menschen mit Behinderung – ein Konzept entwickelt und den Grundstein für eine großartige Infrastruktur gelegt, auf der wir heute weiterhin aufbauen können.
Behindertenfanbeauftragter des FCB: Kim Krämer.

Allianz Arena bereits zweimal für ihre Barrierefreiheit ausgezeichnet worden

Herr Muth, wie war der Status quo vor 15 Jahren – wie ist er heute?
Muth: 2002, als wir die Allianz Arena gerade drei Monate geplant hatten, saßen wir schon das erste Mal am Tisch mit Vertretern des „Rollwagerl 93 e.V.“, der uns seitdem fortlaufend begleitet. Es war enorm wichtig, dass man bereits so früh miteinander spricht, die Bedürfnisse kennenlernt. Nach dem ersten Austausch war der FC Bayern zum Beispiel bereit, auf einige Sitzreihen zu verzichten, damit die Rollstuhlfahrer die Tore nicht verpassen, wenn vor ihnen Zuschauer aufspringen. Seitdem haben wir die Kapazitäten noch nahezu verdoppelt.
Wie war das möglich?
Muth: Früher war es so, dass die Begleitperson neben dem Rollstuhlfahrer saß. Jetzt sitzen sie auf einer Art Barhocker hinter ihnen. Auch für solche Ideen und Anregungen ist der Austausch mit den Betroffenen enorm wichtig. Er besteht kontinuierlich. Auch der FC Bayern schenkt dem Thema eine hohe Aufmerksamkeit: Das zeigt die Tatsache, dass in Herrn Krämer ein eigener Behindertenfanbeauftragter existiert, der stets ansprechbar ist. Und es ist auch kein Zufall, dass die Allianz Arena vom Bayerischen Staatsministerium bereits zwei Mal als Vorbild beim Thema Barrierefreiheit ausgezeichnet wurde.
Herr Muth, gibt es auch Kritik der Betroffenen?
Muth: Ich würde die Zusammenarbeit als hochgradig konstruktiv bezeichnen. Aber ich will kein Geheimnis daraus machen, dass es mal Diskussionen gibt, wie viel möglich und vertretbar ist. Natürlich stößt man manchmal an Grenzen.
Haben Sie Beispiele?
Muth: Für die Rollstuhlfahrer wäre es einfacher, wenn sie am Kiosk an einem niedrigeren Tresen ihre Ware entgegennehmen könnten. Allerdings geht es da um die Bedürfnisse von 100 Fans auf der Ostseite, auf der insgesamt rund 25.000 Fans sitzen. Wir haben also nach Alternativen gesucht. Unser Catering-Partner Do&Co war sofort zu einem Service bereit, den Rollstuhlfahrern Essen und Trinken zu bringen.

Video: Allianz Arena leuchtet orange gegen Gewalt an Frauen

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Mit der FC Bayern-App können auch Blinde und Gehörlose die Spiele verfolgen

Herr Krämer, wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Wo gäbe es Verbesserungspotenzial?
Krämer: Im Bereich Inklusion gibt es immer etwas zu tun. Weil sich auch hier die Thematik immer weiterentwickelt, wären Plätze für Menschen mit Autismus und beispielsweise eine gewisse Anzahl von Rollstuhl-Plätzen im Premiumbereich im Moment sehr prominente Themen, und zwar europaweit. Darüber hinaus wird uns der Bereich digitale Barrierefreiheit sehr beschäftigen.
Herr Muth, es heißt, Fußball verbindet – ist Ihnen eine besondere Inklusions-Geschichte im Gedächtnis?
Muth: Sogar eine, die mich im Laufe der Jahre hier am meisten bewegt hat. Wir waren noch im Rohbau, da gab es schon den ersten Austausch mit Rollstuhlfahrern. Die Bauarbeiter haben die Eingeladenen mit ihren Rollstühlen die Treppen hochgetragen, bevor es dann auf der Promenade ein kleines Rollstuhlrennen gab. Wer ist als Erster an dem Platz, an dem er später einmal Spiele des FC Bayern verfolgen wird? Als die Rollstuhlfahrer angekommen waren, habe ich sehr viele Freudentränen gesehen. Sie haben realisiert: Früher, im Olympiastadion, saßen sie ab vom Schuss am Marathon-Tor. In der Allianz Arena werden sie die besten Plätze haben. Diese Tränen haben mich tief berührt.
Auch für Sehbehinderte und Hörgeschädigte gibt es Angebote: Blinden-Kommentatoren und Untertitel-Brillen. Wie ist hier die Resonanz?
Muth: Sehr gut, von Beginn an. Das Bedürfnis war da – und wir haben Mitarbeiter in unseren Reihen, die mit Leidenschaft dabei sind. Im Moment sind wir mit je 20 Geräten vom Kontingent her begrenzt, aber das kann sich in Zukunft noch verbessern.
Inwiefern?
Muth: Ziel ist es, den Service über die FC Bayern-App anzubieten. Wir haben ein sehr leistungsstarkes W-Lan. Wenn jeder seinen Kopfhörer mitbringt und sein Handy zur Hand nimmt, kann er den Service abrufen. Das wäre dann noch mal ein echter Quantensprung.
Auch an Sehbehinderte und Gehörlose wurde im Stadion gedacht.

Die Strahlkraft des FC Bayern soll sich auch auf andere gesellschaftliche Bereiche auswirken

Purple Light Up ist das Motto der Aktion heute – was wäre ein Erfolg?
Muth: Ein Erfolg wäre es, dieses enorm wichtige Thema in der Öffentlichkeit noch präsenter zu machen. Gerade in der aktuellen Zeit, in der es für uns alle leider Gottes nur ein Thema gibt, habe ich mich über die Aktion besonders gefreut. Und ich würde es sogar noch erweitern: AllAbility bedeutet für mich nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern auch die Herausforderung, die unsere älter werdende Gesellschaft mit sich bringt. 
Herr Krämer, was erhoffen Sie sich von der Strahlkraft des FC Bayern?
Krämer: Wir erhoffen uns, dass sich diese Strahlkraft auf andere gesellschaftliche Bereiche positiv auswirkt. Der FC Bayern hat in der Vergangenheit stets bewiesen, dass er zu einer guten Kooperation mit Fans oder Menschen mit Behinderung bereit ist – und entsprechende Lösungen erarbeitet werden können.

Das Interview führte Hanna Raif.

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